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19. Mai 2014

Die Selber-Macherin

Jeden Monat besucht Gartenbloggerin Almut Berger einen ihrer Mit-Blogger in seinem Garten. Diesmal schaut sie bei der «Wühlmaus» vorbei. Und die macht ihrem Namen alle Ehre: Unermüdlich wühlt sie durch ihren Garten, da bleibt kein Stein auf dem anderen.

Hely Betschart 
alias Die Wühlmaus
Hely Betschart 
alias Die Wühlmaus hats nicht so mit «Blöterle». Lieber packt sie an und verwirklicht ihre Gartenträume. Auf der Steinbank sitzt sie höchstens mal abends mit 
ihrem Mann.

Der Händedruck ist kräftig, die Handfläche rau, die Fingernägel … na ja. Die Wühlmaus, die im wahren Leben Hely Betschart (47) heisst und in Brunnen SZ wohnt, ist seit letztem Sommer treue Gartenblog-Userin von «Bohne, Bluescht & Berger». Sie zuckt mit den Schultern und lacht. Im Moment nütze halt alles Schrubben nichts, der Dreck habe sich festgefressen. Schliesslich habe sie unbedingt noch ihr neustes Gartenprojekt fertigstellen wollen.

Tatsächlich: Gleich neben der Vogelfutterstelle, welche die rührige Do-it-yourself-Frau im letzten Winter gebaut hatte und die im Gartenblog viel Lob fand, prangt es, ein zweistufiges Miniteichlein, eingefasst von leuchtend weissem Granit, chinesisch angehaucht. «Japanisch!», korrigiert die Wühlmaus.Sie liebe die japanische Kultur, die japanischen Gärten. Am meisten liebe sie aber – hinter den Brillengläsern blitzt der Schalk – die japanischen Sumoringer!

Bananenminze, Fruchtsalbei, Zitronenstrauch
Bananenminze, Fruchtsalbei, Zitronenstrauch – etwas für die Nase.

Solch ein Kraftpaket hätte sie in den letzten Tagen beim Teichbau gut brauchen können, das Wühlmausreich liegt nämlich an einem Steilhang, der jeden Materialtransport zum Kraftakt werden lässt. Auf dem Fronalpstock ob Brunnen liegt noch immer Schnee, hier unten im Windschatten der Häuser herrschen fast schon sommerliche Temperaturen. Dies mit zur Freude der kleinen Eidechse, die sich auf einer der zahleichen Trockenmauern sonnt und selbst von der Fotografin nicht stören lässt. «Die Tiere wissen halt, dass ihnen in meinem Garten keine Gefahr droht», erklärt die Wühlmaus, während sie ein paar Algen aus ihrem Teichlein fischt, «hier sind alle herzlich willkommen!»

MEHR BILDER AUS DEM «WÜHLMAUS»-GARTEN

Die Hobbygärtnerin und ihr Mann haben ihr Haus, ein Chalet aus den 40-er Jahren mit knapp 200 Quadratmetern Umschwung, vor 16 Jahren gekauft. Damals hatte die zweifache Mutter mit Gärtnern nicht viel am Hut. «Irgendwann habe ich dann aber gemerkt, dass das Wühlen in der Erde ein handfester Ausgleich ist zu all der Büroarbeit im familieneigenen Malerbetrieb», erzählt sie. Von einem Teich habe sie schon lange geträumt, wegen der beengten Platzverhältnisse aber davon abgesehen. Bis ihr kürzlich eine Kollegin den Link auf eine Website mit Miniteichen mailte. «Da habe ich kurzerhand die Büroarbeit Büroarbeit sein lassen, ein paar Maurerwannen und einen Sack Mörtel gepostet, einem Kollegen die Granitsteine abgeschwatzt und geschleppt, gestapelt, gemauert.» Krumm und schief sei es zwar, ihr Werk, meint sie selbstkritisch, «dafür aber garantiert und zu 100 Prozent selbstgemacht!»

Der Teich Marke Eigenbau
Selbst geschleppt, selbst gestapelt, selbst gemauert: Die Wühlmaus ist zu Recht stolz auf 
ihren Teich Marke Eigenbau.

«Selber machen» fällt immer wieder im Gespräch mit der Wühlmaus. Genauso wie «wiederverwerten». Als im Herbst vor eineinhalb Jahren der bisherige Garten wegen eines Garagenbaus unter die Räder kam, hat sie die alten Gartenplatten und Stellriemen Stück für Stück vor dem Bagger gerettet und anschliessend neu verlegt. Felsbrocken, durch die Erdverschiebungen an die Oberfläche gekommen, stapelte sie zu Trockenmauern auf. Und der Stamm einer gefällten Birke dient heute Kröten und Eidechsen als Unterschlupf.

