Archiv
25. November 2013

Ein Leben auf Nadeln

Jedes Jahr erkranken rund 200 Kinder an Diabetes. Sie können nur mit viel Disziplin ein normales Leben führen.

Ein Kind, das sich mit einer Spritze Insulin in den Oberschenkel spritzt
Immer mehr Kinder leiden an Diabetes und müssen sich Insulin spritzen. (Bild: © UIG Images)

Diabetes ist eine lebenslange Aufgabe, die den Betroffenen grösste Disziplin abverlangt. Immer häufiger müssen auch die Jüngsten damit leben lernen: Rund 3000 Kinder sind aktuell in der Schweiz von Diabetes Typ 1 betroffen, jedes Jahr kommen etwa 200 neu erkrankte hinzu. «Am stärksten ist die Zunahme bei den 0- bis 4-Jährigen», sagt Udo Meinhardt (45), Leiter der Diabetes-Sprechstunde für Kinder und Jugendliche am Pädiatrisch-Endokrinologischen Zentrum Zürich.

Betroffene müssen ihre Nahrungsaufnahme ständig genau überwachen und dem Körper laufend exakt die richtige Menge Insulin zuführen. «Das ist ein lebenslanges Kreuz, das man zu tragen lernen muss», sagt Udo Meinhardt. Die gute Nachricht: Hat man sich an das strenge Regime gewöhnt, sind Betroffene in ihrer Lebensqualität kaum eingeschränkt und können ein normales Leben führen (siehe dazu auch www.swissdiabeteskids.ch ). «Dank dem enormen medizinischen Fortschritt der vergangenen Jahre hat man auch die bei Diabetes bekannte langfristige Schädigung von Augen, Nieren und Gefässen zum grössten Teil im Griff», sagt Udo Meinhardt. Die schlechte Nachricht: Diabetes Typ 1 ist unheilbar. Es handelt sich dabei um eine Autoimmunerkrankung, bei der das eigene Immunsystem jene Zellen in der Bauchspeicheldrüse zerstört, die das lebenswichtige Insulin erzeugen. Die Auslöser sind laut Udo Meinhardt zu rund 70 Prozent bei Umwelt- und zu 30 Prozent bei genetischen Faktoren zu suchen. Beeinflussen lassen sich diese Risikofaktoren aber nicht.

Im Unterschied zum Altersdiabetes Typ 2 hat Typ 1 nichts mit Bewegungsmangel oder falscher Ernährung zu tun. «Es ist einfach nur Pech, wenn man die Krankheit bekommt», sagt Udo Meinhardt. Das ist wichtig zu wissen, denn immer noch existiert das Vorurteil, von Diabetes Betroffene hätten aufgrund ihres Lebensstils Mitschuld an der Erkrankung.

Autor: Daniel Schifferle