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05. Oktober 2015

Der Zinsschock ist ausgeblieben

Das Gespenst der Immobilienblase ist aus den Medien verschwunden. Waren die damaligen Warnungen übertrieben?

Grafik Kassensturz Immobilienblase
Mit dieser Grafik warnte der «Kassensturz» im März 2012 vor einer Immobilienblase.

Tatsächlich wird die Diskussion über den Immobilienmarkt heute wieder sachlicher geführt. Insbesondere die damaligen Schreckensszenarien mit abruptem Zinssprung haben sich als falsch erwiesen.

Die Sendung «Kassensturz» zum Beispiel brachte im März 2012 einen Beitrag mit dem Titel «Wenn die Immobilienblase platzt» und zeigte die obenstehende Grafik. Darin wurde vorgerechnet, dass die monatliche Belastung für eine Hypothek von 800'000 Franken von gegenwärtig 1000 auf bis zu 5333 Franken hochschnellen könnte, wenn der Zins von 1,5 auf 8 Prozent kletterte. «Viele müssten dann ihr Haus verkaufen», urteilte der «Kassensturz».

In Wirklichkeit sind die Zinsen nicht gestiegen, sondern weiter gesunken. Kommt hinzu, dass viele Wohneigentümer langfristige Hypotheken erworben haben, um sich gegen höhere Zinsen abzusichern. Aktuell können Sie den Zinssatz von 1,5 Prozent für acht Jahre fix anbinden. Am Beispiel des «Kassensturz» mit einer Hypothek von 800'000 Franken heisst das: Dank der günstigen Zinsen sparen Sie als Wohneigentümer im Vergleich zur Miete eines vergleichbaren Objekts während dieser acht Jahre insgesamt 42'700 Franken (die Berechnung finden Sie auf Blog.migrosbank.ch ).


Immobilienmarkt bleibt stabil

Zusätzlich besteht die Pflicht, die Hypothek jedes Jahr um einen bestimmten Betrag abzuzahlen. Im Beispiel erreicht die Amortisation über acht Jahre 69'300 Franken. Wenn die Hypothek nach dieser Periode ausläuft, können Sie die Belehnung des Hauses um die beiden Beträge (42'700 Franken plus 69'300 Franken) reduzieren, also von 800'000 auf 688'000 Franken. Ihre Anfälligkeit gegenüber einem Zinsanstieg nimmt somit von Jahr zu Jahr ab.

War das Szenario eines Zinsschocks schon vor drei Jahren sehr gewagt, so gilt dies heute erst recht: Die Rendite der Schweizer Staatsobligationen mit 30-jähriger Laufzeit liegt derzeit bei gerade mal 0,5 Prozent. Trotzdem rechnen die Banken nach wie vor mit einem kalkulatorischen Zinssatz zwischen 4,5 und 5 Prozent, um abzuschätzen, ob die gewährte Hypothek für den Hauskäufer tragbar ist.

Diese hohe Finanzierungshürde zeigt: Der Schweizer Immobilienmarkt bleibt auch dann stabil, wenn die Zinsen irgendwann doch wieder steigen.