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27. Mai 2013

Umstrittene Schweizerdeutsch-Quote

Der Anteil fremdsprachiger Schulkinder ist in einzelnen Basler Quartieren sehr hoch. Deshalb wird in der Stadt eine Schweizerdeutsch- Quote für Kindergärten und Schulen diskutiert. Doch die Idee ist umstritten.

Kinder im Schulunterricht
Das Problem ist nicht neu: In Quartieren mit einem hohen Anteil an fremdsprachigen Kindern leidet die Qualität des Schulunterrichts. (Keystone/Georgios Kefalas)

Mit dem Antrag der baselstädtischen SP ist ein Problem in den Fokus gerückt, das schon seit Längerem existiert: In Ballungszentren wie Basel oder Zürich gibt es Schulklassen mit so vielen fremdsprachigen Kindern, dass der Unterricht darunter leidet. «Das ist nicht neu», sagt Beat W. Zemp (58) Präsident des Schweizer Lehrerinnen- und Lehrerverbands. «Aber weil in Basel wegen der Schulharmonisierung neue Primarschulkreise gebildet werden müssen, ist die Quotendiskussion wieder aktuell geworden.» Er ist überzeugt, dass die jetzige Situation aus den Fehlern der sozialen Raumplanung der 80er-Jahre resultieren. Zwar sind schweizweit weniger als ein Drittel der Kinder fremdsprachig, doch die meisten leben in schlecht durchmischten Quartieren der grossen Städte.

Der Vorschlag, eine fixe Klassenquote einzuführen (mindestens 30 Prozent deutschsprachige Kinder und höchstens 30 Prozent pro andere Sprache), wäre laut Zemp zwar wünschenswert, aber nicht umsetzbar: «Man müsste die Kinder dafür zum Teil in weit entfernte Schulhäuser bringen. Das ist ökologischer Unsinn, zudem gäbe es zu viele Rekurse der betroffenen Eltern.» Doch welche Lösungsansätze gibt es sonst?

«Es ist hilfreich, wenn alle Kinder zwei Jahre den Kindergarten besuchen, wo sie möglichst früh Deutsch lernen. Vor allem aber müssen städtebauliche Massnahmen ergriffen werden, um die Quartiere besser zu durchmischen. Auch Tagesschulen erleichtern die Integration», sagt Beat W. Zemp. Ebenfalls interessant sei der Ansatz des Kantons Zürich: Hier werden den Schulen mit einem hohen Anteil an fremdsprachigen Kinder zusätzliche finanzielle Mittel zur Verfügung gestellt. Damit können insbesondere die Deutschkenntnisse gefördert werden, um die Integration in die Regelklassen zu verbessern.

Autor: Andrea Fischer Schulthess