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22. Mai 2017

Der heilige Francesco

AS Roma-Wimpel
Wer darf über den Roma-Star Francesco Totti Witze reissen? Auf jeden Fall Totti selbst. Und der Bänz Friedli?

Die 72 000 Karten waren im Nu weg, das Stadion binnen einer Stunde ausverkauft. Und wir reden hier nicht von einem Konzert von Beyoncé, sondern von einem Fussball­spiel in Rom: dem letzten, das Francesco Totti bestreiten wird, am 28. Mai gegen Genoa CFC. Der «Capitano», bald 41-jährig, tritt zurück. Nie hat er den Verein gewechselt, 25 Jahre lang blieb er der AS Roma treu, mit ihr wurde er einmal Meister und zweimal Cupsieger. Totti ist der beste Kumpel einer ganzen Stadt. Ein Typ, wie es ihn im heutigen Fussball­business, das immer mehr Business und ­immer weniger Fussball ist, nicht mehr gibt... 

Über keinen kursieren so viele Witze wie über ihn. Zum Beispiel: «Tottis Bibliothek abgebrannt! Beide Bücher wurden zerstört. Totti todtraurig: ‹Das zweite hatte ich noch gar nicht fertig ausgemalt.›» Oder der: «Totti setzt ein Puzzle zusammen. Nach vier Monaten hat er es endlich geschafft. Er dreht die Schachtel um, und hintendrauf steht: ‹2 bis 3 Jahre›. – ‹Cazzo! Dann bin ich ja ein Genie …!›» Stets sind die Witze im Römer Dialekt gehalten, immer ist es Humor der gröberen Sorte, immer darauf anspielend, Totti sei nicht der Hellste. Drei Witzbücher sind bisher erschienen. Und der Clou: Totti hat sie selber herausgegeben.

Bänz Friedli
Bänz Friedli (52) erzählt einen Witz. (Bild: Vera Hartmann)

«Dölf Ogi sitzt verzweifelt vor einem Kreuzworträtsel: ‹Bundesrat mit drei Buchstaben›? Will ihm nicht einfallen … Da, plötzlich, die ­Erleuchtung! Ogi schreibt: ‹ICH›.» Über welche Bundesräte gibt es die meisten Witze? Über die beliebtesten, volksnahen: über Ogi, Willi Ritschard, «Rüedu» Minger. «1935 klopfte Bundespräsident Minger dem päpstlichen Nuntius zum Abschied auf die Schulter: ‹Et saluez-moi le pape, la papesse et toute la ­papeterie.›» Der wurde mir so oft erzählt, dass ich nicht mehr weiss, ob er wahr oder nur wahrscheinlich ist. Egal. Er zeigt, wie beliebt Minger war. So wie die Totti-Witze zeigen: In Rom ist der «Capitano» zu, Lebzeiten ein Heiliger.

Apropos heilig. Niklaus von Flüe ist heuer wegen seines 600. Geburtstags in aller Munde und wird vom strengen Churer Bischof genauso vereinnahmt wie von den Grünen, von Rechts-aussen-Politikern wie von linken Intellektuellen, von Europagegnern wie -befürwortern. Über diesen Von Flüe, der scheints 20 Jahre keine Nahrung zu sich nahm und dem in seiner Klause ein Stein als Kopfkissen diente, habe ich in Obwalden einen Witz aufgeschnappt: «Wie ist Bruder Klaus ums Leben gekommen? Bei einer Kissenschlacht.» Ehe Sie mir nun, vielleicht in Ihren religiösen Gefühlen verletzt, einen zornigen Leserbrief schreiben: Ist es nicht wunderbar, wie gern die Leute ihren Bruder Klaus haben?

Bänz Friedli live: 8. Juni Sarnen OW, «Seefeld»

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Website: www.baenzfriedli.ch

Autor: Bänz Friedli

Fotograf: Bänz Friedli