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04. August 2014

Der Gastgeber der Athleten

Die Schweizer Leichtathleten, die an der EM starten, übernachten im Hotel Mövenpick in Regensdorf. Direktor Norbert Fontana sorgt seit über 25 Jahren dafür, dass Sportler zu jeder Tages- und Nachtzeit verpflegt werden. Exklusiv für Migrosmagazin.ch kramt er in Erinnerungen (rechts): Was war mit Sepp Vögelis Krawatten, und weshalb kam die Fussball-Nationalmannschaft plötzlich nicht mehr?

Norbert Fontana, Direktor Hotel Mövenpick Regensdorf
Die Beherbergung der Stars der Leichathletik-EM ist für Norbert Fontana der «krönende Abschluss» seiner Zeit als Hoteldirektor.

Der legendäre Tour-de-Suisse-Direktor Sepp Vögeli, die Schweizer Fussballnati unter ihren Trainern Uli Stielike und Roy Hodgson oder Kugelstoss-Weltmeister Werner Günthör: Das Mövenpick in Regensdorf ZH beherbergt seit Jahren bekannte Grössen aus der Welt des Sports, seit ihr Direktor Norbert Fontana (65) vor über 20 Jahren einen Sponsorenvertrag mit der Schweizer Sporthilfe abschloss. Nun hat er während der Leichtathletik-EM für die Schweizer Sportler und deren Delegation erneut 100 Zimmer blockiert – unter anderem für den schnellsten Schweizer, Alex Wilson.

«Das ist für mich ein krönender Abschluss», sagt Norbert Fontana. Er, der als Junior Fussball spielte und später jahrelang Mitglied beim Grasshopper Business Club war, hat seit jeher eine Affinität zum Sport. Fontana spricht von Abschluss, weil der Thurgauer, der seit Oktober 1988 Hoteldirektor des Mövenpicks in Regensdorf ist, am 31. Juli 2014 den letzten offiziellen Arbeitstag seiner langen Karriere hatte.

Der Vater zweier Töchter startete seine Laufbahn mit einer Kochlehre im Landgasthof Zum Trauben in Weinfelden TG. Danach arbeitete er zwei Jahre auf Bermuda, kam als jüngster Küchenchef 1973 zu Mövenpick in die Schweiz zurück, sammelte Erfahrungen in Hongkong, bis ihn Gastropionier Ueli Prager fragte, ob er nicht das Mövenpick in der Furttaler Gemeinde verantworten wolle.

«Mir wurde abgeraten, weil ich bei diesem Job das Familienleben vergessen könne», erinnert sich der Hotelier. «Doch ich hatte immer das Gegenteil von dem gemacht, was die Leute sagten.» Tatsächlich hatte er als Hoteldirektor wenig Zeit für seine Familie, nur ein Mal pro Monat ein Wochenende frei. Seine Frau habe ihm jedoch zu jeder Zeit den Rücken freigehalten. Von Patriarch Prager nahm er die Strenge eines Patrons gegenüber Mitarbeitenden und sich selbst an: Fontana begann jeden Morgen um 7 Uhr mit seiner Arbeit.

Strenge Essvorschriften des Leichtathletikverbands

Der Ostschweizer blättert einen blauen Ordner des Vier-Sterne-Hotels durch. Darin ist klar geregelt, welche Speisen das Schweizer Teamhotel für die Buffets von Morgen bis am Abend bereitzustellen hat. Abends muss das Hotel mindestens ein Fleisch- und ein Fischgericht anbieten. Und: Die Menüs müssen bis 0.30 Uhr garantiert werden. Fontana respektive sein Küchenchef und der Food&Beverage-Manager sorgen dafür, dass die Mahlzeiten für die Sportler als Buffet im dritten Stock, dem Konferenzbereich, aufgetischt werden.

Der Hotelier liess sich nie von den strengen Vorgaben des Europäischen Leichtathletikverbands aus der Ruhe bringen. Zu lange schon war er im Geschäft und weiss, dass die Leichtathleten generell kohlenhydratreiche Mahlzeiten bevorzugen. Entscheidend sei die Technologie in der Küche mit Kombidämpfern. «Die Pasta wird vorgekocht und mit Dampf reguliert. So wird sie auf den Punkt zubereitet.»

Genauso wichtig war es ihm, die 180 Vollzeit- und Teilzeitangestellten im Umgang mit den Leichtathletikstars zu schulen. Es dürfe zum Beispiel nicht sein, dass Angestellte Sportler um ein Autogramm bitten. Auch für den Ernstfall ist das Hotel gerüstet: Die Kantonspolizei Zürich erstellte ein Sicherheitsdispositiv.

Norbert Fontana wird ebenfalls nach Zürich fahren, um die Wettkämpfe an zwei, drei Abenden zu verfolgen. «Das lasse ich mir nicht entgehen. Ich freue mich auf die schönen Finale», sagt er. Nach der EM wird der zweifache Grossvater mit seiner Familie ins Ferienhaus nach Schuls GR reisen, um mit ihnen den Start ins AHV-Alter zu feiern.

Autor: Reto Wild

Fotograf: Filipa Peixeiro