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27. August 2012

«Die Ferien waren genug lang»

Letztes Jahr haben Amina Wanger und Laurin Steinmann aus Oberrohrdorf AG von ihrem ersten Schultag erzählt. Nun sind die Siebenjährigen in der zweiten Klasse. Die Schule macht immer noch Spass, wenn nur diese Hausaufgaben nicht wären.

Wissen beide die Antwort: Laurin Steinmann (links) und Amina Wanger in ihrem Klassenzimmer im Schulhaus Hinterbächli im aargauischen Oberrohrdorf.

Zum Video-Beitrag: Mit wem Laurin spielt, wie Aminas Traumschultag aussieht und was man als Zweitklässler über Kindergärtler denkt.

Das Interview vom letzten Jahr (PDF 3,1 MB)

Amina und Laurin, was habt ihr heute in der Schule gemacht?

Laurin: Einen Coup gezeichnet.

Welches ist denn eure Lieblingsglace?

Amina: Schoggi.

Was macht ihr mit den Zeichnungen?

Laurin: Aufhängen und dann in der Zeichnungsmappe sammeln. Ende Jahr nehmen wir sie nach Hause.

Wie war der Start in die zweite Klasse?

Amina: Gut.

Was war besonders gut?

Laurin: Textiles Werken. Da arbeitet man mit Fäden. Wir haben Fische gemacht, die hängen jetzt unten am Eingang. Und Turnen hat mir auch gefallen, da haben wir Fangis gespielt.

Und was gefällt dir am besten, Amina?

Amina: Auch Turnen.

Was gefällt dir am wenigsten?

Amina: (zögert) Nichts.

Als Erwachsener kann ich dann alles, zum Beispiel Bücher lesen. – Laurin Steinmann

Du hast alles gern?

Amina: Ja.

Vor der zweiten Klasse hattet ihr ja Sommerferien. Wärt ihr lieber noch ein bisschen länger in den Ferien geblieben?

Laurin: Nein, die Ferien waren genug lang. Wir waren in Davos wandern.

Und du bist jetzt lieber wieder in die Schule gekommen, als noch weiter zu wandern?

Laurin: Ja. In der Schule kann ich mehr lernen, und als Erwachsener kann ich dann alles, zum Beispiel Bücher lesen.

Liest du jetzt schon Bücher?

Laurin: Ja, viele. «Kleine Geschichten von Einhörnern» oder «Kleine Piratengeschichten».

Amina, manchmal schüchtern, manchmal fröhlich.
Amina, manchmal schüchtern, manchmal fröhlich.

Liest du auch, Amina?

Amina: Ja, ich hole mir immer wieder neue Bücher aus der Bibliothek.

Was denn so, auch Piratengeschichten?

Amina: Nein … vieles.

Was habt ihr eigentlich in der ersten Klasse alles gelernt?

Laurin: Rechnen, Schreiben, Lesen, Abschreiben …

Abschreiben?

Laurin: Ja, von Büchern.

Also nicht vom Gschpänli nebenan?

Laurin: Nein.

Gar nie?

Laurin: Wenig.

Was war das Beste, was ihr gelernt habt?

Laurin: Rechnen und Turnen.

Was schreibst du denn so?

Amina: Kleine Briefe an meinen Bruder.

Ich hole mir immer neue Bücher aus der Bibliothek.

Und was schreibst du ihm?

Amina: Wie es mir geht.

Schreibt er zurück?

Amina: Nein.

Dann könnt ihr jetzt also das ganze Alphabet? Amina, erzähl mal.

Amina: A, B, C, D, E, F, G … (zählt das ganze Alphabet fehlerlos auf)

Super. Und bis wie viel könnt ihr zählen?

Laurin: Bis 1000. Sogar weiter. Weil es ist ja dann immer 100, 200, 300.

Wie weit könnt ihr schon rechnen?

Laurin: Mmhhh …

5+5?

Gleichzeitig: 10.

10+12?

Laurin: 22.

30–20:

Amina: 10.

Könnt ihr auch schon mal und geteilt?

Laurin: Mal. Zum Beispiel 10x1 gibt 10.

4x6?

Laurin: 12.

Ich will später Informatiker oder Zoowärter werden. – Laurin Steinmann

Nicht ganz. Doppelt so viel.

Laurin: Ähh … 24.

Prima. Was lernt ihr denn jetzt in der zweiten Klasse neu?

Laurin: Bis 100 rechnen zum Beispiel.

Lernt ihr auch schon eine neue Sprache?

Laurin: Ja, Basisschrift. Das Y zum Beispiel ist rund und nicht eckig. Ich kann meinen Namen schon in Basisschrift (Mix aus Block- und Schnürlischrift, Anm. der Red).

Lernt ihr schon eine Fremdsprache?

Amina: Noch nicht.

Könnt ihr schon ein bisschen Englisch?

Laurin: Ein bisschen. Yes, no, good morning, good Abend … nein … ähm, one, two, three, four, five, six, seven …

Woher kannst du das alles schon?

