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12. Juni 2014

Die Tessiner Palme

Deutschschweizer und Touristen lieben sie, bei den Einheimischen sind sie eher verpönt.

Bis jetzt konnten wir die Palme noch vom Dach aus schneiden, aber wie lange noch?
Bis jetzt konnten wir die Palme noch vom Dach aus schneiden, aber wie lange noch?
Lesezeit 2 Minuten

Wie alle Deutschschweizer liebe ich die Palmen. Meine erste habe ich als Kind bekommen und bei allen Umzügen immer mitgenommen. Sie wurde im Topf über 50 Jahre alt. Bis ich sie dann auspflanzte und der harte Winter 2011 ihr den Garaus machte.

Hier im Tessin war mein Garten dann voll davon, in allen Varianten: hohe, mittlere, kleine und kleinste. Jedes Jahr reisse ich eine Menge Setzlinge aus, die grössere stelle ich in der Deutschschweiz an den Strassenrand mit einem Schild "gratis zum Mitnehmen". Innerhalb von zwei Tagen sind sie dann jeweils weg :-)).

Dann begann ich, die Fruchtstände, die am Markt für viel Geld verkauft werden, ebenfalls im Norden zu verschenken. Als Deko sind sie nun bei Nachbarn und Bekannten heiss begehrt. Wenn meine Palmen einmal keine oder nicht genügend Fruchtstände liefern, habe ich auch schon welche in der Gründeponie der Gemeinde gefunden. Hier entsorgen die Gärtner tonnenweise Fruchtstände aus den privaten Gärten. Vielfach wird auch schon der Blütenstand abgeschnitten: die Tessiner fürchten die Vermehrung wie der Teufel das Weihwasser. In meinem ersten Tessiner Gartenjahr machte ich die erste Erfahrung damit. Ich schnipselte die getrockneten Fruchtstände in den Kompost ... im Jahr darauf musste ich ganze Nester von Palmenkeimlingen mühsam wieder herauslesen. Ich habe sowieso das Gefühl, hier könne man alles einfach in den Boden stecken und es wächst (vorausgesetzt man bewässert es). Von dieser Wüchsigkeit zeugen nicht nur die verwilderten Bambus- und Palmenhaine in den Wäldern. Mit der Pflanzung von invasiven Pflanzen ist wirklich höchste Vorsicht geboten.

Zurück zu den Palmen. Ich überlegte mir schon bald, wie ich das Rohmaterial, die Palmblätter, weiter verwerten könnte. Ich verwende nun die langen Stecken/Stängel als Rückhalter bei den Stauden oder kreuz und quer eingesteckt als Katzenabwehr. Oder als erster Kletterstab für die Gurken, denn die Stecken sind idealerweise leicht gezackt. Gekürzt dienen sie als Befestigung wie Heringe für den Bewässerungsschlauch.
Wenn sie ausgedient haben sind sie trocken und können als Anfeuerholz gebraucht werden. Die Palmblätter lege ich im Winter als Abdeckung auf die Beete, was das Auswaschen verhindert und gleichzeitig noch die Katzen abhält. Im Sommer lege ich sie unter die Tomaten (darunter der Bewässerungsschlauch) oder auf (noch) nicht bepflanzte Stellen.

Zusammen mit dem getrockneten Rasenschnitt und den Nadeln/Zapfenblättchen der grossen Zeder (im Frühling), habe ich so immer genügend Deck- und Mulchmaterial zur Verfügung.