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30. April 2012

«Die Eringer werden nicht aussterben»

Dominik Pfammatter hofft auf die umliegenden Kantone, sollte das Halteverbot für die prächtigen Kühe im Wallis tatsächlich kommen.

Dominik Pfammatter (47) ist Vorstandsmitglied  des Schweizerischen Eringerviehzuchtverbands in Conthey VS.
Dominik Pfammatter (47) ist Vorstandsmitglied des Schweizerischen Eringerviehzuchtverbands in Conthey VS.

Dominik Pfammatter (47) ist Vorstandsmitglied des Schweizerischen Eringerviehzuchtverbands in Conthey VS.

Dominik Pfammatter, nach den Plänen des Bundes soll ab 2014 nur noch Eringerkühe halten dürfen, wer eine landwirtschaftliche Lehre abgeschlossen hat. Im Wallis werden die prächtigen Kampfkühe heute fast nur von Hobbylandwirten gehalten. Warum eigentlich?

Die Eringerrasse lässt sich relativ leicht pflegen. Und im Wallis hat es zudem eine sehr lange Tradition, Tiere nebenberuflich zu halten: Bei uns wird nur etwa ein Viertel der Betriebe von Vollberufslandwirten geführt.

Liegt es nicht auch daran, dass Eringerkühe in erster Linie für ein Hobby, nämlich als Kampfkühe, gehalten werden?

Nein. Die Eringer sind weitaus mehr als das, nämlich Mehrnutzungsrinder für Fleisch, Milch und Horn, widerstandsfähig, genügsam und anpassungsfähig. Eringer sind gute Futterverwerter, intelligent und wunderschön, kurz: eine Art Allrounder. Allerdings eignen sie sich vor allem für Bergregionen, also nur für ein kleines Gebiet. Zudem: Der Begriff Kampfkuh stört mich.

Weshalb?

Er klingt nach Dressur. Die Tiere werden aber nicht zum Kampf gezwungen. Dass sie herausfinden wollen, wer die Leitkuh in der Herde ist, ist ihnen angeboren. Die Kämpfe enden übrigens ohne oder mit nur sehr oberflächlichen Verletzungen.

Welche Alternativen gibt es, die Eringerrasse zu erhalten, wenn tatsächlich in zwei Jahren nur noch Vollberufsbauern Kühe halten dürfen?

Wir hoffen, dass umliegende Kantone —mit mehr Vollzeitlandwirten — in die Bresche springen. Es gibt zum Glück bereits jetzt grössere Eringer-Bestände im Berner Oberland, im Kanton Waadt, in Freiburg etc. Oberstes Ziel ist aber die Erhaltung der Rasse im Kanton Wallis. Die Walliser Regierung ist gefordert, in Bern entsprechend zu intervenieren.

Was wäre, wenn die Eringer ausstürben?

Die Eringer sterben nicht aus. In ihrer jahrhundertealten Geschichte haben sie schon manche politischen Entscheide über sich ergehen lassen müssen, die ihre Existenz bedrohten. Dank Idealisten, die den wahren Wert dieser grossartigen Rasse erkannten, haben sie all das überlebt.

Den ganzen «Blick»-Artikel zum Thema lesen Sie hier

Eringer zu halten, ist im Wallis vor allem ein Hobby. Nun plant der Bund eine Beschränkung auf gelernte Landwirte. («Blick am Abend» vom 18. April)
Eringer zu halten, ist im Wallis vor allem ein Hobby. Nun plant der Bund eine Beschränkung auf gelernte Landwirte. («Blick am Abend» vom 18. April)

Autor: Karin Aeschlimann