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21. März 2016

Die persönlichen Botschafter

Gut gewählt, machen Parfums die Trägerin sympathisch, ein Missgriff dagegen kann peinlich werden. Tipps für eine erfolgreiche Wahl. Im Online-Extra: Basiskenntnisse und das Experteninterview zur Zusammensetzung.

Sorgfältig auswählen lohnt sich
Düfte haben eine grosse Wirkung: Sorgfältig auswählen lohnt sich. (Bild: Getty images)

Die französische Modedesignerin Coco Chanel soll gesagt haben, dass eine «Frau, die kein Parfüm trägt, keine Zukunft» hat. Die Grande Dame des guten Stils und Duftkreateurin war natürlich nicht ganz unbefangen in ihrem Urteil, verdiente sie doch viel Geld mit ihren luxuriösen Wässerchen, die sich die Upperclass Mitte des verganenen Jahrhunderts an den blassen Hals tupfte.

Schwere Düfte – reif und gelassen
Ein Parfüm sagt viel über einen Menschen aus. Ebenfalls kann ein Parfüm aber auch mitentscheidend sein, in wen wir uns verlieben (siehe rechts). Eine Frau sollte deshalb genau prüfen, welcher Duft zu ihr passt – bezüglich Charakter, ­Situation, Lebensalter.

Oft sind es Moschus-, Harz- oder Weihrauchuntertöne, die diese schweren, sinnlichen Düfte so verführerisch machen.
Aber Vorsicht: Wer so riecht, sollte sich der Reaktionen des Gegenübers bewusst sein. Wer wie ein orientalisches Märchen riecht, sendet ganz bestimmte Botschaften aus. Ein schweres Parfüm eignet sich gut für einen romantischen Abend in der Oper oder ein rauschendes Fest (mit vielen flüch­tigen Bussi-Momenten) – nicht aber für den Raclette-Abend mit Freunden, den Picknick­ausflug mit den Kindern oder längere Zug- und Autofahrten.

Leichte Düfte – jung, unbeschwert
Auch Patchouli- oder Maiglöckchendüfte haben es in sich: Wären Sie Lebensmittel, dann wohl am ehesten knallbunte Bonbons, die schon beim Anschauen gute Laune machen. Sie duften pudrig, blumig und sind leicht und frisch im Abgang.
Es versteht sich, dass solche Düfte nur von jüngeren Frauen benutzt werden sollten: für den Kinobesuch mit dem Liebsten zum Beispiel oder für den Gang in die Disco. Als über 50-Jährige an einer Party noch immer wie eine Figur aus «Gossip Girl» zu riechen, wirkt dagegen deplatziert und unentspannt.

Fruchtige Düfte – fröhlich und agil
Von grünem Apfel über Pfirsich und Melone bis Zitrone: Diese ­Düfte sind gut für erste Dates – sie suggerieren dem Gegenüber, dass man das Leben mit einer ­Portion Humor betrachtet und nicht alles bierernst nimmt. Man sollte die blumigen, intensiven Düfte aber immer sparsam einsetzen. Und: So fruchtig-frisch diese Parfüms riechen, so lebensbejahend und vital sollte sich auch die Trägerin fühlen. Schmallippigkeit oder miese Laune passt schlecht, wenn man wie eine frisch gepresste Biolimette oder eine fleischige Melone duftet. 

Parfüms: wie setzen sie sich zusammen?

Das Parfüm, dessen Name sich aus dem Lateinischen «per» (durch) und «fumum» (Rauch, Dampf) ableitet, ist ein Gemisch, das zu einem Grossteil aus Alkohol besteht. Fast 80 Prozent dieser chemischen Komposition macht der Alkohol aus, der Rest besteht aus natürlichen Essenzen wie zum Beispiel ätherischen Ölen oder synthetisch hergestellten Duftnoten, die man im Fachjargon Riechstoffe nennt.
Je nach Konzentrationsdichte der Duftöle werden folgende Verdünnungen unterschieden, die dann auch darüber entscheiden, ob es sich um ein leichtes Eau de Cologne (3–5%), ein kräftig riechendes Eau de Toilette (6–9%) oder um ein schweres, intensiv duftendes Eau de Parfum (10–14%) handelt.

