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20. August 2012

«Der präventive Effekt ist gross»

Sachbeschädigungen an Schulhäusern nehmen ab, wenn sie videoüberwacht werden. Deshalb rüsten Schweizer Schulen auf. Die Stadt Zürich etwa stattet zwölf weitere Anlagen mit Kameras aus. Marc Huber erklärt, weshalb dies trotzdem nicht zur totalen Überwachung der Jugendlichen führt.

Marc Huber
Marc Huber (38) ist Mediensprecher Immobilien-
Bewirtschaftung bei der Stadt 
Zürich. (Bild: zVg.)

1. Marc Huber, weshalb braucht es bei Schulhäusern Videoüberwachung?

Wegen Vandalismus haben wir in Schulen jährlich mehrere Hunderttausend Franken Sachschaden. Wir wollen die Areale aber nicht einfach abriegeln, sondern auch ausserhalb der Schulzeiten offen lassen. Denn Schulanlagen haben oft eine Zentrumsfunktion und sind wichtige Treffpunkte in den Quartieren.

2. Gibt es denn keine Alternativen, um Vandalismus zu verhindern?

Die Kameras sind eine Ergänzung der bestehenden Massnahmen: Auf Schulanlagen patrouillieren zu Randzeiten auch Sozialarbeiter und private Sicherheitsequipen. Der präventive Effekt der Videoüberwachung ist gross, wie die Erfahrung in kleineren Gemeinden zeigt, die ihre Schulhäuser seit Längerem überwachen. Zürich hat eine enorme Dichte an Schulanlagen. Noch wissen wir nicht, ob sich die Sachschäden einfach auf benachbarte Schulen verlagern und deshalb ein flächendeckender Kameraeinsatz notwendig wird. Eine seriöse Bilanz können wir erst nächstes Jahr ziehen.

3. Warum sind Schulanlagen besonders attraktiv für Vandalenakte?

Auf Schulanlagen haben wir deutlich mehr Sachschaden als bei anderen öffentlichen Bauten. Motive gibt es viele. Aber bei jugendlichen Tätern spielt sicher eine Rolle, dass sie zunächst im vertrauten Umfeld aktiv werden. Gerade Graffiti sollen gesehen werden, das bringt Anerkennung im Kollegenkreis.

4. Wird die Stadt Zürich mit ihrer Aufrüstung bei der Videoüberwachung zum Vorbild für die übrige Deutschschweiz?

Zürich hat eine gewisse Vorreiterrolle bei der Bewirtschaftung öffentlicher Bauten. Videoüberwachung von Schulanlagen gibt es zwar schon in einigen Schweizer Gemeinden, allerdings nicht in den Grossstädten. Es ist gut möglich, dass sich andere Städte für unser Konzept interessieren. Der fachliche Austausch wird bestimmt stattfinden.

5. An immer weniger Orten sind Jugendliche unbeobachtet. Besteht nicht die Gefahr, die totale Überwachungsgesellschaft zu etablieren?

Nein, denn das wäre nur bei einer allgegenwärtigen Überwachung zu dubiosen Zwecken der Fall. Unser Kameraeinsatz hingegen ist verhältnismässig und transparent: Der Zürcher Stadtrat hat unsere Handlungsgrundlagen bewilligt, jeder kann dieses Reglement online einsehen. Die Kameras sind nur auf die Fassaden gerichtet und laufen lediglich ausserhalb der Schulzeiten. Und die Aufnahmen werden ausschliesslich bei zivil- und strafrechtlichen Untersuchungen angeschaut, ansonsten nach einer Woche automatisch gelöscht.

Die Quelle

Vandalismus an Schulhäusern: Bis Ende Jahr rüstet die Stadt Zürich zwölf weitere Schulanlagen mit Überwachungskameras aus  («Blick am Abend» vom 8. August).
Vandalismus an Schulhäusern: Bis Ende Jahr rüstet die Stadt Zürich zwölf weitere Schulanlagen mit Überwachungskameras aus («Blick am Abend» vom 8. August).

Den ganzen «Blick»-Beitrag, der Anstoss zu den Fragen lieferte, lesen Sie hier

Autor: Claudia Langenegger