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10. Oktober 2016

Der Mann hinter «Rosis Wirbelwind»

Der Kulturinitiator Gerold Huber (59) über sein Flair für rollendes Theater, Bewilligungsärger und die Namensgeberin seines neuesten Projekts.

Kulturinitiator Gerold Huber
Entfacht gerne kulturelle Feuer: Rosis «Vater» Gerold Huber.

Gerold Huber, sind Sie ein begeisterter Camper?

(lacht) Überhaupt nicht. Gereist bin ich immer viel, aber nie im Wohnwagen.

Woher also kommt Ihr Faible für Wohnwagen?

Es ist vor allem eine Leidenschaft für Wagentheater. Ich machte schon in der Pfadi Strassenvarieté: auf Heu- und Lastwagen. Als Lehrer lancierte ich dann mit meiner Klasse ein Lastwagen­theater. Mich fasziniert die Idee, dass Kultur zu den Leuten geht.

Sie selbst sind dann später für einige Zeit zum Zirkus gegangen?

Ja, allerdings nicht als Artist, sondern als Zirkuslehrer – das war eine grossartige Zeit. Damals stellte ich eine einzige Bedingung an den Circus Knie: Ich komme, sofern ich in meinem eigenen Zirkuswagen wohnen darf. Den Wagen hatte ich 1984 dem Zirkus Fliegenpilz abgekauft und selbst renoviert.

Und wie sind Sie vom eigenen Zirkuswagen ausgerechnet auf die DDR-Wohnwagen gekommen?

Für mein letztes Theaterprojekt, die «Märlikarawane», suchte ich nach rollenden Hotelzimmern – und wurde in Deutschland fündig. Damit tourten wir unter dem Patronat von Trudi Gerster in den Sommern 2009 bis 2011 durch die Ostschweiz. Im grossen Zirkuswagen gab es Märchen für Kinder und Erwach­sene, die Wohnwägeli aus der DDR vermieteten wir für Übernachtungsgäste. Ihre Wagenform erinnert an ein Ei – das passte perfekt, weil wir auf jener Tournee täglich ein goldenes Ei versteigerten.

Inwiefern ist «Rosis Wirbelwind» das Nachfolgeprojekt der «Märlikarawane»?

Es ist wiederum ein rollendes Theater, aber sehr viel kleiner. Mehr als sechs Leute pro Wagen können nicht zuschauen – somit findet hier Theater in einer familiären Atmosphäre statt. Echt, unmittelbar, sinnlich, ohne Technik oder Schnickschnack.

War es schwierig, dafür Kunstschaffende zu finden?

Im Gegenteil. Die Aussicht, in einem so intimen Rahmen auf­zutreten, stiess bei den rund 20 Akteuren aus der Ostschweiz sofort auf Anklang. Deutlich anspruchsvoller gestaltete sich das Einholen der nötigen Bewilligungen an den Aufführungsorten.

Und wie anspruchsvoll ist «Rosis Wirbelwind» für das Publikum, oder anders gefragt: Was sollte es mitbringen?

Lust auf einen stimmungsvollen Abend und Offenheit, sich auf ein neues Kulturerlebnis einzulassen. Denn die Zuschauer sind Teil des Geschehens und werden manchmal selbst zu Akteuren. Da die Künstlerinnen und Künstler ständig wechseln, gibt es kein fixes Programm. Am besten lässt man sich überraschen, was in den vier Einheiten à 20 Minuten geboten wird an Erzählkunst, Kabarett, Musik oder Zauberei. «Rosis Wirbelwind» ist wie eine Wundertüte.

Warum heisst der Wirbelwind ausgerechnet Rosi?

Meine erwachsene Tochter Rosita ist die Namensgeberin. Für sie hatte ich einst die Internetdomain Rosita reserviert. Als sie keinen Bedarf hatte, übernahm ich den Internetauftritt. Unter «Rosita» vermiete ich die Wohnwagen für ­romantische Ausfahrten um den Bodensee, Fotoshootings oder Hochzeitsfeste. «Rosis Wirbelwind» ist quasi die quirlige Schwester.

Weitere Infos: www.rosita.ch

Autor: Franziska Hidber

Fotograf: Stephan Bösch