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17. März 2014

Der Teilzeitmann kommt

Grosser Zuwachs: Die Zahl der Teilzeit arbeitenden Männer ist in der Schweiz im vergangenen Jahr um 23 000 Personen gestiegen.

Tätowierter Mann beim Armdrücken mit seiner kleinen Tochter.
Mehr Zeit für die Kinder: Männer reduzieren ihr Arbeitspensum zugunsten des Familienlebens (Bild: Keystone).

Ende 2013 arbeiteten in der Schweiz 14,7 Prozent der Männer in einem Teilzeitjob, ein Jahr zuvor waren es erst 13,8 Prozent. «Das ist ein Zuwachs um rund 23 000 Personen», freut sich Jürg Wiler (53), Leiter der Kampagne «Der Teilzeitmann» Schweiz. Zum Vergleich: 1992 arbeiteten hierzulande erst 4,5 Prozent der Männer in einem Pensum unter 90 Prozent. Der aktuelle Zuwachs ist der höchste seit 2010. «Das zeigt, dass unsere Bemühungen wirken», sagt Jürg Wiler.

Seit November 2012 sind er und sein Team bei Unternehmen, Verwaltungen, Verbänden und Hochschulen mit der Wanderkampagne «Der Teilzeitmann» auf Tour. Die Kampagne ermutigt Männer, die Chance auf ein Teilzeitpensum zu ergreifen, baut Ängste und Vorurteile gegenüber Teilzeitpensen ab, die bei Männern nach wie vor verbreitet sind. Ein Umdenken kommt offenbar in Gang, wie die aktuelle Zunahme der Teilzeitarbeit belegt. «Eine Rolle spielt dabei auch der technische Fortschritt mit mobilen Endgeräten und drahtloser Vernetzung. Viele Arbeiten erfordern keine Präsenz am Arbeitsplatz mehr», sagt Jürg Wiler. «Eine weitere Tendenz: Immer mehr Männer möchten mehr Verantwortung in der Familie übernehmen, während andererseits Frauen nach der Mutterschaftspause zurück in den Beruf wollen.»

«Der Teilzeitmann» liefert unter teilzeitmann.ch nützliche Infos und betreibt unter teilzeitkarriere.ch das grösste Portal für Teilzeitjobs. Die Ziele sind ambitiös: Bis 2020 sollen in der Schweiz 20 Prozent der Männer Teilzeit arbeiten. «Das bedingt, dass bis dahin jedes Jahr 25 000 Teilzeit arbeitende Männer hinzukommen. Nach dem aktuellen Zuwachs, der nahe dieser Marke liegt, ist das realistisch», ist Jürg Wiler überzeugt.

Autor: Daniel Schifferle