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11. Juli 2016

Die grössten Schweizer OrientierungsläuferInnen

Seit Jahren ist die Schweiz im OL-Sport Spitze, dominiert vor allem bei den Frauen. Migrosmagazin.ch stellt die Stars der letzten 25 Jahre im Kurzporträt vor – allen voran Rekord-Weltmeisterin Simone Niggli-Luder. Und der Nationaltrainer verrät, woher der Erfolg kommt.

Rekord-Weltmeisterin Simone Niggli-Luder
Die Rekord-Weltmeisterin Simone Niggli-Luder. (Bild: Keystone)

Neben den traditionellen OL-Hochburgen im Norden, Schweden oder auch Finnland, etablierten sich Frankreich (vorab bei den Männern) und speziell die Schweiz in den letzten zwei Jahrzehnten an der Weltspitze. Besonders die Schweizer Frauen sind mittlerweile gemäss den Medaillenspiegeln an Welt- und Europameisterschaften zur Nummer 1 aufgestiegen. Besonders verankert ist der OL-Sport im Bernbiet und Teilen der Ostschweiz.
Hier finden Sie die sechs prägendsten Figuren der Schweizer Szene, zudem erläutert der Nationaltrainer und ehemalige Nachwuchschef Patrik Thoma im Interview die (Hinter-)Gründe des Erfolgs. DIE FRAUEN

Simone Niggli-Luder
In ihrer Karriere von 1999 bis 2013 sammelte die zurückgetretene Sportlerin aus Münsingen BE eine unerreichte Anzahl von 69 Medaillen an Grossanlässen und Weltcup-Gesamtwertungen, davon über zwei Drittel goldene. Schon während der Karriere wurde sie 2008 und 2011 (Zwillinge) Mutter und setzte zweimal den Grossteil einer Saison auf höchster Stufe aus. Ihr Partner Matthias Niggli war ebenfalls Profi, seit 2003 sind die beiden verheiratet. Niggli-Luder ist studierte Biologin (Uni Bern).
Niggli-Luder galt während der ganzen Karriere als extrem fokussiert auf die wichtigen Anlässe, lernte aber als Mutter bereits flexibler zu trainieren, praktisch ohne Leistungseinbussen. Ihr Sport fasziniert die 38-Jährige unvermindert, sie übt ihn auch weiterhin aus, jedoch nach dem Motto «Ich darf, muss aber nicht mehr».

Grösste Erfolge: Niggli-Luder erlief sich gleich 23 Weltmeistertitel, speziell der Vierfacherfolg an der Heim-WM 2003 in Rapperswil SG (Sprint, Mittel- und Langdistanz sowie Staffel) zum Beginn der Karriere und dreimal Gold in Lausanne VD 2012 (ausser Mitteldistanz) gegen Ende stechen heraus. Dazu gewann sie neunmal den Gesamtweltcup und sicherte sich 12 Europameistertitel. Für eine Randsportart aussergewöhnlich: Gleich dreimal wurde sie zur Schweizer Sportlerin des Jahres erkoren (2003, 2005, 2007).
www.simoneniggli.ch Judith Wyder
Seit 2007 ist die 28-jährige Bernerin im Nationalkader, 2010/11 erfolgte der Wechsel von den Juniorinnen zu den Profis. Derzeit ist sie klar die beste aktive Schweizer Einzelläuferin. Sie lebt seit Anfang Jahr in Schweden, dem inoffiziellen Heimatland des OL-Sports, wo sie bei internationalen Staffeln schon länger für den Traditionsklub IFK Moras startet. Ansonsten ist ihr Heimklub der OLG Thun. Wyder ist Physiotherapeutin mit Bachelor-Abschluss.