Laurin: Von meinem grossen Bruder.

Freut ihr euch auf die Fremdsprachen?

Amina: (nickt)

Wo kann man Englisch brauchen?

Laurin: In anderen Ländern, dort, wo man Englisch redet.

Und Französisch?

Laurin: Auch in anderen Ländern, dort, wo man Französisch redet.

Aber in der Schweiz auch.

Laurin: Mhh, im Tessin.

Fast. In der Westschweiz.

Laurin: Ah ja, genau.

Hattet ihr ein bisschen Angst vor der zweiten Klasse?

Laurin: Eigentlich nicht.

Laurin, manchmal vorlaut, manchmal nachdenklich.
Laurin, manchmal vorlaut, manchmal nachdenklich.

Was ist anders in der zweiten Klasse als in der ersten?

Laurin: Es ist natürlich ein bisschen schwerer. Aber das Tolle ist, dass wir fünf Minuten früher aus haben am Mittag.

Was ist schwerer?

Laurin: Das Rechnen. Ein bisschen. Und das Lesen. Es sind längere Texte.

Du liest doch so viel, Amina, findest du das Lesen auch schwerer?

Amina: Nein.

Letztes Jahr habt ihr uns erzählt, dass ihr euch auf die Hausaufgaben freut. Ist das immer noch so?

Beide: (zögern)

Freut ihr euch nicht mehr so?

Amina: Es geht.

Ihr habt jetzt ja auch ein portugiesisches Mädchen in der Klasse, das kein Deutsch spricht. Wie geht denn das?

Laurin: Manchmal mit Handzeichen.Und sie schaut auf uns, wie wir etwas machen.

Laurin, du hast eine neue Frisur seit dem letzten Mal, richtig?

Laurin: Ja, die Haare sind jetzt länger. Das passt mehr zu mir.

Entscheidest du selbst beim Coiffeur, wie lang die Haare sein sollen, oder reden deine Eltern mit?

Laurin: Ich entscheide. Manchmal finden sie, dass ich wieder mal zum Coiffeur gehen sollte. Aber das macht auch Spass, da kann ich immer Bücher angucken. Und Kinder müssen nichts zahlen, das machen die Eltern.

Was macht ihr nachher zu Hause?

Laurin: Spielen, mit dem kleinen Bruder zum Beispiel.

Was habt ihr für Hobbys?

Laurin: Spielen, Wandern, Gitarre. Ich habe einmal pro Woche Unterricht.

Spielst du auch ein Instrument, Amina?

Amina: Flöte.

Laurin, letztes Jahr hattest du doch ganz viele Sporthobbys.

Laurin: Die mache ich nicht mehr, mit dem Kunstturnen habe ich aufgehört, das war zu schwer. Finito.

Ich will später Kuchenbäckerin werden. – Amina Wanger

Amina, vor einem Jahr hast du uns erzählt, dass du Kuchenbäckerin werden möchtest. Ist das immer noch so?

Amina: Ja.

Was hast du seither gebacken?

Amina: Eine grosse Quarktorte, mit dem Mami.

Und was wolltest du letztes Jahr noch mal werden, Laurin?

Laurin: Informatiker. Das will ich auch immer noch. Aber ich habe jetzt neu noch eine Idee: Zoowärter.

Ah ja. Was macht denn der?

Laurin: Der passt auf die Tiere auf, damit sie nicht abhauen, gibt ihnen zu essen und zu trinken, putzt sie auch manchmal. Das finde ich spannend.

Willst du für ein bestimmtes Tier Wärter werden?

Laurin: Nein, für alle.

Auch für Schlangen?

Laurin: Ja.

Auch für Spinnen?

Laurin: (zögert) Weniger, die sieht man ja gar nicht richtig.

Hast du Tiere zu Hause, Amina?

Amina: (schüttelt den Kopf)

Aber in den Sommerferien hast du welche gesehen?

Amina: Ja, auf dem Bauernhof bei der Grossmutter.

Was für Tiere?

Amina: Rössli, Muni, Hühner und Geissen.

Willst du später auch mal einen Bauernhof haben?

Amina: Nein. Aber Tiere schon.

Welche Tiere hast du am liebsten?

Amina: Delfine, Pferde und Katzen.

Amina, letztes Jahr warst du dir noch nicht so sicher, ob du später mal heiraten und Kinder haben willst. Hat sich daran inzwischen etwas geändert?

Amina: (zögert) Nein.

Du hingegen, Laurin, hattest sogar schon jemanden im Auge zum Heiraten. Ist das immer noch so?

Laurin: Ja, aber ich verrate immer noch nicht, wen.

Aber es ist noch die Gleiche?

Laurin: (verschmitzt) Ja, immer noch die Gleiche.

Und sie will dich auch heiraten?

Laurin: (kichernd) Ja!

Autor: Yvette Hettinger

Fotograf: Gaëtan Bally