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29. Oktober 2012

«Die Gefahren sind tatsächlich gross»

Pro Jahr gelangen etwa 50'000 illegale Arzneimittelsendungen in die Schweiz, darunter auch viele gefälschte Präparate. Hände weg vom Internetdeal? Fünf Fragen zum Thema an Dr. Markus B. Fritz von der Schweizerischen Medikamenten-Informationsstelle (SMI).

Dr. Markus B. Fritz (54) ist Apotheker und Geschäftsführer der Schweizerischen Medikamenten-Informationsstelle (SMI). (Bild: zVg.)
Dr. Markus B. Fritz (54) ist Apotheker und Geschäftsführer der Schweizerischen Medikamenten-Informationsstelle (SMI). (Bild: zVg.)

Dr. Markus B. Fritz (54) ist Apotheker und Geschäftsführer der Schweizerischen Medikamenten-Informationsstelle (SMI).

1. Markus B. Fritz, wie gross ist die Gefahr, in der Schweiz ein gefälschtes Medikament zu erhalten?

Über den offiziellen Weg, also über den Arzt oder den Apotheker, ist sie praktisch inexistent. Aber im Internet ist sie sehr real.

2. Was ist so gefährlich an gefälschten Medikamenten? Ist es nicht so, dass es die Pharmafirmen sind, die Alarm schlagen, weil sie sich Sorgen um ihre Gewinne machen?

Die Gefahren sind tatsächlich gross. Sie reichen von fehlenden Wirkstoffen bis hin zu wirklich schädlichen Inhaltsstoffen. Je nachdem, was Sie bestellen, ist das einfach ärgerlich oder eben ernsthaft gesundheitsschädigend.

3. Soll man überhaupt im Internet Medikamente bestellen?

Grundsätzlich ist der Arzneimittelhandel im Internet nicht erlaubt, es gibt aber diverse Ausnahmen. Ich bin grundsätzlich der Meinung, dass nichts dafür spricht, Medikamente im Internet zu bestellen: Es gibt weder fachliche Beratung noch eine garantierte Produktesicherheit. Aber bei einigen Medikamenten kann ich verstehen, dass Patienten versuchen, sie günstiger über das Internet zu beziehen. Zum Beispiel bei gewissen Erektionsmitteln: Sie sind im offiziellen Handel im wahrsten Sinn des Wortes ein teurer Spass.

4. Wie finde ich heraus, wenn ich im Internet bestelle, ob ein Angebot seriös ist? Gibt es ein Label dafür?

Nein, so etwas gibt es nicht. Generell gilt: Zu empfehlen sind nur Medikamente, die von der Arzneimittelbehörde Swissmedic in der Schweiz offiziell zugelassen und entsprechend gekennzeichnet sind. Alle diese Medikamente sind auf www.compendium.ch und www.documed.ch verzeichnet inklusive Angaben für Patienten und Fachleute. Sie tragen auf der Packung den Schriftzug der Swissmedic.

5. Wo kann ich mich melden, wenn ich ein Angebot entdecke, das ich zweifelhaft finde? Und: Mache ich mich strafbar, wenn ich im Web ein Medikament bestelle?

Höchstwahrscheinlich werden Sie nicht rechtlich verfolgt, aber Sie müssen mit gesundheitlichen Konsequenzen rechnen. Fragen und Beobachtungen können Sie bei market.surveillance@swissmedic.ch deponieren.

Im Oktober 2012 berichtete «Blick» über das Milliardengeschäft mit gefälschten Arzneimitteln.
Im Oktober 2012 berichtete «Blick» über das Milliardengeschäft mit gefälschten Arzneimitteln.

Der Zeitungsartikel zum Thema

Im Oktober 2012 berichtete «Blick» über das Milliardengeschäft mit gefälschten Arzneimitteln. Zum Artikel

Autor: Andrea Fischer Schulthess