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23. Februar 2015

Die Männer am Bügellift

Bänz Friedli
Bänz Friedli (49) hat noch Fragen.

Erstens fordere ich, dass Bob Dylan endlich den Literaturnobelpreis erhält. Danach wäre Rapper Eminem an der Reihe. Zweitens wünschte ich, das Wahljahr mit all dem Gefasel und den hohlen Versprechungen wäre schon vorüber. Drittens möchte ich es noch erleben, dass YB wieder mal Meister wird. Aber das hatten wir, glaub ich, schon. Viertens schlage ich vor, dass nur noch Leute Hunde halten dürfen, die dazu wirklich imstand sind. Es darf ja auch nicht jeder Lümmel Auto fahren. Eine Eignungsprüfung wäre, fünftens, vielleicht auch für künftige Eltern angemessen. Aber ob andere Väter und Mütter ihrer Aufgabe gewachsen sind, geht mich, sechstens, einen Dreck an, ich weiss.

Siebentes bin ich mir nicht sicher, ob man «siebtens» oder «siebentens» sagt oder ob allenfalls beides richtig ist. Achtens frage ich mich, warum Velofahrer, ich leider eingeschlossen, offenbar das Gefühl haben, sie seien ja schliesslich umweltfreundlich unterwegs, sie müssten sich nicht an Verkehrsregeln halten, und zwar nicht einmal an die elementarsten wie Rotlicht, Einbahnstrasse, Fahrverbot auf dem Fussgängerstreifen. Neuntens möchte ich wissen, warum auf jeder Salbe «Anti Age» steht. Als ob das Altern so schlimm wäre! Als ob sich, wer altert, nicht im Gegenteil freuen dürfte: darauf, zunehmend weise, reif und gelassen zu werden.

Zehntens nimmt mich – seit ich ein Inserat gesehen habe, das eine Fertigpizza zum sagenhaften Preis von 85 Rappen feilhält – wunder, ob nicht allein schon die Herstellung der Kartonschachtel, ginge es mit rechten Dingen zu, mehr als 85 Rappen verschlingen würde. Und ich wüsste gern, ob von allen, die zu solch einem Produkt beigetragen haben, überhaupt noch jemand anständig entlöhnt wurde; welcher Art die Zutaten sind; wie die Billigpizza überhaupt schmeckt. Und was nun unmoralischer ist: sie anzubieten oder sie zu kaufen.

Männer am Bügellift
Männer am Bügellift (Bild: Bänz Friedli)

Fragen über Fragen. Wenn ein Baselbieter namens Antoine am deutschen Kommerz-TV andere kritisiert, sie könnten nicht singen – ist das nicht ein Widerspruch in sich selbst? Ist eine Überzeugung erst eine, wenn sie öffentlich zur Schau getragen wird wie jüngst all die «Je suis Charlie»-Bekenntnisse? Weshalb sitzen in Schneesportgebieten stets Frauen an der Kasse, wohingegen am Lift ausnahmslos Männer als Bügelhalter stehen? Warum wundern wir uns über die Zunahme an magersüchtigen Teenagern, solange Sendungen wie «Germany’s Next Topmodel» mit ihrem kranken Schönheitsbild ungestraft ausgestrahlt werden dürfen? Und in welchem Jahrhundert lebt eigentlich der Bischof von Chur?
Okay, ist ein bisschen viel aufs Mal. Lassen Sie es mich ab nächster Woche eines ums andere behandeln. Sind Sie dabei?

Bänz Friedli live: 26. 2. Luzern, «Stadtkeller».

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Autor: Bänz Friedli