Archiv
29. April 2013

Der Garten ruft

Endlich Frühling! «Migros-Magazin»-Journalistin Almut Berger stürzt sich in den Garten. Um ihn in ein kleines Paradies zu verwandeln, braucht die Hobbygärtnerin in der neuen Garten-Rubrik «Bohne, Bluescht & Berger» aber Ihre Tricks und Ihr Wissen.

Almut Berger
Mit beiden Gummistiefeln auf dem Boden: Almut Berger liebt den naturnahen Nutzgarten. Was heuer in den Boden kommt, ist noch offen.

Es gibt diese perfekten Augenblicke im Leben von Hobbygärtnerin Almut Berger (45): Frühmorgens an einem schönen Sommertag, sie steht auf der Terrasse, eine Tasse Kaffee in der Hand, und lauscht dem Gezwitscher der Vögel. Bestaunt den geliebten Pfaffenhut und atmet den Duft von blühenden wilden Rosen ein. Mann und Kind schlafen noch. Es ist morgens um halb sieben, und die Welt ist noch in Ordnung.

Aber es gibt auch andere Momente: Wenn es Spätsommer ist und die zarten Pflänzchen vom Frühling zu undurchdringlichem Dickicht mutiert sind und sich der Garten gerade daran macht, das ganze Grundstück mitsamt Haus und Bewohnern zu verschlingen. Berger wächst dann alles über den Kopf, sie fühlt sich wie im Dschungel und würde am liebsten «Holt mich hier raus!» schreien. «Dann kommt mein Mann mit der Kettensäge», sagt sie lachend, «und macht Ordnung.»

Das Haus der Hobbygärtnerin
Das Haus der Hobbygärtnerin mit den Gemüsebeeten im Zürcher Oberland.

Noch ist es aber nicht so weit. Die Gartensaison hat erst grad begonnen. Almut Berger, Journalistin, Mutter des sechsjährigen Jakob und leidenschaftliche Laiengärtnerin, steht in Illnau ZH mitten in ihrem brachliegenden Gemüsebeet und sieht sich um. «Der Boden wäre bereit», sagt sie, «jetzt könnte ich säen und pflanzen.» Die Frage ist nur, was. Genau das will Berger dank ihrer neuen Online­Kolumne herausfinden. Unter dem Titel «Bohne, Bluescht und Berger» wirft sie ab heute gartentechnische Fragen in die virtuelle Runde und versucht gemeinsam mit den Usern, Antworten zu finden. Berger will Tipps entgegennehmen, über eigene Entdeckungen berichten und Diskussionen anzetteln. Und bei allgemeiner Ratlosigkeit auch mal Profis um Hilfe bitten.

Zucchetti gedeihen in rauen Mengen, die Radiesli streiken

Themen gibt es genug. Von den politisch korrekten Mischkulturen über den kindgerechten Garten bis zum Rasen, der einen nicht rasend macht, soll alles diskutiert werden, was dem Alltagsgärtner unter den erdverkrusteten Fingernägeln brennt. «Ich wünsche mir, dass wir Gartenfreunde uns als Laien gegenseitig zur Seite stehen», sagt Berger.

Für einen Laien hält sie sich auch noch nach 18 Jahren Gartenerfahrung. «Ich glaube, vieles zu wissen, das sich am Ende als komplett falsch entpuppt», sagt sie. Zum Beispiel, dass Kaffeesatz nebst den Menschen auch den Garten anregen soll. Getreu ihrem Motto «machen und staunen» probiert die Hobbygärtnerin vieles einfach aus, mit unterschiedlichem Erfolg: Zucchetti schenkt ihr der Garten «tonnenweise», Radiesli gar keine. Peterli auch nicht, aber den hat sie leichten Herzens aufgegeben, denn die ganze Familie mag ihn nicht. Das Maggikraut gedeiht dafür besser, als der Gärtnerin lieb ist, die Akelei ist ihr eine wachsende Freude.
Einen serbelnden Apfelbaum hat Berger jahrelang für ein paar schrumpelige Früchte gehätschelt, bis ihr Mann Reto (43) die Motorsäge zückte und Baum wie Frau vom Kampf erlöste. Im Gegenzug sind ihr schon Sämlein für schöne Gewächse vom Winde zugeweht worden, für einen prächtigen Sommerflieder etwa, oder den lang ersehnten Pfaffenhut.

Mit dem arbeiten, was die Natur hergibt.

Die Überraschungen haben Berger gelehrt: «Man sollte nichts erzwingen, sondern mit dem arbeiten, was die Natur hergibt.» Das Unplanbare gefällt der ansonsten organisierten Frau irgendwie — was sie nicht daran hindert, immer wieder von Neuem zu planen. Konzepte habe sie mehrere, sagt Berger, mit jedem neuen Gartenbuch ein neues. «Ich notiere mir dauernd irgendwelche Namen von Pflanzen», erklärt sie ihr Vorgehen, «nur finde ich die Zettel später nicht mehr.» So steht sie regelmässig im Gartencenter und fragt nach Dingen wie «so eine violette Blume mit langem Stängel».

Den perfekten Garten gibts nur in Büchern

Almut Bergers grösster Wunsch wäre ein Garten, der zu jeder Jahreszeit und bei jedem Wetter gut aussieht. «Aber das gibt es wohl nur in den Büchern», sagt sie leicht resigniert. Und sowieso, das normale, unprätentiöse Wühlen in der Erde entspreche ihr mehr. Inzwischen hat die Gärtnerin eine Ausrichtung gefunden, die sie mit «Tendenz Bauerngarten» umschreibt: Schön, funktional und nutzbar soll der Garten sein. Ausserdem biologisch und naturnah.
Tatsächlich haben sich Blindschleichen und Igel rund ums Haus angesiedelt, Libellen kreisen über dem Teich, Vögel nisten im Geäst. «Lebendiger Garten» lautet die Auszeichnung, die Berger von der Gemeinde Illnau-Effretikon bekommen hat. Daran erinnert sie sich immer dann, wenn sie wieder mal raus aus dem Dschungel will.


BOHNE, BLUESCHT & BERGER
Almut Berger, Migros-Magazin-Journalistin, Familienfrau und Hobbygärtnerin, sucht zusammen mit Ihnen nach Antworten auf die grossen Gartenfragen:
Zur Garten-Rubrik

Autor: Yvette Hettinger

Fotograf: Paolo Dutto