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01. Oktober 2012

«Die Eltern sollten offen darüber reden»

Viele Kinder von neun bis 16 surfen laut einer Studie der Uni Zürich ohne Aufsicht mit dem Handy im Internet. Isabel Willemse erklärt, wie Eltern ihre Schützlinge auf explizite Inhalte vorbereiten können.

Isabel Willemse
Isabel Willemse (29) ist Medienpsychologin, Assistentin an der Zürcher Hochschule für Angewandte Wissenschaften, Bereich Psychosoziale Entwicklung und Medien. (Bild: Simon Hallström)

1. Isabel Willemse, wo liegt das Problem, wenn Kinder alleine mit dem Handy im Internet surfen?

Die Kontrolle ist viel schwieriger. Die Kinder könnten Inhalte sehen, die für Erwachsene bestimmt sind, beispielsweise Pornografie. Das Smartphone begünstigt zudem spontanes, unüberlegtes Verhalten, Kinder können schnell persönliche Dinge und Fotos online stellen.

2. Wie können Eltern die Kinder vor Gewalt und Pornografie im Internet schützen?

Teilweise ist ein technischer Schutz auf dem Gerät möglich. Wichtig ist aber vor allem die Kommunikation. Die Eltern sollten offen mit ihren Kindern darüber reden, was sie beim Surfen sehen und erleben. Zudem müssen Eltern schon vor dem Kauf eines Smartphones Grenzen und Regeln vereinbaren.

3. Kann unkontrolliertes Surfen im Internet nicht auch Vorteile haben? Wer frei ausprobieren kann, lernt mehr. Kontrolle macht Verbotenes doch erst recht reizvoll.

Bei Neun- bis Zwölfjährigen ist Kontrolle immer nötig. Bei älteren sollte man Grenzen festlegen, aber auch Freiheiten lassen. So können sie sich eine gewisse Medienkompetenz aneignen. Ganz unkontrollierter, grenzenloser Zugang ist bedenklich. Kinder können mit Dingen konfrontiert werden, die sie verängstigen oder verunsichern. Oder sie könnten sich mit jemandem treffen, den sie online kennengelernt haben und der jemand anderes ist, als er vorgab zu sein.

4. Wie kann man die Medienkompetenz bei Kindern fördern?

Es gibt die technische und die inhaltliche Kompetenz. Technisch ist die junge Generation oft kompetenter als die Eltern. Kinder und Jugendliche sind aber teilweise noch nicht fähig, die Inhalte zu bewerten und die Konsequenzen ihrer Handlungen abzusehen. Es ist die Aufgabe der Eltern, ihren Kindern Weitsicht und die Fähigkeit zum Hinterfragen beizubringen.

5. Was sollen Eltern tun, die Smartphones und Internet weniger gut verstehen als ihre Kinder?

Wichtig ist die Neugierde und Offenheit der Eltern. Sie sollten die Kinder fragen, wie das Gerät funktioniert und was sie damit machen, suchen und finden. Beide können so voneinander lernen. Aber es ist so: Wer selbst Nutzer ist, kann die positiven Seiten und die Gefahren viel besser einschätzen.

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Autor: Claudia Langenegger