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09. November 2015

Die Guten und die Bösen

Star Wars ist derzeit überall
Star Wars ist derzeit überall zu finden ...

Himmel, wo war ich bloss, im Sommer 1977? Am 16. August starb Elvis, der King of Rock’n’Roll. Monate zuvor war «Star Wars» in die amerikanischen Kinos gekommen, der erste Teil einer Saga, der heute als «Episode IV» bekannt ist …
Dass Teil eins nun Teil vier ist, weiss heutzutage jedes Kind! An mir aber, dem verträumten Bub vom Land, der mit seinem roten Cilo-Halbrenner über Feldwege fuhr, ist damals beides vorbeigegangen: das Ende des King und der Beginn von «Star Wars».

Bänz Friedli (50)
Bänz Friedli (50): Möge die Kraft mit ihm sein.

Dabei wurde Elvis später das Grösste für mich. Und längst habe ich mir – meinem Sohn sei Dank – alle sechs Folgen von «Star Wars» angesehen. Ein grandioses Märchen, oft rührend altmodisch in der technischen Machart. All die Schlachten in den Weiten des Alls, stets die gute gegen die dunkle Seite, jeder Bösewicht liebevoll gezeichnet. Eine Parabel auf Machtwahn und Widerstand ists, ein Plädoyer für die Demokratie.

Freilich wird auch einsames Heldentum gefeiert, und die Filme sind voller Verweise auf alte Mythen, von Odysseus bis zum «Ring der Nibelungen». Zudem lenken buddhistische Weisheiten das Geschehen, und wer die Worte des alten Ritters Yoda hört, könnte meinen, er kommentiere die aktuelle Flüchtlingsdebatte unseres Landes: «Furcht ist der Pfad zur dunklen Seite: Furcht führt zu Wut, Wut führt zu Hass, Hass führt zu unsäglichem Leid.»

Kein Film, keine TV-Serie, die heute nicht aus «Star Wars» zitieren würde: hier ein Spruch, da eine Kameraeinstellung, dort eine Geste …
Nichts hat die Populärkultur so geprägt wie «Star Wars». Nichts ausser Elvis. Und nun erhält, was abgeschlossen schien, eine Fortsetzung. Der Unterhaltungskonzern Disney hat die Rechte erworben und tut vorerst, was er am besten kann: Fanartikel verkaufen. Früher musste ich oft mühsam fahnden, um meinen Sohn mit einem Star-Wars-Figürchen überraschen zu können. Nun sind sie überall zu finden: in Packungen mit Frühstücksflocken, auf Shirts und in hundert Lego-Schachteln, als Baumschmuck, Schlüsselanhänger, Fasnachtsmaske.

Die Vermarktung eilt dem Film voraus. Doch, erstaunlich, keiner meiner erwachsenen Freunde, die sich «Star Wars» verschrieben haben, schreit: Verwässerung! Ausverkauf! Verrat! Nein, sie gieren im Internet seit Monaten nach Angaben über die angebliche Handlung, nach ersten Filmschnipseln. Weil «Star Wars» ihnen erlaubt, noch einmal verträumte Buben zu sein. Und allmählich fiebere sogar ich dem Kinostart des siebten Teils, «The Force Awakens», im Dezember entgegen.

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Autor: Bänz Friedli

Fotograf: Bänz Friedli