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21. Mai 2012

Die geschlossenen Energiekreisläufe

Ein zentraler Bereich der Permakultur, wie sie den Bewohnern von Balmeggberg vorschwebt, macht die Produktion und Nutzung der Energie aus. Auch hier will man hohe Selbständigkeit, Effizienz und geschlossene Kreisläufe.

Geschlossene Kreisläufe im Energiesektor bedeuten überall in erster Linie die vermehrte Nutzung von erneuerbaren Energien. Im Kleinräumigen wie einem möglichst nachhaltig geführten Hof kommt speziell die Weiterverwertung von Energieformen, die bereits als Abfall aus früheren Arbeitsschritten hervorgegangen sind, hinzu.

Verschwendung, stark umweltbelastende und versiegende Energiequellen und das Auftreten von Gesundheitsrisiken sind weitere Phänomene, die moderne Umweltwissenschaftler wie Anton Küchler auch im privaten Alltag möglichst vermeiden wollen. Davon zeugt auch die Energievision Oil of Emmental, die Küchler neben Josef Jenni und weiteren Beteiligten mitentwickelt und formuliert hat.

Der erste Grundgedanke der Energievision ist die grösstmögliche Unabhängigkeit von externen Energiequellen. Die meisten sind schliesslich entweder ...

a) extrem umweltschädigend wie das Erdöl oder eine Mehrheit von Erdgas-Nutzungen, beides Klimasünder ersten Ranges. Oder aber ...
b) stark risikobehaftet und kaum mehr mehrheitsfähig wie der Atomstrom, dessen Endlager-Frage zudem weiter ungelöst ist. Und teilweise macht auch ...
c) die aus dem Gebirge kommende Wasserkraft sorgen, weil sie (sollte sie teilweise Erdöl und Atomstrom ersetzen) das Landschaftsbild im Alpenraum und dessen Ökosysteme stärker zu verändern droht.

Für Anton Küchler und seine Mitverfasser liegt weiter auf der Hand, dass neben Gas auch Kohle (eine Rekord-CO2-Freisetzerin) oder bisher schwächer genutzte Stoffe wie Uran nie die Lücke füllen können, die das in wenigen Jahrzehnten vielerorts erschöpfte Erdöl und der nicht mehr genehme Atomstrom zurücklassen werden. Vor allem wenn der weltweite Energieverbrauch (selbst in der hochentwickelten Schweiz) weiter zunimmt.

Vorab Holz und Sonne
Die Ziele in Sachen Image, Energie-Gewinnung und -verbrauch sowie Ökonomie der Vision Oil of Emmental lassen sich in den folgenden fünf Punkten zusammenfassen:

1. Zuallererst soll einheimische Energie genutzt werden: Primär handelt es sich von Natur aus um Sonnenenergie, noch stärker jedoch um durch effiziente und umweltschonende Verbrennung gewonnene Energie aus Holz. Dabei denken viele an anfallendes CO2, doch modernste Heizsysteme mit Pellets oder auch grossen Holzscheiten gehören heute zu den Energieprodukten mit guter Umweltverträglichkeit. Zwar weniger schnell, aber laut Studien im Emmental ebenso zu 100% erneuerbar wie die Nutzung von Sonne und Wind ist die Energiegewinnung aus Holzfeuerung, und zudem muss keine Distanz vom Meer oder flachen Landstrichen im Norden oder aus der Wüste überbrückt werden. Und Abhängigkeit von weitab im Ausland (oder auch im Hochgebirge des Welschwallis oder Südbündens) wünscht man ohnehin keine. Aus demselben Grund gehören auch Solarpanels auf die meisten Privatanwesen, der Solarstrom soll nicht von weither kommen. So wenig wie möglich soll von Transport, Verteilung und Kostenfragen – oder auch Krisen (erhöhter Eigenbedarf oder Unglücksfälle mit entsprechenden Verlusten) – ausserhalb der eigenen Region abhängen.

2. Die Energienutzung geschieht effizient (mit niedrigstem Verlustfaktor) und soweit möglich in Kreisläufen. Ein klassisches Beispiel für ein zweites Mal genutzte Energie ist etwa beim Heizen des Hauses entstehende Abwärme, die wieder genutzt wird (für warmes Wasser z.B.). Doch auch der Anteil an lokal produzierter Energie für Elektrizität oder den Verkehr soll immer mehr gesteigert werden.

3. Produktion, Nutzung und Rückgewinnung von Energie hat CO2- respektive klimaneutral zu erfolgen. Und dies soll wirklich vor Ort erreicht und nicht durch Erkaufen von Zertifikaten zum Energiesparen andernorts kompensiert werden.

4. Bei der Energie-Gewinnung und Nutzung sollen primär in der engeren Umgebung Arbeitsplätze geschaffen und Wertschöpfung erzielt werden. Dies im Gegensatz zur heute breiten Zusammenarbeit und letztlich Abhängigkeit von Erdöl-, Gas- oder anderen Energieriesen mit internationaler Ausrichtung und ohne (grösseres) Interesse an lokalen Gegebenheiten. Neben der fremden Energie (nicht dem fremden Menschen!) wendet man sich also auch gegen die fremde Energiewirtschaft. Mit der Abwehr ist es jedoch nicht getan: Jeder in der Region umgesetzte (und verbleibende) Franken mindert den Abfluss von zurzeit 160 Millionen Franken, die das Emmental für Lieferung und Leistung fremder Energie ausgibt. Der geschlossene Kreislauf bezieht sich demnach nicht allein auf die Energie, sondern ebenfalls auf die Energiewirtschaft.

5. Es soll nicht weltfremd jede Kilowattstunde wie Erbsen gezählt und letztlich vermieden werden. Eine sinnvolle, nötige Mobilität oder der Energieverbrauch durch die Privatwirtschaft, sofern sie Ziele der effizienten und möglichst geschlossenen Energie-Kreisläufe mitträgt, werden lustvoll aufrechterhalten. Dies zählt natürlich nicht für die heute oft widersinnig günstige Mobilität, die Menschen oft sinnlos weit entfernt vom Arbeits- (oder Ausbildungs-)Ort wohnen lässt.

Weiter stellen Jenni, Küchler und Co. fest, dass in ihrem Verständnis die an vielen Orten zu fördernde Wasserkraft nicht von der Sonnenenergie zu trennen sei. Schliesslich bringe bekanntlich allein die Sonne den Wasserkreislauf in Gang. An geeigneten Standorten befürworten Sie auch klar die Nutzung von Geothermie (dichtbesiedelte Gebiete) oder von Windenergie.

Solartechnik und sauberer ÖV: Die Vision von «Oil of Emmental» (Bild BLS).

Weitere Infos: www.oil-of-emmental.ch

Autor: Reto Meisser