Grösste Erfolge: 2014 war Wyders Superjahr. Dreimal Weltmeisterin (Sprint, Staffel und Mixed, dazu Bronze über die Langdistanz) in Trient (IT), zugleich drei Goldmedaillen (Sprint, Langdistanz und Staffel) an der EM in Palmela (POR).
www.judithwyder.ch Vroni König-Salmi
Die Grand Old Lady im Schweizer OL-Sport startet ihre Karriere im Nationalkader 1988 und trat 2008 erst mit 40 Jahren zurück. Auch wenn sie keine Titelsammlung wie Niggli-Luder vorzeigen kann, stand sie mit am Anfang des professionell betriebenen Orientierungslaufs in der Schweiz und war bei der Bildung der ersten Teams und Staffeln mit Medaillenchancen prägend beteiligt. Die 48-jährige Sekundarlehrerin ist mit dem Ex-Profi Janne Salmi aus Finnland verheiratet, Mutter von vier Kindern und wohnhaft in Forch ZH. Ihre Klubs waren Turun Suunnistajat aus Finnland und OLC Kapreolo in der Schweiz. Sie war auch im Ski-OL engagiert.

Grösste Erfolge: Einzel-Weltmeisterin im Sprint 2001, Staffel-Gold 2003 und 2005. Dazu eine weitere Silbermedaille und dreimal Bronze zwischen 1997 und 2008. Europameisterin im Sprint 2002 und Silber im selben Jahr mit der Staffel.
www.facebook.com/vroni.konigsalmi

DIE MÄNNER

OL-Langdistanz-Spezialist Daniel Hubmann
OL-Langdistanz-Spezialist Daniel Hubmann an der WM in Schottland 2015. (Bild: Keystone)

Daniel Hubmann
Der erfolgreichste Schweizer Orientierungsläufer ist gelernter Schreiner und seit 2007 Profi. 2002 lancierte der 33-Jährige Thurgauer (geboren in Eschlikon) seine Karriere als Doppel-Junioren-Weltmeister. Er war lange vor allem dominant über längere Strecken, schaffte aber ab 2010/2011 auch im Sprint den Anschluss an die zwei bis drei Besten. Spezielle Duelle lieferte er sich mit dem Franzosen Gheorghiu.

Grösste Erfolge: Mit dem Gesamtweltcup 2008 und 2009 krönte er seine dominanten Jahre, speziell über Lang- und Mitteldistanz. Doch auch 2010, 2011 und 2014 war er der beste Läufer im Weltcup. Bisher zehn Welt- und Europameistertitel heimste er ein, zuletzt bestätigte er Ende Mai 2016 den Langdistanz-EM-Titel. Dazu weitere 20 Medaillen an Grossanlässen, 25 Weltcupsiege und 24 Schweizer-Meister-Titel.
www.danielhubmann.ch Matthias Merz
Der 32-jährige Aargauer trat zeitgleich mit Niggli-Luder Ende 2013 zurück. Grösstes Highlight war der Langdistanz-Titel in einem hochklassigen Rennen 2007 in Kiew.

Grösste Erfolge: Zwischen 2005 und 2012 gewann er allein an Weltmeisterschaften zwei Gold-, drei Silber- und vier Bronzemedaillen.
www.matthiasmerz.ch Thomas Bührer
Der wie König-Salmi 48-Jährige darf als Vorkämpfer und aufgrund seiner äusserst langen Profikarriere (über 15 Jahre ab 1988) durchaus als Vorkämpfer bei den Männern bezeichnet werden. In der ersten Hälfte der 90er-Jahre war er Teil der ersten siegreichen WM-Herrenstaffel mit dreimal Gold 1991, 1993 und 1995. Doch auch im Einzel setze er sich noch durch – einige Jahre später: An der Heim-WM 2003 in Rapperswil. Ein Jahr zuvor wurde er über die Paradedisziplin auch Europameister.

Grösste Erfolge: vier Weltmeistertitel (drei in der Staffel) und ein Europameistertitel. Der Meister der Effizienz belegte sonst keine Medaillenränge mehr, aber weitere neun Platzierungen an grossen Titelkämpfen unter den ersten 10 sowie drei Top-8-Ränge im Gesamtweltcup.

Autor: Reto Meisser