«Bei uns gilt die Regel, dass der befiehlt, der etwas macht»

Die Zentralschweizerin haucht Altem neues Leben ein: Löffel beispielsweise ergeben witzige Namensschilder für die unzähligen Gewürzsorten. Schwemmholz aus dem Vierwaldstättersee dient als Fuss für all die Gartenlaternli. Und der Sicht- und Windschutz an der Terrassenbrüstung besteht aus alten Fensterläden, die sie auf dem Dachboden der Schwiegermutter entdeckt und kurzerhand abgelaugt hat. «Mein Mann wollte sie zwar noch schleifen und lackieren, was ich mir aber verbeten habe.» Altes dürfe alt aussehen, das gelte übrigens auch für die Gartenplatten, die ihr Mann am liebsten kärchern würde. Die Wühlmaus kichert. «Zum Glück gilt bei uns die Regel, dass der befiehlt, der macht. Und im Garten bin es nun mal ich...».

Den Garten mit den eigenen Händen zu verschönern, das ist das Grösste für die Wühlmaus. «Das Wühlen ist für mich eine Art von Meditation», sagt sie. Bei ihren Projekten verlässt sie sich auf ihr Bauchgefühl, Gartenfachbücher sind ihr ein Graus. «Dass es so etwas wie Stark- und Schwachzehrer gibt, habe ich zum ersten Mal im Gartenblog gelesen», gibt sie unumwunden zu. Und dass es eigentliche Saatkartoffeln gibt, auch. Im letzten Jahr habe sie einfach einen vorigen «Gummel» aus dem Kühlschrank in einen grossen Pflanztopf gesteckt. «Hat bestens funktioniert!»

Bei aller Freude am Wühlen geniesst sie es auch, ab und zu innezuhalten und all die Gartenbewohner zu beobachten: die Ameisen, Spinnen und Wildbienen. Aber auch Fauchi, den Igel, der jeweils in einem (selbstgebauten) Häuschen überwintert. Oder Oleg, den Raben, der immer auf der Terrasse nach Futter bettelt. Oder Lisbethli, das Rotkehlchen. Sowieso sind die Vögel, neben den Sumoringern, Wühlmaus’ grosse Liebe. Am besten gefalle ihr natürlich die Haubenmeise. Natürlich? «Die hat die gleiche Frisur wie ich», erklärt sie augenzwinkernd. So ein Meisli, wäre das statt der Wühlmaus nicht auch ein Profilbild bei «Bohne, Bluescht & Berger» gewesen? Die Tierfreundin stutzt, zögert. «Nein, nein», sagt sie dann nach ein paar Sekunden konzentriertem Nachdenken. «Nein, nein, Wühlmaus, das bin ich!»

Die echte Wühlmaus
Die echte Wühlmaus: Das Profilbild von Hely Betschart im Gartenblog.

Zu Besuch bei: DIE WÜHLMAUS
Gartenstandort: Brunnen SZ, 435 m ü. M.
Gartenprofil: rund 200 m2, sonnige Hanglage bei stark felsigem Untergrund.
Gärtnerinnenprofil: Die Wühlmaus ist eine Macherin, dreckige Fingernägel ihr Markenzeichen. Anleitungen hingegen sind überhaupt nicht ihr Ding, sie verlässt sich ausschliesslich auf ihr Bauchgefühl. Kämpft mit: Zu viele gute Ideen bei zu wenig (Garten-)Quadratmetern. Träumt von: Meh Dräck! Und einem eigenen Kneippweg.

MACHEN SIE MIT!

Scheren Sie sich ähnlich wie die Wühlmaus nicht um Stark- und Schwachzehrer? Träumen Sie ebenfalls von einem eigenen Kneippweg? Tauschen Sie sich auf «Bohne, Bluescht & Berger» mit anderen Hobbygärtnern aus, erzählen Sie von Ihren Erfolgen und Niederlagen. Und posten Sie Ihre eigenen Gartenfotos (einfach registrieren respektive oben links einloggen und hier ARTIKEL EINREICHEN): Vielleicht blickt Almut Berger ja demnächst auch über Ihren Gartenzaun!

Autor: Almut Berger

Fotograf: Almut Berger