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17. März 2014

Mit der Uhr durch dick und dünn

Viele Menschen haben eine besondere Beziehung zu ihrer Uhr. Oft begleitet das Chronometer sie ein Leben lang. Sprinter Alex Wilson etwa schwört auf seine Certina.

Die amtierende Schwingerkönigin Margrit Vetter (28) erhielt ihre Kandahar-Uhr vor sieben Jahren von einem Frauenschwingenfan, der alle in den vorderen Rängen Klassierten belohnte. «Ich trage diese schöne Uhr hauptsächlich, wenn ich für die Spitex im Emmental arbeiten gehe. Sie bedeutet mir sehr viel, weil auf dem Zifferblatt mein lediger Name, das Logo des Verbands und die Kantonswappen gedruckt sind.» 2014 möchte Vetter ihren Titel verteidigen und danach zurücktreten. «Deshalb wird diese Uhr für immer mein Erinnerungsstück bleiben.»

Die amtierende Schwingerkönigin Margrit Vetter (28) im Schwinger-Tenu.
Die amtierende Schwingerkönigin Margrit Vetter (28) erhielt ihre Kandahar-Uhr vor sieben Jahren von einem Frauenschwingenfan.

Bei 10,12 Sekunden über 100 Meter steht der Schweizer Rekord. Sprinter Alex Wilson (23) hält ihn. «Die Sportart und ich leben von der Zeit. Zeit ist mein Leben», sagt der Basler Sprinter mit jamaikanischen Wurzeln. Vor zwei Monaten hat er sich eine sportliche Certina gekauft. «Uhren gehören für mich zur Mode. Ich habe immer eine getragen, weil ich stets pünktlich sein will.» Selbst beim lockeren Trainieren trägt er sie. Nur bei langen Einheiten legt er sie weg, «sonst habe ich den Eindruck, das Training dauert ewig». Während eines Wettkampfs legt er die Uhr ebenfalls zur Seite, um nicht unnötiges Gewicht zu tragen. Zu Hause habe er zusätzlich ein paar Uhren von Swatch und seinem Ausrüster Puma. Der Saisonhöhepunkt des schnellsten Schweizers ist die Leichtathletik-EM im August in Zürich. «Von mir darf man erwarten, dass ich im Final mitlaufen kann.»

Sprinter Alex Wilson mit siner Certina am Handgelenk.
Sprinter Alex Wilson hat sich vor zwei Monaten eine sportliche Certina gekauft.

Starkoch André Jaeger (67) ist ein verkappter Uhrenfreak. Zu seinem 18. Geburtstag erhielt er von seinem Vater eine getragene Rolex mit einem Goldarmband. «Sie war für mich schlicht und doch etwas Unglaubliches. Ich habe die Uhr heute noch», sagt Jaeger. In den 70er-Jahren arbeitete er in Hongkong, als ultraflache Uhren trendig waren. Er habe sich ab und zu so «ein Ührli» geleistet. Als der 19-Punkte-GaultMillau-Koch in die Schweiz zurückkehrte, wurde er abermals beschenkt, dieses Mal von seiner Frau, mit einer Bulgari. «Zum Leidwesen von IWC trug ich als Schaffhauser diese Uhr, die ich über alles liebte.» 2004 ist Jaeger eine Portugieser von IWC mit permanentem Kalender ins Auge gestochen. «Ich bin so happy mit dieser Portugieser. Sie passt zu mir, und ich trage sie Tag und Nacht.» Fünf andere Uhren bewahre er in einem Flanell-Schuhbeutel in seinem Tresor auf. Uhren sind für Jaeger wichtig: «Ich bin von Berufs wegen ein exakter Mensch und reagiere empfindlich, wenn jemand zu spät kommt. Zeit ist ein Geschenk.»

Starkoch André Jäger mit einer IWC.
Starkoch André Jaeger (67) ist ein verkappter Uhrenfreak.

Vor 23 Jahren schloss Ständeratspräsident Hannes Germann (57) den Bund der Ehe. Seine Frau schenkte ihm eine Rado-Uhr, die er noch heute trägt. Als Alternative hat er eine Taschenuhr, die sein Grossvater von der Firma Georg Fischer geschenkt erhielt. Sie hat für den SVP-Politiker einen besonderen immateriellen Wert, die Rado hingegen sei «ein Inbegriff von Schweizer Qualität». Der Schaffhauser musste im Jura oft Dienst leisten und sei so auf das Unternehmen aufmerksam geworden. Eine Swatch wurde ihm letztes Jahr gestohlen, als er für den FC Nationalrat kickte. Nun träumt der Betriebsökonom von einer IWC Portugieser. «Ich möchte diese weniger, um die Zeit abzulesen. Das mache ich auf dem Handy. Aber ich bewundere die Uhr als Marke und Modeaccessoire.»

Ständeratspräsident Hannes Germann (57) mit seiner Rado-Uhr am Handgelenk.
Ständeratspräsident Hannes Germann (57) erhielt vor 23 Jahren von seiner Frau eine Rado-Uhr, die er noch heute trägt.

Maurice Lacroix, Mont Blanc und Swatch: So heissen die Uhrenlieblinge von Image- und Stilberater Clifford Lilley (63). Damit sei er bestens assortiert. Erstere (im Bild oben rechts) sei sportlich-klassisch, sein Stil, die Mont Blanc (unten) trage er abends zum Smoking und die neue Chrono-Swatch (im Bild oben links) sei ganz einfach «mega cool, a beautiful watch». Eine Uhr gehöre zur modischen Garderobe. Das Glück des in Zürich wohnhaften Stylisten: Er erhielt alle Uhren von den jeweiligen Firmen geschenkt. Lilley rät: «Eine Uhr muss Klasse haben. Man sollte eine tragen, die zum Lebensstil passt, und nicht, um Leute zu beeindrucken.» Ein Chronometer sei wie eine Visitenkarte.

Stilberater Clifford Lilley mit einer Mont-Blanc am Handgelenk.
Ein Chronometer sei wie eine Visitenkarte, sagt Stilberater Clifford Lilley.

Autor: Reto Wild, Illustrationen: Lorenzo Petrantoni

Fotograf: Christian Schnur