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27. Januar 2014

Die Kritiker ungezügelten Wachstums

Der Naturwissenschafter Vaclav Smil steht mit seinem Angriff auf die ungebremste Konsumwut und das unangefochtene Vertreten möglichst grosser Zuwachsraten nicht alleine da. Migrosmagazin.ch nennt seine Mitstreiter und ihre Interessensverbindungen. Dazu ein Arte-Interview mit Vaclav Smil auf der GDI-Website.

Franz Josef Radermacher: Der 63-jährige Informatikprofessor aus Ulm und Leiter des Forschungsinstituts für anwendungsorientierte Wissensverarbeitung wurde weltweit bekannt durch sein Eintreten für eine ökosoziale Marktwirtschaft, besonders als Meinungsführer und bis 2008 Stiftungs-Vorsitzender der Global Marshall Plan Initiative.
Letztere setzt sich seit 2003 für eine Welt in Balance ein, was in den Hauptzielen neben ökologischen und sozialen Standards auch die Überwindung des Weltübels Armut, die gerechtere Ausgestaltung der Globalisierung oder das Eintreten für Menschenwürde und -rechte einschliesst. Neben dem prominenten Ex-US-Regierungspolitiker Al Gore kennt viele weitere prominente Paten, eng verbunden ist sie mit dem Ökosozialen Forum Europa oder auch der Stiftung Weltvertrag.
Zudem präsidiert Radermacher das Global Economic Network.
Neben Fragen der Globalisierung und der Innovationsförderung treiben ihn in erster Linie drei Themen an, die Konsum und Wachstum kontrollieren respektive in sinnvolle Bahnen zu lenken suchen: die Überbevölkerung, eine möglichst umweltverträgliche Mobilität sowie generell Nachhaltigkeit in Wirtschaft und privatem Verhalten. Vor knapp drei Jahren erregte er Aufsehen, weil er sich nach der Atomkatastrophe von Fukushima gegen einen sofortigen Ausstieg aus der Kernenergie aussprach, weil er das Aufkommen klimaschädlicherer Energiegewinnung fürchtete.
Jorgen Randers: Viel früher als die Global Marshall Plan Initiative trat der Club of Rome als Mahner gegen die Verschleuderung von Ressourcen und den Erhalt von Lebensraum auf den Plan. Schon 1972 hatte der norwegische Hochschullehrer Randers (68) einen beachteten Auftritt als Mitautor der Studie Die Grenzen des Wachstums.
1992 und 2004 erfolgten Updates der Schrift, vor knapp zwei Jahren eine gänzlich neue Version. Randers war in der zweiten Hälfte der 90er-Jahre als stellvertretender Generaldirektor des WWF auch im klassischen Tierschutz weltweit präsent. Nach der Jahrtausendwende wurde er im skandinavischen Raum zu einem Vorreiter im Kampf gegen stetig ansteigende Treibhausgasemissionen.
Eine weitere Koryphäe beim Zustandekommen des Berichts Die Grenzen des Wachstums und wie Randers ein in der Wirtschaft bestens vernetzter Ökonom ist der US-amerikanische Professor Dennis L. Meadows (71). Weitere wichtige Beteiligte waren Meadows Frau Donella H. oder William W. Behrens III. Meadows wurde speziell für seine so spielerischen wie systemtheoretisch wertvollen Umsetzungen von Nachhaltigkeitszielen berühmt – dank Brettspielen wie Fishbanks Ltd.
Als weiterer bedeutender Wachstums- und Konsumkritiker kann der 63-jährige Richard Heinberg bezeichnet werden. Der Amerikaner schaut neben Pädagogik auch auf eine Musikausbildung und -tätigkeit sowie langjährige Erfahrungen als Journalist zurück. Bekannt wurde er dank seines 2003 erschienenen Buchs The Party’s over, eines fundierten Abgesangs auf das zügellose Ölförder-Zeitalter.

VACLAV SMIL IM GESPRÄCH
Das Interview des Fernsehsenders Arte mit Vaclav Smil auf der Website des Gottlieb-Duttweiler-Instituts. Zum Film
Am 26. Februar 2014 gastiert der Wissenschafter im Rahmen von Food for Thoughts im GDI in Rüschlikon ZH.

Autor: Reto Meisser