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14. September 2015

Der Islam in der Schweiz

Steht er für Überfremdung, Terror, oder eher dafür, dass Gläubige pauschal dämonisiert werden? Für das Dossier porträtierte das Migros-Magazin Muslime wie SP-Nationalrätin Ylfete Fanaj, besuchte eine Schulklasse und hinterfragte Vorurteile.

SP-Kantonsrätin Ylfete Fanaj
Die SP-Kantonsrätin Ylfete Fanaj hat Wurzeln im Kosovo. Ihr Kurzporträt lesen Sie neben jenen von Ex-Mister-Schweiz und Arzt Adel Abdel-Latif sowie Konvertitin und Buchautorin Esther Fouzi unter «Schweizer Muslime im Porträt».

Die Zahlen und Fakten: Wissenswertes zum Islam in der Schweiz (Infografik).

Schweizer Muslime im Porträt: Kantonsrätin, Ex-Mister-Schweiz, Konvertitin.

Die Schul-Reportage: Jugendliche setzen sich mit Vorurteilen auseinander.

Ethnologe Thomas Hüsken: Im Interview zu Problemen und Lösungsansätzen.

Ängste oder Vorurteile: Vier Kenner antworten auf zehn Thesen.

Die Sicht des Karikaturisten: Was Kurt Westergaard erlebte.

Islam-Dossier
Islam-Dossier


EDITORIAL

Offen bleiben

«Müssen wir Angst vor dem Islam haben?» wurde letzte Woche die deutsche Bundeskanzlerin Angela Merkel von einer besorgten Bürgerin gefragt. Die Frage hätte genauso gut einem unserer Bundesräte gelten können. Die Verunsicherung in der Bevölkerung angesichts der steigenden Immigrationszahlen in der Schweiz, was denn mit «unseren Schweizer Werten» und «unserer Religion» passiere, ist gross. Jedes Kopftuch eine Provokation, jedes dunkle Gesicht hinter dichtem Bart ein Terrorist?

Natürlich gibt es drängende Fragen, die sich stellen. Etwa, wie unser Land eine Immigration von einem Prozent pro Jahr längerfristig verkraften kann. In gewissen Köpfen aber reagiert heute das geistige Fegefeuer. Jeder Schweizer müsse zu Hause 1000 Schuss Munition verstecken, las ich letzte Woche auf einem Facebook-Post eines mit Schweizer Flagge bekränzten Mitbürgers. Damit wir dann «den Krieg mit diesen Islamisten führen könnten», die sich unter den Flüchtlingen verstecken. Andere wollen gleich die Armee an die Grenze stellen. Und was dann? Auf die Flüchtlinge schiessen?

Was bleibt in dieser überhitzten Atmosphäre? Aufklärung. Reden miteinander. In Kontakt bringen. Neue Welten kennenlernen. Menschen die Chance geben, uns ihr Denken, ihre Kultur, ihren Alltag näherzubringen.
Aus diesem Gedanken heraus hat die Redaktion in den letzten Wochen ein Dossier zum Thema Islam erstellt. Um Schranken abzubauen, Verständnis für das Anderssein zu wecken. Aber auch zu sondieren, ob es berechtigte
Sorgen gibt. Denn nur wer den anderen kennt, kann ihn auch wirklich akzeptieren.

Ach ja: Angela Merkel hat auf die betreffende Frage souverän reagiert. Sinngemäss meinte sie: Vielleicht sei es an der Zeit, sich auch wieder mal mit den eigenen christlichen Wurzeln, der eigenen Identität zu befassen. Wer nicht mal wisse, was Pfingsten eigentlich sei, dürfe nicht scheel auf Menschen schauen, die den Koran ernst nehmen.

Hans Schneeberger, Chefredaktor