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26. August 2013

Die Erwartungen an den Lehrberuf

Der Lehrerjob hat in Sachen Image in den letzten Jahren aufgeholt. Doch was sollten heute insbesondere Grundschullehrer für ihr Tätigkeitsfeld mitbringen? Und was schätzen Eltern eigentlich an guten Lehrer(innen)? Nennen Sie uns Ihre Erwartungen als Eltern (nach dem Artikel, im Kommentar).

Noch vor ein paar Jahren herrschte in etlichen Regionen der Schweiz ein grosser Lehrermangel, besonders auf Primar-, teilweise auch auf Sekundarstufe. Die Zeiten sind zum Glück an den meisten Orten vorbei, auch wenn einige Kantone weiterhin Programme mit erleichtertem Berufszugang – und verkürzter Ausbildung – für Quereinsteiger führen. Und obwohl vereinzelt noch immer Probleme mit dem Besetzen der einen oder anderen Stelle auftauchen. Verantwortlich dafür ist auch die steigende Geburtenrate respektive die Anzahl der neu eingeschulten Kinder. Ein Trend, der sich künftig weiter verstärken wird.

Umso wichtiger ist es, dass die Zahl der Anmeldungen an den Pädagogischen Hochschulen (PH) stark ansteigt (im Schnitt um rund 50 Prozent). Und die meisten Verantwortlichen schätzen es, dass vier Fünftel der Zunahmen auch beim normalen Ausbildungsprogramm anfallen und bloss eine Minderheit aus Quereinsteigern besteht.
Doch weshalb verzeichnet gerade der Beruf des Grundschullehrers – denn die Lehrerzuwachsraten sind nirgends so gross wie auf Primarschulstufe – einen derartigen Aufschwung? Experten nennen als Trümpfe des Berufsbildes die Mischung aus einer als sinnvoll angesehenen Beschäftigung, einer trotz enger gesteckter Lehrplanvorgaben hohen Selbständigkeit im Erreichen der Lernziele sowie flachen Hierarchien.

Einfühlungsvermögen und Grenzen setzen
Fällt die Suche nach Gründen des gesteigerten Images der Lehrertätigkeit ohne sehr breite Erhebung (noch) schwer, so lassen sich auf der Gegenseite die Anforderungen an heutige (Primar-)Lehrkräfte schon genauer festhalten. Schliesslich helfen dabei auch die Beschriebe der Pädagogischen Hochschulinstitute mehrerer Kantone. Die PH Zürich stellt etwa in ihren Infos für Quereinsteiger prominent an den Anfang, dass Interessierte sich möglichst nicht von früheren Erfahrungen als Schüler(innen) leiten lassen sollten. Notabene weder von den guten noch von den schlechten.
Ansonsten warnt sie ebenso eindringlich davor, im Beruf bloss das Vor-der-Klasse-Stehen zu sehen, denn mit Einzelkontakten zu Kindern, mit der Teamarbeit der Lehrerschaft und Kontakten zu Eltern und zur Aussenwelt gestalte sich die Sache deutlich vielseitiger. In den Vordergrund gerückt wird vielmehr der generelle Spagat im Umgang mit den Kindern oder, später, mit den Jugendlichen: Es braucht sehr viel Einfühlungsvermögen, auf der anderen Seite aber auch das unmissverständliche Setzen von Grenzen.
Die Universität Freiburg (i.B.) stellt acht Punkte in den Vordergrund – zwar nicht als abschliessende Anforderungen, aber doch als Hauptfragen:

1. Die Freude am Umgang mit Kindern
2. Verständnis und Offenheit für die Nöte der Schüler(innen)
3. Ein hohes Engagement respektive Einsatzbereitschaft
4. Fähigkeit zur Zusammenarbeit im Kollegium
5. Selbstbewusstsein und Führungsstärke
6. Sicherheit im Auftreten vor mehreren Menschen
7. Geistige Beweglichkeit und Argumentation sowie Rhetorik
8. Freude an (stetiger) Weiterbildung und -entwicklung

Breitere Einblicke in die Erwartungen und Anforderungen an den Lehrberuf ermöglicht dieser Fragebogen für die Selbsteinschätzung künftiger Lehrkräfte der «Career Counselling for Teachers» (betreut von der Pädagogischen Hochschule Zentralschweiz Luzern PHZ).
UND IHRE ERWARTUNGEN?
Was erwarten Sie als Mutter oder Vater von einem/einer guten Grundschullehrer/-in?
Womit hat Sie ein(e) Lehrer(in) zuletzt positiv oder negativ überrascht?
Nennen Sie uns im Kommentar (gleich anschliessend) den wichtigsten Trumpf einer Lehrkraft beziehungsweise Ihre beste oder schlimmste Erfahrung (anonymisiert, ohne Namen!).

Autor: Reto Meisser