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27. Januar 2014

Die Jugend und ihr Sex

Das Internet erleichtert Jugendlichen den Zugang zu sexuellen Inhalten. Trotzdem veränderte sich ihr Verhalten nicht wesentlich. Das zeigen interessante Zahlen und Fakten.

Wie stark hat sich die Sexualität von Jugendlichen mit dem Internet verändert?
Wie stark hat sich die Sexualität von Jugendlichen mit dem Internet verändert? (Bild: iStock Photo).

1. Aufklärung
Das Wissen über Sexualität stammt bei den meisten Jugendlichen nicht aus dem Internet. 27 Prozent geben an, die Informationen von Gleichaltrigen zu beziehen. Nur jeder Fünfte sagt, im Internet nach Antworten zu suchen. Die liebste Aufklärungsinstanz wäre bei Mädchen allerdings die Mutter und bei Jungen Lehrpersonen. In der Realität ist beides nicht der Fall.

2. Verhütung
Bei Verhütungsfragen hilft das Internet als Informationsquelle dagegen sehr. Wer täglich surft, gibt in 47 Prozent der Fälle an, sehr gut Bescheid zu wissen. Dagegen sind nur 19 Prozent der Jugendlichen, die das Internet weniger als 2–3 Mal im Monat nutzen, optimal informiert. Beim Einsatz von Kondomen ist beachtlich, dass 2011 jede zweite Frau darauf beharrte, während es vor knapp 20 Jahren nur 38 Prozent waren. Bei Männern liegt der Anteil konstant bei etwa 60 Prozent.

3. Das erste Mal
Frühe sexuelle Aktivitäten sind kein modernes Phänomen. Seit den 60er-Jahren machen viele Jugendliche ihre ersten Erfahrungen bereits als junge Teenager. Heute hatten 25 Prozent der 13-jährigen Jungen und 16 Prozent der Mädchen in diesem Alter bereits Geschlechtsverkehr. Die meisten erleben ihr erstes Mal mit 15 (Jungen) bzw. mit 16 (Mädchen).

4. Mehr Abwechslung
Jeder dritte Mann zwischen 18 und 20 Jahren hatte während der letzten zwölf Monaten mit drei oder mehr unterschiedlichen Personen Sexualverkehr. Bei Frauen ist es bereits jede Zehnte. Damit hat sich seit dem Jahr 2000 die Zahl der Teenager, die häufig den Sexpartner wechseln, verdoppelt.

5. Prostitution
Jeder siebte Jugendliche bezahlte schon einmal für Sex. Während 1997 noch rund zwei Prozent der befragten Männer angaben, dafür Geld ausgegeben zu haben, waren es drei Jahre später bereits doppelt so viele. 2011 behaupteten bereits über 15 Prozent der jungen Männer, dass sie für Geld Sex hatten.

6. Homosexualität
1,5 Prozent der Männer haben mindestens einmal in ihrem Leben mit einem Partner desselben Geschlechts geschlafen. Bei den Frauen liegt der Anteil bei vier Prozent – Tendenz steigend. Obwohl die Homosexualität in der Gesellschaft heute wesentlich besser akzeptiert ist als früher, haben viele Jugendliche immer noch Schwierigkeiten, offen zu ihrer Orientierung zu stehen.

7. Cybersex
Ein relativ neues Phänomen von Cybersex ist Sexting. Darunter versteht man den Austausch von erotischem Bildmaterial. Über zwei Drittel der Jugendlichen nutzen das innerhalb ihrer Beziehung und verstehen es als Zeichen der Zuneigung und des Vertrauens. Die grösste Gefahr dabei ist, dass der Empfänger das Vertrauen ausnützt, und das Foto entweder im Internet veröffentlicht oder im Freundeskreis präsentiert.

8. Pornokonsum
Mehr als doppelt so viele Jungen wie Mädchen zwischen 13 und 16 Jahren sahen schon einen Pornofilm. Bei Letzteren bewegt sich der Anteil unabhängig von der Altersklasse höchstens bei 50 Prozent, während sich bereits über 90 Prozent der männlichen Jugendlichen solches Material angesehen haben. Allerdings passiert dies bei den wenigsten mit Absicht: Etwa 40 Prozent der Mädchen und 60 Prozent der Jungen stiessen auf pornografisches Material, ohne danach gesucht zu haben.

9. Sexuelle Übergriffe
Durch das Internet hat die sexuelle Belästigung ohne Körperkontakt stark zugenommen. Fast jedes dritte Mädchen und jeder zehnte Knabe erlebte via elektronische Medien schon anzügliche Bemerkungen, sah pornografische Fotos oder Filme oder wurde zu sexuellen Handlungen aufgefordert. Meistens bleibt es leider nicht bei einmaligen Opfern. Jeder dritte Jugendliche gibt an, fünf Mal oder mehr sexuell belästigt worden zu sein.

10. Rolle der Eltern
Viele Eltern sind noch nicht im Internetzeitalter angekommen. Ihnen fehlt ein Überblick über die Möglichkeiten mit allen Vor- und Nachteilen, die ihre Kinder mit dem Medium haben. Damit sie ihre eigentliche Rolle künftig besser wahrnehmen können, müssen Eltern unbedingt ihre Medienkompetenz verbessern. So lässt sich zwar nicht verhindern, dass Jugendliche Unerwünschtes im Internet sehen oder belästigt werden, aber sie können es besser einschätzen und vernünftiger damit umgehen.

Referenzierte Studien

- Jugendsexualität im Wandel der Zeit
- Bulletin BAG 47/13
- Sexuelle Übergriffe an Kindern und Jugendlichen in der Schweiz
- Medien- und Pornografiekonsum von Jugendlichen
- Erotischer Fotoaustausch unter Jugendlichen: Verbreitung, Funktionen und Folgen des Sexting (Nicola Döring; nicht online verfügbar; 2012 erschienen im Georg Thieme Verlag)

Autor: Reto Vogt