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03. Januar 2017

Die fetten Jahre sind vorbei

Journalistin Anne-Sophie Keller (27) glaubt an Popkultur und den Sinn eines unvernünftigen Lebenswandels. Zum Start der Kolumne «Brave New Girl» erklärt sie, was 2016 für die Generation Y bedeutet.

Kerzen auf dem Berliner Weihnachtsmarkt
Kerzen auf dem Berliner Weihnachtsmarkt nach dem Attentat vom 19. Dezember 2016. (Bild: Keystone)

Berlin. Die Welt steht plötzlich still. Meine grosse Schwester lebt dort. Ich rufe sie an und schaue auf Facebook nach, ob sie sich als «in Sicherheit» markiert hat. Sie hat noch nicht. Dann nimmt sie den Hörer ab. Alles gut. Sie sitze schon fast im Zug in die Schweiz.

Anne-Sophie Keller (27)
Anne-Sophie Keller (27)

Am 19. Dezember, nach dem Anschlag auf den Berliner Weihnachtsmarkt, realisierte ich einmal mehr, dass nichts sicher ist.
Es ist schwierig, das vergangene Jahr in Worte zu fassen. Viele Menschen in meinem Umfeld haben ebenfalls verstanden, dass die Welt womöglich nicht besser wird. Dass die globalen Krisen auch uns betreffen. Und dass es uns so gut geht, weil wir auch auf Kosten anderer leben.

Eine bittere Pille für die Generation Y. Meine Altersgruppe wurde im Gedanken erzogen, dass alles irgendwie möglich ist und die Welt uns gehört. Anything goes! Man muss bloss hart genug dafür arbeiten. Wir beschäftigen uns zudem vor allem mit uns selbst und der eigenen Bubble. Das wird sich ändern.

Heuer wird der letzte Jahrgang der Generation Y volljährig, sprich: so etwas wie erwachsen.
Ich hoffe, dass wir uns unsere jugendlichen Weltverbessererfantasien nicht nehmen lassen. Dass wir weiterhin daran glauben, zusammen etwas bewirken zu können. Und dass wir nicht so zynisch werden wie manche vor uns.

Denn es gibt vieles, an das man sich halten kann. Für das Migros-Magazin (Nr. 52 vom 27. 12. 2016) habe ich 50 positive Ereignisse gesucht, die 2016 passiert sind. Es ist – trotz allem – einfach gewesen. 

Autor: Anne-Sophie Keller

Fotograf: René Ruis