Archiv
07. Januar 2013

Die unsichtbare Plage

Jeder sechste Schweizer hat Rheuma. Besonders schmerzhaft ist dies im Winter, denn die Kälte lässt den Körper noch steifer als sonst werden. Heilung gibt es für die meisten nicht, aber Therapien, die den Erhalt der Lebensqualität fördern.

Betty Lanicca braucht Hilfe, selbst beim Öffnen einer Flasche
Betty Lanicca braucht Hilfe, selbst beim Öffnen einer Flasche. Tochter Gaby 
Hoffmann geht 
ihrer Mutter zur Hand.

Neben der ärztlichen Grundversorgung vertrauen zahlreiche Rheumabetroffene auf ergänzende Behandlungen. Auf solche, welche die Lebensenergie aufbauen, wie die Traditionelle Chinesische Medizin. Oder auf die indische Ayurveda-Medizin, welche die Säfte und Temperamente des Kranken unterstützt. Oder sie vertrauen auf die westlichen Naturheilverfahren der Komplementärmedizin. Alle Therapien versprechen eine Besserung der Lebensqualität, aber die Suche nach der geeigneten Therapie ist oft nicht einfach.

So behandelt die konventionelle Medizin

Praktisch alle, die Schmerzen spüren, gehen zu einem Arzt, die meisten allerdings relativ spät.

Der Arzt stellt sich die Fragen: In welchem Stadium befindet sich die Erkrankung? Ist sie entzündlich oder degenerativ? Wie viele Gelenke sind betroffen? Dies und mehr klärt der Rheumatologe im Gespräch mit dem Patienten.

Therapie: Je nach Krankheitsbild werden mehr oder weniger starke Schmerzmittel und Entzündungshemmer wie zum Beispiel Kortison oder Antirheumatika eingesetzt. Wegen der zum Teil schweren Nebenwirkungen gehören solche Therapien zwingend in die Hände des Rheumatologen. Seit einigen Jahren kommen auch sogenannte Biologika zum Einsatz. Sie funktionieren wie Antikörper und können überaktive Entzündungsprozesse deaktivieren. Diese Medikamente sind teuer und dürfen erst nach Rücksprache mit der Krankenkasse verordnet werden. Zur konventionellen Medizin gehört auch die Physio­therapie, in der Bewegungsabläufe optimiert, die Muskeln aktiviert und gelockert werden.

So behandelt die Traditionelle Chinesische Medizin

Die chinesische Medizin ist ein Therapiekonzept, das verschiedene Verfahren mit Ernährungsmassnahmen und körperlicher Bewegung vereint.

Der Arzt stellt sich die Fragen: Hat der Patient geschwollene Gelenke? Wandert der Schmerz in andere Körperteile? Auf welche Weise wirken Kälte- und Wärmereize auf die Erkrankung?

Therapie: Je nach Schmerzzustand und rheumatischem Krankheitsbild wird oftmals zuerst mithilfe von Akupunktur die schwache energetische Lage des Körpers über die Meridiane aktiviert. Dann folgt das Entgiften des Körpers mit einer ausgewählten Diät. Zudem werden die Milz-, Nieren- und Leberfunktionskreise mittels Nadeln, Tuina-Massage oder Moxibustion (Reizung durch brennenden Beifuss, Moxa) über die Meridiane entstört und in ihrer Funktion unterstützt und ergänzt durch geeignete Ernährungsmassnahmen und Bewegungsübungen wie Qigong. Es gilt, die richtige Mischung aus den verschiedenen Methoden zu finden.

So behandelt die ayurvedische Medizin

In der Schweiz hauptsächlich als «Wellnesstherapie» bekannt, praktizieren ausgebildete Ärzte in Indien seit mehr als 5000 Jahren ayurvedische Medizin. Sie versuchen, die Ursachen einer rheumatoiden Erkrankung und nicht deren Symptome zu behandeln.

Der Arzt stellt sich die Fragen: Wie steht es — natürlich neben den körperlichen Symptomen — um die emotionale und energetische Verfassung des Patienten? Je nach Typus (Kapha, Vata, Pitta) wird eine spezielle Ernährung ausgearbeitet.

Therapie: Die Behandlungen erfolgen sowohl von innen über die Ernährung und die Kräutermedizin als auch von aussen über die Haut mit Ölgüssen, Heilkräutern, Wickeln und so weiter. Ein zentrales Element stellt die Ernährung dar. Je nach Störung und Grundkonstitution des Patienten werden präzise Ernährungspläne ausgearbeitet. Ein weiteres Behandlungsziel ist die Entstörung und Erneuerung des kranken Gewebes durch Ausleitungsverfahren, die den Körper entgiften sollen.

So behandelt die Komplementärmedizin

Komplementärmediziner sind Ärzte mit Ausbildung in Naturheilverfahren.

Der Arzt stellt sich die Fragen: Wie hoch sind die Entzündungswerte? Wie hoch die Schwermetallbelastung? Wie sieht das Bindegewebe aus?

Therapie: Da die entzündlichen Prozesse unter anderem durch Übersäuerung oder Mangelzustände entstehen, erhält der Patient nebst einer Ernährungsumstellung Spurenelemente wie Selen oder Vitamin C. Dann müssen chronische Entzündungsherde beseitigt werden, sonst zeigen weitere medizinische Massnahmen nur kurze Wirkung. Gegen Schmerzzustände hilft die Neuraltherapie, bei der örtlich wirksame Betäubungsmittel gespritzt werden. Gegen akute Schmerzen gibt es Salben aus Weihrauch, Beinwell oder Teufelskralle.

HIER FINDEN SIE HILFE
Rheumaliga:Die Rheumaliga Schweiz fördert die Bekämpfung von rheumatischen Erkrankungen. Sie unterstützt gesunde Menschen durch Prävention und Information und bietet Hilfe an bei medizinischen, therapeutischen und sozialen Massnahmen. So findet man auf der Homepage unter anderem Hinweise zu Ernährung, Physiotherapie und Selbsthilfegruppen.
www.rheumaliga.ch

Mehr zu TCM, Ayurveda und Komplementärmedizin
www.tcmswiss.ch
www.xund.ch
www.samayurveda.ch

Autor: Isabella Fischer

Fotograf: Tina Steinauer