Archiv
10. April 2017

Die glücklichen Tage

Schwebezustand dank Sommerflirt
Im Schwebezustand dank Sommerflirt. (Bild: Pixabay.com)

Suchen Sie sich einen Sommerflirt! Das ist ein Befehl. Gehen Sie allein in ein Café und warten Sie, bis Sie ange­sprochen ­werden. Stecken Sie dem unbekannten Menschen im Tram Ihre Nummer zu – und schauen Sie, ob er sich meldet. Laden Sie Tinder herunter, und wischen Sie nach rechts, als gäbe es kein morgen. ­Sagen Sie Ihrer Arbeitskollegin endlich, dass Sie sich in sie verknallt haben. Und – meine Güte! – schreiben Sie ihm halt zuerst, wenn er sich nicht von selbst meldet.

Osterwettbewerb 2017
Osterwettbewerb 2017

Der Frühling eignet sich perfekt, um einen Sommerflirt zu beginnen. Man kann in Blumenwiesen liegen, Himbeeren essen und zusammen Wolken beobachten. Man kann in der Nacht durch die Stadt spazieren und irgendwo den Sonnenaufgang bestaunen. Man kann spätabends in den See huschen, in Pärke einbrechen, sich ins Kino schleichen und die zweite Hälfte eines schlechten Actionfilms knutschend verpassen.

Risiken und Nebenwirkungen einer exzessiven Rekrutierungsphase? Womöglich kriegen Sie auch mal einen Korb. Aber auch den werden Sie überleben.
Womöglich hat der Sommerflirt ein Ablaufdatum. Aber so hat der graue Alltag gar nicht genügend Zeit, sich ­ein­zuschleichen. Womöglich werden Sie Ihren Sommerflirt später nicht ­ heiraten – die Institution der Ehe ist sowieso v­eraltet. Und wer weiss schon, was die Zukunft bringt.

Vernunft hat im Frühling und im Sommer nichts zu verlieren. Der Herbst, in dem oft auch der Sommerflirt welkt, kommt dann früh genug.  

Autor: Anne-Sophie Keller