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24. Februar 2014

Die doofe alte Zeit

Ein Prachtstag! Wir mampfen an der Sonne Ciabatta-Sandwiches, und aus dem Lautsprecher der Pistenbeiz erklingen 80er-Jahre-Hits. Bei «Wake Me Up Before You Go-Go» trällere ich schon leise mit und seufze: «Der ist von Wham! Ich weiss noch genau, wie …» Schon mokiert sich Hans: «Was? Die hatten ausser ‹Last Christmas› noch einen zweiten Hit?» Bei «Always On My Mind» der Pet Shop Boys gerate ich ins Schwelgen, und zu «Flashdance – What A Feeling» beginne ich, auf der Holzbank zu wippen, mit den Armen alberne Kreisbewegungen vor meinem Gesicht zu vollführen und den Oberkörper zu verrenken, dass es für meinen Sohn und seinen Freund Ramón bestimmt unter «Fremdschämen» geht … «Flashdance»! Die rassige Gymnastik zu diesem Stück führten wir am Unterhaltungsabend des Turnvereins Wohlen im Winter 1983 auf, ich hab die Choreografie noch heute intus. Und haben wir sie im Folgesommer nicht gar am Eidgenössischen Turnfest gezeigt? Es war die Zeit, als der Stemmbogen noch Stemmbogen und nicht (wie ich es hier in Laax täglich von Skilehrern höre) «Pizzastück» hiess, und sosehr diese Zeit sich verklären lässt – bestimmt war unser Aerobicgehopse saupeinlich. Gottlob, gibts das nicht auf Youtube!

Zwei Kinder von oben an einem alten Mr. Pac-Man-Kasten (zu sehen sind nur zwei Köpfe von oben und der Bildschirm)
Erinnern Sie sich an Pac-Man?

Wunderbar, die Sportferien! Und natürlich beantworte ich die Frage «Nehmen Sie Volg-Märkli?» mit Ja, weil ich Märkli aus Prinzip sammle. Es gibt viel einzukaufen, denn wenn sich eine befreundete Familie zum Besuch angekündigt hat und ich Hörnli, Gehacktes und Apfelmus zubereiten will, fehlt es in der gemieteten Ferienwohnung an vielem. Kardamom und Zimt fürs Apfelmus muss ich besorgen. Das Kuchenblech für die geplante Birnenwähe hab ich von daheim mitgebracht, denn es fehlte letztes Jahr. Inzwischen hätte es zwar eines, dafür keine Gratinform. Auch einen Wäscheständer muss ich kaufen gehen – kleiner Ausflug nach Ilanz, in die Migros. Nichts gegen unsere Vermieterin! Sie kann nicht ahnen, dass ich hier kochkünstlerisch abheben will. Aber in einem fremden Haushalt zu hantieren, ist schwierig. Und ich denke an Anna Luna, die im fernen Kentucky versucht hat, Älplermagronen zu kochen …

Während ich das Löchersieb suche, höre ich Hans und seinen Kameraden in der Stube Dinge sagen wie: «Ey, Alte! Chumm i miini Wält!» – «Näi! Du i miini!» (Mit seinen Gschpänli redet Hans Zürich-, mit uns Eltern Berndeutsch.) «Ich hab grad ein Schaf geschoren!», ruft der eine aus, «Und ich neue Bäume auf unser Dach gepflanzt!», der andere. Sie spielen, beide über ihre Handys gebeugt, «Minecraft», ein komplexes Game, in dem es darum geht, Bodenschätze zu nutzen, eigene Siedlungen zu errichten, sich gegen Monster zu wappnen – alles überaus flink und schöpferisch und auf dem neuesten Stand. Uns Oldies bleibt ob so was nur Staunen.

Am Abend führe ich die Jungs zum Burger-Schmaus aus. Und in dem Schuppen steht ein alter Pac-Man-Kasten. Erinnern Sie sich? Ans gelbe Rundumeli, das sich durch ein Labyrinth an Punkten frass? Ein Computerspiel der ersten Stunde! Der letzte Schrei damals, als wir «Flashdance» hörten – und heute komplett veraltet. Für die Buben aber vermutlich just deshalb faszinierend. Sie sind hin und weg, lassen sogar ihre Frites kalt werden und verpulvern mein ganzes Münz für Pac-Man.

ANNA LUNA GOES WEST

Bänz Friedlis Tochter berichtet während ihres Austauschsemesters in den USA, wie es ihr fern von zu Hause ergeht, Bruder Hans antwortet aus Schweizer Sicht. Erfahren Sie, was aus Anna Lunas Älplermagronen wurde. Zum Blog


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Autor: Bänz Friedli

Fotograf: Bänz Friedli