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22. Juli 2013

Die Blogger der Generation Y

Während Buchautor Philipp Riederle auf Youtube die Kommunikation der Jugend erklärt, er-bloggen sich im Web bereits andere Unter-20-jährige die Beachtung der Polit-, Mode- oder Journalistenszene.

Für das Alter von 18 Jahren mag es erstaunen, dass es sich bei Philipp Riederle (im Migros-Magazin-Interview vom 22. Juli 2013) um alles andere als einen kometenhaft aufgestiegenen Jungautor handelt. Doch mit «Wer wir sind und was wir wollen» brachte Riederle zwar soeben sein erstes Buch heraus, über das kommunikative Verhalten seiner Generation, technische Neuerungen und deren Folgen lässt er sich aber schon seit fünf Jahren auf seinem Kultblog Mein iPhone und ich gründlich aus – und sicherte sich längst die Aufmerksamkeit im deutschsprachigen Internetsektor.

Der längere Vortrag «Das Kommunikationsverhalten der Generation Y» vom Media Future Day in Zürich 2012 (oben die gut 30-minütige Youtube-Version) bietet einen breiten Zugang in seine Gedankenwelt. Ohne Beschönigung, vor allem aber ohne Untergangsszenarien zeichnet er das Bild der jüngsten Generation der Digital Natives (wer nie ein Leben ohne abdeckende Internetdienste und vernetzte Geräte gekannt hat) nach. Und betont, dass es den Jungen von heute bei allen virtuellen Kontaktformen ganz konventionell um reale Beziehungen und deren Pflege gehe.

Ebenfalls zur Einführung in Philipp Riederles Arbeit eignen sich diese zwei Youtube-Filmausschnitte: «Wer wir sind und was wir wollen» zur Buchpublikation 2013 (lettra.tv)
Der Test des iPhone 5 auf «Mein iPhone und ich»
DIE JUNGEN VOM FACH
Selbst wenn die Nutzung von Social-Media-Kanälen wie Facebook, Twitter & Co. und den dazu gehörenden technischen Geräten auch in der deutschsprachigen Blogszene ein Megatrend bleibt, erarbeiten sich derzeit Blogger in anderen Gebieten hohe Kompetenz und erobern eine Lesergemeinde. Gemeinsam haben sie mit Riederle das Alter von unter 20 – und dass sie sich zumeist klassisch auf ein Themengebiet spezialisieren, das sie mit Ausdauer und Begeisterung beackern.

Migrosmagazin.ch nennt drei erfolgreiche Beispiele. Verraten Sie uns in einem Kommentar gleich darunter Ihre Favoritin oder Ihren Favoriten.Die LIFE-STYLISTIN: Die Kraft von Bild und Wort
Die Hamburgerin Anouk Jans (17), die zuvor lange in Spanien oder auch in New York lebte, betreibt seit vier Jahren als Fashionista einen viel beachteten Modeblog, dem sie den von der «Bild» verliehenen Titel «Modemädchen aus dem Internet» verdankt. Ihr Vorbild war zu Beginn die ebenso junge US-Bloggerin Tavi Gevinson ( «Tavi – The New Girl in Town» ). Speziell an ihrem englischen Blog sind aussagekräftig zusammengestellte Bilder, die in der Regel von kurzen, stets Stellung beziehenden englischen Kurztexten begleitet werden. Lange Beurteilungstexte überlässt sie älteren Lifestyle-Blogger(inne)n, ihr Talent ist es, (neue) Phänomene in ein paar Worte und Bilder zu fassen.
Ihre Site: Anouk – On the Brink Der JOURNALIST: Recherchieren und filtern
Viel selektiver, aber anders als in Zeitungsressorts wie Innen- oder Aussenpolitik, Wirtschaft oder Kultur eingegrenzt, bloggt der ebenfalls 18-jährige Andy Weinzierl über das Weltgeschehen. Fast immer stützt er sich auf mehrere Quellen ab, tischt dem Leser aber dadurch erfrischende Zusammenhänge mit auf und versieht die unendliche News-Welt mit einer persönlichen Note. Vielleicht so etwas wie die persönlichere Variante der Perlentaucher-Anfänge (die im Übrigen so alt sind wie Andy). Gewidmet ist der Blog nichts Geringerem als Dem Deutschen Volke.
Von bestimmten Anlässen erstellt er zusammen mit einem Fotografen auch eigenständige Berichte, kennt das Metier also durchaus auch über das Sichten und Filtern hinaus.
Seine Site: Schnell.jung.seriös
Der POLIT-BLOGGER: Für Haltung über Parteigrenzen
Auch die Politik stösst unter jungen Bloggern und vor allem ihren Leser(inne)n unverändert auf Interesse. So beweist der gerade 20-jährige Philipp Jost seit Jahren, dass man von über 100 Besuchern pro Tag ernst genommen werden kann, ohne einfach eine Parteilinie oder eine thematisch begrenzte Überzeugung zu verfolgen. Und ohne Agenturen oder Tageszeitungen zu kopieren oder einer Zweitverwertung zuzuführen. Eine aufrichtige Haltung und bürgerorientiertes Verhalten erwartet Jost von den Politikern und misst deren Handeln transparent daran. Spezialgebiet war zuletzt die – nicht genehme! – Einschränkung persönlicher (User-)Rechte im Internet, derzeit ist seine Aktivität wegen Prüfungen etwas eingeschränkt.
Seine Site: Josty Knows Best

Autor: Reto Meisser