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07. Mai 2012

«Die Kinder bestimmen mit»

Frauenfeld hat von der Unicef Schweiz am 25. April die Auszeichnung «Kinderfreundliche Gemeinde» erhalten. Fünf Fragen an die Stadträtin Christa Thorner sowie der Zeitungsartikel, der Anstoss zu den Fragen lieferte.

Christa Thorner (59), Stadträtin von Frauenfeld, hat den Weg zur «Kinderfreundlichen Gemeinde» massgeblich mitgeprägt.
Christa Thorner (59), Stadträtin von Frauenfeld, hat den Weg zur «Kinderfreundlichen Gemeinde» massgeblich mitgeprägt.

Christa Thorner (59), Stadträtin von Frauenfeld, hat den Weg zur «Kinderfreundlichen Gemeinde» massgeblich mitgeprägt.

1. Christa Thorner, Kinderfreundlichkeit ist ein weiter Begriff. Wo liegen die Schwerpunkte in Frauenfeld?

Bei den Bedürfnissen und Mitsprachemöglichkeiten von Kindern in der Gestaltung unserer Stadt. Das ist ein hoher Anspruch, der neue und ungewohnte Methoden und Instrumente verlangt. So sorgen wir etwa für die Mitbestimmung der Kinder in der Schule mit Klassen- und Schülerräten oder mit speziellen Workshops. In der «Zukunftswerkstatt» werden die Anliegen der Kinder erfragt und ernst genommen. Diese Anliegen beeinflussen beispielsweise die Verkehrsplanung: Bestehende Fussgängerstreifen auf Hauptstrassen werden nun auf ihre Sicherheit hin überprüft. Das Hallen- und das Freibad sowie die Skateranlage sind auf den neuesten, familienfreundlichen Stand gebracht worden. Und die Kinderbetreuung wird ausgebaut.

2. Wie umfangreich waren die Vorarbeiten?

Sie dauerten einige Jahre und umfassten unter anderem eine Standortbestimmung. Diese wurde dann von der Unicef ausgewertet, und ein Bericht zeigte uns auf, wo wir in Frauenfeld Stärken und Schwächen haben. Daraufhin beschloss der Stadtrat einen Zehn-Punkte-Plan, der nun bereits für die nächsten Jahre umgesetzt wird. Wir befinden uns in einem Prozess, es sind noch nicht alle Ziele erreicht.

3. Ergeben sich durch die Auszeichnung für Frauenfeld auch wirtschaftliche Vorteile?

Ja. Ich bin überzeugt, dass Kinderfreundlichkeit für jede Gemeinde ein wichtiges Qualitätsmerkmal und ein Standortvorteil ist. Bei der Wahl des Wohnorts spielen für Familien Bildungs- und Betreuungsangebote eine grosse Rolle. Insbesondere gut ausgebildete Frauen wollen die Möglichkeit haben, Beruf und Familie zu vereinbaren, und der Zuzug von gut qualifizierten Arbeitnehmenden zahlt sich letztlich durch zusätzliche Steuereinnahmen aus.

4. Die Erreichung eines Labels ist immer mit Aufwand verbunden. Frauenfeld könnte ja auch ohne Label kinderfreundlich sein?

Es geht bei diesem Label immerhin um die Umsetzung der UN-Kinderrechtskonvention, das heisst, um die verbindliche Festlegung der Rechte der Kinder in der Stadt. Das war uns ein gewisser Aufwand wert, denn «Frauenfeld ist familienfreundlich» steht schon seit acht Jahren im Programm der Stadtentwicklung.

5. Was lässt sich die Stadt das Label kosten?

Die Unicef verrechnet für Evaluationsbesuche, Berichte etc. rund 15'000 Franken. Die Umsetzung betrifft viele Bereiche, die Kosten lassen sich daher nicht so genau beziffern. Für die gesamte familienergänzende Kinderbetreuung allein wenden wir beispielsweise gegen 750'000 Franken jährlich auf; Spielplatz-, Sport- und Freizeitinvestitionen gehen in die Millionen.

Artikel aus der «Thurgauer Zeitung»  vom 26. April 2012
Artikel aus der «Thurgauer Zeitung» vom 26. April 2012

Den ganzen Artikel aus der «Thurgauer Zeitung» zum Thema lesen Sie hier

Autor: Karin Aeschlimann