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22. April 2014

Die grössten Horrorklassiker

Stephen King zählt zu den besten, sicher meistverkauften Autoren, die beim Leser Horrorvorstellungen hervorrufen. Die Tradition ist weit älter: Fünf unumgehbare Autoren mit ihren besten Büchern. Nicht einverstanden? Nennen Sie uns Ihre liebste Horrorliteratur.

Edgar Allan Poe
Der Begründer des Modernen Horrors: Edgar Allan Poe. (Bild: Keystone)

Bücher oder (Kurz-)Geschichten, die es als Hauptzug darauf abgesehen haben, die Leser zu erschrecken, teils auch nachhaltig zu ekeln oder bei ihnen ein physisches oder metaphysisches Gruseln zu erzeugen, gibt es schon seit Jahrhunderten.

Viele denken bei Horror aus heutiger Perspektive zuerst an Vampire, Zombies oder Werwölfe, doch eine Horrorgeschichte kann ganz anderes, auf den ersten Blick viel «humaneres» Personal einsetzen. Gemein sind ihnen nach dem Lexikon der Horrorliteratur jedoch fünf Merkmale:

1. Übernatürliches
2. Beschriebenes Grauen
3. Psychologische Momente des Gruselns wie Wahnvorstellungen, Angstträume, Besessenheit
4. Freiheiten in Ort, Zeit und Co. aus dem Science-Fiction-Bereich
5.
Elemente der Groteske, des Skurrilen oder auch des Surrealen

Natürlich müssen nicht zwingend alle Punkte für eine Zuordnung zum Horror erfüllt werden.
FÜNF MEILENSTEINE
Migrosmagazin.ch hat sich für Buchfreaks, die einen neuen Einstieg in den literarischen Horror suchen, auf eine Kleinstauswahl von fünf Büchern aus verschiedenen Zeiten, Sprachen und Kontexten beschränkt:

Edgar Allen Poe: Z.B. DIE MASKE DES ROTEN TODES
Poe gilt vor allem stilistisch unwidersprochen als Begründer des modernen Horrors in der Literatur (Anfänge finden sich nämlich durchaus in der Antike). Einige seiner Kurzgeschichten, die man am besten als Sammlung ersteht, stehen für seine auf kleinem Raum und in höchster Ökonomie erzählte Kunst: die Generierung, Pflege und Steigerung von Spannung mit dem gruselnden Einfall von etwas Fremdem, Unverständlichem. Seine beschriebenen Szenen dienen sprachlich genauso (oft) dem Verstecken wie dem Offenbaren des Schreckens – oft von beidem zugleich.

E.T.A. Hoffmann: DER SANDMANN
Vielleicht eine Provokation für Experten älterer deutscher Literatur: Doch die Erzählung aus dem 19. Jahrhundert um Automaten entwickelt viel Schrecken, teilweise gar einen Horror vacui. Der Clash der althergebrachten Welt mit ganz neuen Subjekten – oder gar keinen Subjekten mehr, die jedoch handlungsfähig sind oder jedenfalls schwere Folgen für das Handeln der Menschen haben –, ist in raffinierter Sprache noch heute unablässig in und zwischen den Zeilen herauszulesen. Schlicht auch ein Vorbild für eine Vielzahl der Robotergeschichten aus den letzten paar Jahrzehnten.

Stephen King: MISERY
Ein einprägsam, mit mehrheitlich einfachen Spannungsmitteln geschriebenes Buch über nur zwei Personen in speziellem Abhängigkeitsverhältnis, über weite Strecken an einem Ort («Huis clos») spielend: dem Bettlager des verunfallten Schriftstellers, der erst behutsam von seiner Retterin gepflegt wird. Die Ausübung von Macht, die Gewalt der Wunschvorstellungen schlagen schreckliche Kapriolen und Haken, übertreffen die physisch ausgeübte Gewalt um Längen.

T. C. Boyle: EIN FREUND DER ERDE
Das Paradebeispiel einer schauerlichen heutigen Negativutopie. Der Treibhauseffekt hat 2025 voll zugeschlagen, andere Schreckensvisionen, die sich auch längst schon abzeichnen, üben ebenso prägenden Einfluss auf die Welt aus. Im Zentrum der 2000 verfassten Horrorvision steht ein frustrierter Senior und früherer militanter Ökoaktivist, der im Auftrag eines Popstars beginnt, Tiere gleichsam für eine künftige Erde zu sammeln und zu hegen. Ein pessimistischer Noah der Gegenwart.

Joyce Carol Oates: ZOMBIE
Klar, es gibt eine Unzahl von Zombiebüchern und -filmen. Das vielleicht geschickteste, mit dem faszinierendsten Psychogramm einer Hauptperson aufwartende Buch stammt jedoch von der amerikanischen Vielschreiberin aus der Mitte der 90er-Jahre des letzten Jahrhunderts. Ihr Hausmeister eines Studentenwohnheims möchte sich eine eigene Zombiefigur erschaffen. Der Frankenstein im Heute arbeitet geschickt auch Fragen der allmächtigen Wissenschaft oder der Sexualität, ohne zu theoretisieren, auf. Aber natürlich könnte auch das grosse Vorbild, Mary Shelleys «Frankenstein», mit eindeutigerer Ausrichtung auf die Psyche von Meister und Geschöpf zu den Horror-Top-Hits zählen.
Die Bücher und in der Regel weitere Werke der Schriftsteller sind bei ExLibris.ch bestellbar.
UND IHR LITERARISCHER SCHRECKEN?
Natürlich ist obige Auswahl subjektiv. Verraten Sie uns in einem Kommentar Ihr liebstes Horrorbuch, und warum es diesen speziellen Platz einnimmt. Vielen Dank!

Autor: Reto Meisser