Man spricht bei jedem Duft von drei Duftnoten: Kopf-, Herz- und Basisnote. Erstere entfaltet sich direkt beim Auftragen auf der Haut, sie entscheidet (verfrühterweise) oft zum Kauf. Besser wäre es nämlich, man würde jeweils die Herznote eines getesteten Odeurs abwarten, die sich immer erst nach einiger Zeit auf der Haut entfaltet und sehr unterschiedlich ausfallen kann – je nach Hauttyp. Die Basisnote ist das letzte Stadium des Duftablaufs und ist noch Stunden nach dem Auftragen wahrnehmbar.

Inhaltsstoffe aus Parfüms gelangten in den letzten Jahren immer wieder ins Kreuzfeuer der Kritik. Fakt ist, dass einige der Duftstoffe auf der Haut Kontaktallergien auslösen können. Es gibt Veröffentlichungen, vor allem in Internet, in denen behauptet wird, dass natürliche Duftstoffe «besser» sind als synthetisch hergestellte. Bis heute aber herrscht bei vielen Konsumenten immer noch Verwirrung vor, und man fragt sich, inwiefern sich künstliche von natürlichen Düften unterscheiden und ob Letzteren wirklich zu Recht ein schlechterer Ruf vorauseilt.

Das Migros-Magazin hat dazu Bernhard Irrgang, Leiter Forschung und Entwicklung bei der Mibelle Group in Buchs, befragt:

Nur die Kombination Duft-Haut liefert das vollständige Dufterlebnis (Bernhard Irrgang)

Bernhard Irrgang, stimmt es, dass Ökoparfüms viel verträglicher sind?
Wir finden immer wieder Veröffentlichungen, in denen dies behauptet wird. Aus meiner Sicht ist eine Pauschalaussage aber nicht zulässig. Düfte – natürliche wie synthetisch hergestellte – bestehen aus einer Vielzahl von Einzelkomponenten. Darunter sind einige, auf die Individuen allergisch reagieren. Bei den sogenannten Kontaktallergien kommt es auf den Stoff an und nicht auf seine Herkunft.

Weshalb meinen viele Kunden, nur weil etwas aus der Natur kommt, müsse es automatisch weniger «schädlich» sein?
Das ist sicher mit einem gewissen Misstrauen gegenüber allem, was künstlich hergestellt ist, verbunden. Aber man muss nur an die Lebensmittelallergien denken, wo Menschen auf Nüsse, Gluten oder Milch reagieren. Bei Düften ist es nicht anders. Das Bundesamt für Gesundheit schreibt auf seiner Homepage zum Thema Düfte «ob identische Duftstoffe natürlichen oder künstlichen Ursprungs sind, macht für die menschliche Gesundheit keinen Unterschied». Das sehe ich auch so.

Was muss man beachten, wenn man ein Parfüm kauft?
Wichtig ist, dass man sich mit dem Duft wohlfühlt und dass der Duft die Persönlichkeit unterstützt. Dabei ist es ratsam, den Duft auf der eigenen Haut auszuprobieren, da nur die Kombination Duft-Haut das vollständige Dufterlebnis liefert. Ebenso sollte das gesamte Duftspektrum, eben Kopf-, Herz- und Basisnote, beachtet werden, damit es keine unerfreulichen Erlebnisse gibt.

Und in Sachen Verträglichkeit?
Ich empfehle, dies auf dem Unterarm zu testen. Falls es eine Hautreaktion gibt, wäre es ratsam, beim Hautarzt einen Allergietest zu absolvieren und am besten die INCI-Deklaration (zumeist auf der Rückseite der Verpackung angebracht) mitzubringen. Sind bereits Unverträglichkeiten gegenüber bestimmten Stoffen bekannt, sollte man sich unbedingt vor dem Ausprobieren die INCI-Deklaration anschauen.

Autor: Martina Bortolani