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12. November 2012

Die Kinder leiden mit

Die Zahl der schweren Fälle von häuslicher Gewalt nimmt zu. Leben Kinder im Haushalt, können sie durch die Konflikte stark traumatisiert werden.

Streit und 
Gewalt unter den Eltern
Verstörend:
 Kinder nehmen Streit und 
Gewalt unter den Eltern 
besonders fein wahr. (Bild: Getty Images)

Die Entwicklung ist besorgniserregend: In der Stadt Basel stieg die Zahl der Anzeigen wegen häuslicher Gewalt im vergangenen Jahr um 16 Prozent auf 860. In der ganzen Schweiz kam es 2011 zu rund 15'000 Anzeigen – das sind etwa gleich viel wie 2010, allerdings mit zunehmendem Anteil schwerer körperlicher Gewalt. Schlimm ist das vor allem auch für die im selben Haushalt lebenden Kinder. «Sie leiden sehr unter Streit und Gewalttätigkeiten zwischen ihren Eltern», sagt Isabel Miko Iso (37), Co-Leiterin der Basler Interventionsstelle gegen häusliche Gewalt. «Kinder erleben dabei massiven psychischen Stress und können stark traumatisiert werden.» Iso hat einen Fall miterlebt, in dem der Vater die Mutter schlug und dem Kind drohte, die Haustiere zu töten, wenn es zur Mutter halte. Kinder reagieren unterschiedlich auf eine konfliktgeladene Situation daheim. Die Symptome reichen von Schlaf- und Konzentrationsstörungen über Lernschwäche bis hin zu massiven Entwicklungs- und Bindungsstörungen.

Die Kinder schämen sich massiv für die Situation zu Hause

«Es gibt Kinder, die ziehen sich ganz in sich selbst zurück; andere werden aggressiv und verhaltensauffällig, weil sie nicht wissen, wohin mit ihren Gefühlen», sagt Isabel Miko Iso. Die Kinder sind in ihrem täglichen Leben eingeschränkt, sie können kaum Schulkollegen mit nach Hause nehmen, weil sie sich für die Situation schämen.

Häusliche Gewalt dauert oft über Jahre an, die Traumatisierung beginnt vielfach im Kleinkindalter. Schlägt etwa der Vater die Mutter, hat das Kind eine ebenso hohe Ausschüttung von Stresshormonen wie die Mutter. Beratungsstellen für Kinder gibt es zwar einige. «Doch es ist äusserst schwierig, die betroffenen Kinder zu erreichen», sagt Iso. Sie wünscht sich Aufklärungsarbeit auf breiter Ebene: «Gerade bei kleinen Kindern wäre das wichtig, da man vieles ins Lot bringen könnte, was durch die Gewalt zwischen den Eltern kaputtgegangen ist.»

Autor: Claudia Langenegger