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27. Februar 2012

«Die Anforderungen sind hoch»

Fünf Fragen an Markus Wolf (39), Leiter Jugend + Sport beim Bundesamt für Sport (Baspo) in Magglingen BE.

Markus Wolf, Leiter Jugend + Sport beim Bundesamt für Sport (Baspo) in Magglingen BE.
Markus Wolf, Leiter Jugend + Sport beim Bundesamt für Sport (Baspo) in Magglingen BE.

1. Markus Wolf, nur noch zehn von 110 Schulen in der Stadt Zürich führen ein Skilager durch, weil sowohl Leiter wie auch Teilnehmer fehlen. Ist das ein gesamtschweizerischer Trend?

Bereits seit Längerem haben wir in der ganzen Schweiz einen rückläufigen Trend bei den Schneesportlagern. Gründe sind der Geburtenrückgang und die demografische Entwicklung: Bei vielen Menschen mit Migrationshintergrund hat der Schneesport keine Tradition. Dazu kommen die grössere Vielfalt an weiteren Schullagerangeboten wie etwa Unihockey- oder Inlineskatelager und die hohen Anforderungen an die Lagerleitung. Die Ansprüche an Qualität und Sicherheit in Schneesportlagern sind hoch. Ein Lager durchzuführen erfordert von Lehrern ein hohes Engagement und die Bereitschaft, viel Verantwortung zu übernehmen.

2. Welchen Sinn machen Skilager in der heutigen Zeit noch?

Schneesportlager haben einen hohen erzieherischen und sozialen Wert, die Kinder treiben Sport und erfreuen sich am Gemeinschaftserlebnis.

3. Hat denn der Schneesport in den letzten Jahren nicht generell etwas an Bedeutung verloren?

Im Gegenteil. 57 Prozent, also mehr als die Hälfte aller Sport treibenden Kinder zwischen zehn und 14 Jahren, übt eine Schneesportart aus: Skifahren, Snowboarden oder Langlauf. Skifahren gilt dabei als die Einstiegssportart und steht an erster Stelle bei Jugendlichen und Kindern. Es zählt zu den Top fünf der ausgeübten Sportarten in der Schweiz.

4. Trotzdem sind Winterlager rückläufig. Müsste man stattdessen mehr Sommerlager wie Inline-Skate- oder Wii-Camps anbieten?

Es gibt bereits die Tendenz, mehr Sommersportlager anzubieten. Sowohl Sommer- wie Wintersportlager haben ihre Berechtigung — Hauptsache, die Kinder treiben Sport. Insofern sind Wii-Camps, in denen Fitness-Computerspiele gespielt werden, für uns sicher kein Thema. Das Angebot hängt aber letztlich von den Schulen und den Lehrern ab. Wir bieten keine Lager an, fördern und unterstützen sie aber mit Beiträgen und über die Ausbildung von Leitern.

5. Hat die oft parallel zu den Skiferien stattfindende Fasnacht einen Einfluss auf den Skilagerbesuch?

Die Fasnacht gibt es viel länger als den rückläufigen Trend bei Schneesportlagern. Wenn schon, dann umgekehrt: Es gibt Eltern, die gehen in die Skiferien, gerade weil Fasnacht ist.

Eine Tradition verschwindet: Immer weniger Schweizer Schulen fühern ein Skilager durch (www.20minuten.ch, vom 16.2.2012).
Eine Tradition verschwindet: Immer weniger Schweizer Schulen fühern ein Skilager durch (www.20minuten.ch, vom 16.2.2012).

Hier finden Sie den ganzen «20 Minuten»-Artikel zum Thema.

Autor: Thomas Vogel