Archiv
09. Januar 2012

«Die Schule soll helfen, Unfälle zu vermeiden»

Rund 10'000 Personen verunfallen in der Schweiz jedes Jahr beim Schlitteln – eine Schlittelschule soll diese Zahl senken helfen. Ihr Leiter gibt Auskunft.

Christoph Estermann (29) ist Leiter Schneesport bei Grindelwald Sports AG. (Bild zVg.)
Christoph Estermann (29) ist Leiter Schneesport bei Grindelwald Sports AG. (Bild zVg.)

Christoph Estermann, weshalb hat es trotz steigender Unfallzahlen bisher keine Schlittelschulen in der Schweiz gegeben?

Das liegt wohl an dem weit verbreiteten Glauben, Schlitteln und Rodeln sei etwas, was man einfach so könne. Erst recht als Schweizer. Wir haben auch schon einige bissige Kommentare zu hören bekommen, etwa der, eine Rodelschule sei schlicht Volksverblödung. Man hat das Gefühl, so was brauche es doch nicht.

Und doch eröffnen Sie jetzt eine Schule.

Laut unserem Rettungsdienst erfolgt rund ein Viertel seiner Einsätze wegen Schlittlern. Die Schule soll dazu beitragen, Unfälle zu vermeiden. Zudem haben wir in letzter Zeit von Firmen öfters gehört, dass sie bei Ausflügen auf das Rodeln verzichten, weil es zu gefährlich sei. Es ist eben nicht so einfach, einen Rodel zu kontrollieren. In Tirol gibt es übrigens schon länger eine solche Schule; die ist mittlerweile gut etabliert.

Dennoch dürfte es nicht leicht sein, Kunden zu finden, weil ja eben jeder glaubt, er könne auch ohne Unterricht schlitteln.

Es ist ein Pilotprojekt, und wir wissen natürlich noch nicht, wie sich die Nachfrage entwickelt. Der erste Kurs findet statt, sobald wir ein paar konkrete Anmeldungen haben. Es gab immerhin schon einige Anfragen. Vermutlich wird es aber etwas dauern, bis die Schule in Schwung kommt. Unsere Schneesportlehrer werden derzeit vom lokalen Rodelklub technisch geschult.

Wen sehen Sie als Zielpublikum?

Unerfahrene und Anfänger.

Was lernt man konkret in der Rodelschule?

In erster Linie, wie man die Rodel kontrollieren kann, also Kurven fahren und bremsen. Das fängt an beim richtigen Schuhwerk und bei der Kleidung; in unseren Kursen ist es obligatorisch, einen Schneesporthelm zu tragen. Es gibt viele Zusammenstösse auf der Bahn, da wollen wir dazu sensibilisieren, Abstände besser einzuhalten und die eigene Geschwindigkeit besser einschätzen zu lernen.

Was kann man tun, wenn der Schlitten zu schnell wird und wegen Eis kein Bremsen oder Lenken möglich ist?

Mit Wanderschuhen mit Profil kann man auch dann bremsen. Allenfalls brauchts noch Spikes darunter, dann gehts auch, wenn es eisig ist. Und bei blankem Eis sollte die Bahn eh gesperrt sein.

Soll man zu zweit auf den Schlitten?

Man sieht es oft, aber es ist für die Kontrolle eher hinderlich.

Welchen Schlitten empfehlen Sie?

Die Leihschlitten sind heute ja meist Rodel; die sind ideal und können auch gut mit dem Lenkriemen gesteuert werden.

Warum hat die Zahl der Schlittelunfälle in den letzten Jahren so stark zugenommen?

Es schlitteln viel mehr Leute als früher – und teilweise mit sehr schnellen Geräten, die sie nicht im Griff haben. Rodeln ist ausserdem billiger als Skifahren. Es ist im Moment echt im Trend.

Schlittelspass ohne Risiko
Schweizer Volkssport: Schlitteln macht Spass, doch viele unterschätzen die Risiken. (Foto: FotoliaXIV)