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30. Juni 2014

Die Schule ist eine Herzenssache

Wie ein Damoklesschwert hängt die Schulschliessung über Schwarzenbach bei Beromünster: Das ganze Dorf bangt um die Schule. Zudem sucht das Migros-Magazin den längsten Schulweg – haben Ihre Kinder auch einen so langen wie die von Edith Villiger? Teilen Sie uns den Weg Ihres Kindes in den Kommentaren (unten) mit.

In der Basisstufe Schwarzenbach sind noch Plätze frei: Aktuell hat 
die Klasse das geforderte Minimum von 16 Kindern erreicht, trotzdem gilt die Schule als gefährdet.
In der Basisstufe Schwarzenbach sind noch Plätze frei: Aktuell hat 
die Klasse das geforderte Minimum von 16 Kindern erreicht, trotzdem gilt die Schule als gefährdet.

36 Herzen mit 36 Fotos – von jedem Schwarzenbacher Schulkind eines. Aileen (8) weiss, worum es bei der ersten Petitionsübergabe ihres Lebens ging: «Mit den Herzen zeigten wir dem Chef der Gemeinde, dass wir unsere Schule behalten wollen.» Nebst den Herzen erhielt der Gemeinderat Beromünster im November 2013 1246 Unterschriften – fünfmal mehr, als Schwarzenbach Einwohner zählt.

Ins Rollen gebracht hat das Ganze Sibylle Haug (43), Mutter von drei Kindern und Schulwartin. Als das Wort «Schulschliessung» immer häufiger fiel, sagte sie sich: «Es muss etwas geschehen.» Sie mobilisierte das Dorf, gründete die IG Schule Schwarzenbach mit, sammelte Unterschriften, verteilte Petitionsbögen. Für sie ist diese Schule eine Herzenssache: Ihr Sohn Marcel (7) besucht die Basisstufe, und ihre beiden älteren Kinder haben in Schwarzenbach «eine behütete Schulzeit erlebt. Und welche Familie zieht noch hierher, wenn es keine Schule mehr gibt? Was passiert mit dem Dorfleben, wenn die Vereine mit dem Schulhaus ihr Zentrum verlieren? Ohne Schule ist das Dorf tot.»

Höchst lebendig – und doch konzentriert – geht es in der Basisstufe zu, wo die Vier- bis Achtjährigen von- und miteinander lernen. Mittendrin sitzt Lehrerin Regula Bolliger (53), erklärt dort, unterstützt da und strahlt dabei eine fröhliche Gelassenheit aus. Schon seit 33 Jahren unterrichtet sie hier und freut sich über die Solidarität aus der Gemeinde: «Bei uns lernen die Kinder nach dem Prinzip der Grossfamilie.» Eine «heile Welt auf dem Hoger», wie sie es manchmal zu hören bekomme, sei die Schule aber deswegen nicht. Regula Bolliger spricht lieber von einem «Lebensnerv für das ganze Dorf».

Und diesen «Lebensnerv» will Beromünster behalten: So beschloss es die Gemeindeversammlung vom Dezember 2013 mit grosser Mehrheit. Lag es an den Herzen? An den Unterschriften? Oder doch an der Empfehlung des Schulraumplanungsberichts? So oder so ist die Entwarnung von kurzer Dauer: Falls die Gemeinde 2017 auf Geheiss des Kantons eine «zentrale Tagesstruktur» in Beromünster einführt, verliert Schwarzenbach seinen Standortvorteil als einzige Tagesschule. Dann könnte das Wort «Schulschliessung» wieder auftauchen. Sibylle Haug ahnt: «Zurücklehnen können wir uns noch lange nicht.»

www.beromuenster.ch http://igschuleschwarzenbach.ch

Das Migros-Magazin sucht den längsten Schulweg

Teilen Sie uns in den Kommentaren mit, welchen Weg Ihr Kind jeden Tag zurücklegt, um zur Schule zu kommen; mit Name, Ort, Alter und der Schule.

Edith Villiger aus Sins schrieb uns:
Meine sechs Kinder zwischen 13 und 24 Jahren haben vielleicht nicht den allerlängsten Schulweg.
Bestimmt haben sie aber einen der längsten Wege, den sie vom Kindergarten bis zur 9. Klasse selbständig gegangen sind. Auch in Sport und Freizeit sind sie immer mit dem Velo unterwegs. Wir wohnen 3,6 km vom Primarschulhaus und 3,3 km vom Oberstufenschulhaus entfernt. Das ergibt auf die gesamte Schulzeit gerechnet ca. 29'000 km.
Wir wohnen in Sins AG, am Reussegg Brunnenhof. In den Kindergarten sind die Kinder ein Jahr in der Küfermatt, fünf Jahre Primarschule Letten und vier Jahre Oberstufe in die Ammannsmatt, alles in Sins.

Autor: Franziska Hidber

Fotograf: Samuel Trümpy