Archiv
24. September 2012

Der Hybrid für die Familie

Testfamilie Eggimann aus Summaprada GR erwartet von einem Auto viel Platz und einen geringen Benzinverbrauch. Wie gut meistert der siebensitzige Toyota Prius+ Wagon als erster Hybridvan diese Aufgabe?

Erika, Andrin und Lia Eggiman auf einem Ausflug mit dem Prius+ Wagon
Wanderlust im Bündnerland (von links): Roger, Enia, Erika, Andrin und Lia Eggimann aus Summaprada GR auf einem Ausflug mit dem Toyota Prius+ Wagon am Heinzenberg 
oberhalb Thusis.

Hybrid zu sechst? Das geht erst, seit Toyota als vierten Hybriden der Palette jüngst den Kompaktvan Prius+ Wagon lanciert hat. Er stempelt die sechsköpfige Leserfamilie Eggimann aus Summaprada GR zur idealen Testcrew. «Für uns ist beim Auto Platz wichtig, aber auch der Verbrauch: Wir denken an die kommenden Generationen», erläutert Roger Eggimann (42). Optisch gefällt der Hybridvan. «Sehr elegant», betont Erika Eggimann (39), «vor allem aber bietet er tatsächlich sieben Personen viel Platz. Und das riesige Glasdach lässt ihn innen noch grosszügiger wirken. Nur in der dritten Reihe ist es enger und bei sieben Sitzen wird der Laderaum knapp. Aber die Variabilität stimmt, und er bleibt selbst für enge Parkhäuser noch kompakt genug.»

Lia ist fasziniert vom lichtdurchfluteten Innenraum
Highlight 
Panoramaglasdach: Lia ist fasziniert vom lichtdurchfluteten Innenraum.

Unterwegs bleibt der Benzin-Elektro-Hybridantrieb mit 136 PS angenehm unauffällig. Bei Vollgas heult der Motor durch den stufenlosen Automaten schon mal auf, sonst ist der Prius+ stets leise und meistert, wie Roger Eggimann nach 750 Testkilometern staunt, «selbst Passstrassen problemlos». Der Clou, wie bei allen Vollhybriden: Im «EV»-Modus summt man kurze Strecken rein elektrisch, etwa durch die Tempo-30-Zone. «Überrascht bin ich von den perfekten Wechseln zwischen den Antriebsmodi und der tadellosen Leistung», sagt der Leitstellenmitarbeiter, «aber leider auch vom Verbrauch: Wir liegen bei 5,1 Liter im Schnitt, also einen Liter über dem Normwert. Da hatte ich mir doch noch weniger versprochen.»

Alle Versprechen erfüllt das Fahrgefühl. «Der Prius+ Wagon fährt sich souverän in Kurven, ist aber vor allem selbst auf holperigen Strassen sehr komfortabel», sagt Erika Eggimann. «Doch im übersichtlichen und qualitativ sehr guten Cockpit stört mich die klobige Mittelkonsole, unter der der Hybridakku sitzt – daran stösst man sich beim Parkieren den Ellbogen», sagt die Pharmaassistentin. Für Laurin (8) und Lia (6) ist das Display in der Mittelkonsole das Highlight: Es zeigt etwa den Status des Hybridsystems oder das Bild der Rückfahrkamera. Andrin (3) und Enia (3) hätten sich in der dritten Reihe etwas grössere Fenster gewünscht.

Ist der Toyota Prius+ Wagon also das ideale Auto für die Bündner Familie Eggimann, die ihre 30 000 Kilometer im Jahr sonst in einem Citroën C8 und einem VW Golf zurücklegen? «Leider nein», sagt Roger Eggimann. «Zwar überzeugt er, weil er absolut alltagsgerecht ist – ein Familienhybrid für jedermann. Aber die Technik macht ihn schlicht zu teuer.»

Der Prius+ Wagon hält den Richtwert ein
Der Prius+ Wagon hält den Richtwert für 2012 mit Abstand ein.

DER CO2-VERBRAUCH

Im Jahr 2015 sollen die Neuwagen in der Schweiz im Schnitt nur noch 130 g/km ausstossen.
Geht man von einer kontinuierlichen Senkung des letzten Wertes (2011: 155 g/km) aus, bedeutet das für 2012 einen Richtwert von 149 g/km.

Der Testwagen liegt mit 96 g/km deutlich tiefer.

Infos zum Bewertungssystem für den CO2-Verbrauch

NEUES CO2-EMISSIONSGESETZ

Bis 2020 sollen die Schweizer CO2-Emissionen gegenüber 1990 um 20 Prozent sinken. Per 1. Mai 2012 gilt in der Schweiz deshalb das revidierte CO2-Gesetz für neue Personenwagen. Angewendet wird es für alle neuen PW, die ab dem 1. Juli 2012 erstmals hierzulande immatrikuliert werden. Im Jahr 2015 dürfen die neuen Personenwagen im Schnitt maximal 130 g/km an CO2 ausstossen, was einem Norm-Gesamtverbrauch von etwa 4,9 Liter Diesel bzw. rund 5,6 Liter Benzin pro 100 Kilometer für Benziner entspricht. Für Gasantriebe gelten gesonderte Bestimmungen.

ÜBERSCHREITUNG SANKTIONIERT

Der Wert von 130 g/km CO2 wird stufenweise eingeführt. Im Jahr 2012 müssen ihn 65 Prozent der Neuwagen, 2013 dann 75 Prozent und im Jahr darauf 80 Prozent der neuen Personenwagen erfüllen. Erreicht ein Importeur den spezifisch für ihn anhand Zielwert und Gewicht errechneten Schnitt nicht, wird die Sanktionsabgabe fällig, zum Beispiel 142,5 Franken pro Gramm ab dem vierten Gramm (1 bis 3 Gramm sind vergünstigt).

BEWERTUNG IM MIGROS-MAGAZIN

Die Bewertungsgrafik im Migros-Magazin geht zwecks anschaulicherer Einstufung der Fahrzeuge von einer kontinuierlichen Senkung aus. Die Grundlage dafür ist der letzte ermittelte CO2-Durchschnitt aller Neuwagen: 155 Gramm pro Kilometer im Jahr 2011. Sinkt der CO2-Ausstoss bis zum angestrebten Ziel von 150 Gramm pro Kilometer im Jahr 2015 kontinuierlich, ergeben sich daraus unsere Zielwerte – wie etwa 149 Gramm pro Kilometer für 2012. Anhand dieses Wertes werden die von uns vorgestellten Autos im Migros-Magazin beurteilt.

Autor: Timothy Pfannkuchen

Fotograf: Oliver Lang