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25. Februar 2013

Der doppelte Ueli

Rudolf Hauser aus Feldmeilen kann kaum ein Restaurant besuchen oder durch die Strassen flanieren, ohne mit Bundesrat Ueli Maurer verwechselt zu werden. Der Geschäftsführer einer Firma für Nagelpflege nimmt es meist mit Humor.

Rudolf C. Hauser
Ist es SVP-Bundesrat Ueli Maurer oder Geschäftsführer Rudolf Hauser?

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Doris Huwyler und ihre Ähnlichkeit mit Prinzessin Caroline
Doris Huwyler und ihre Ähnlichkeit mit Prinzessin Caroline

Seit Jahren werde ich immer wieder mit Caroline von Monaco, heute Caroline von Hannover, verglichen.
Wir sind beide 1957 geboren und haben fast die gleichen Schicksalsschläge erfahren.
Nur das Portemonnaie ist bei mir nicht so prall gefüllt, und am Rosenball bin ich auch noch nie erschienen...
Doris Huwyler


DAS PORTRÄT
Wenn Rudolf C. Hauser (58) ein Restaurant betritt oder wenn er spazieren geht, wird getuschelt: Ist er es, oder ist er es nicht? Denn die Ähnlichkeit mit Bundesrat Ueli Maurer ist augenfällig. Hauser ist mit 172 Zentimetern etwa gleich gross wie der SVP-Politiker, hat täuschend ähnliche Gesichtszüge und dieselbe Haartracht. Mehr noch: Beide sind im Zürcher Oberland aufgewachsen und sprechen deshalb den gleichen Dialekt, und dies erst noch in einer fast identischen Stimmlage. Zudem gehört bei Maurer und Hauser ein breites und herzliches Lachen zum Markenzeichen.

Aufgefallen sind dem Zürcher aus Feldmeilen seine Parallelen mit dem amtierenden Verteidigungsminister vor rund zwölf Jahren, als dieser schweizweit immer bekannter wurde und Hauser ihm von Jahr zu Jahr mehr glich, weil sich sein Haarkranz merklich lichtete. «Die Leute haben sich nach mir umgedreht. Ich dachte anfangs für mich: Wow, bin ich ein attraktiver Typ. Bis ich realisierte, dass die Aufmerksamkeit einen anderen Grund hatte …», sagt Hauser und fügt mit einem Schuss Selbstironie an: «Eigentlich dachte ich immer, ich würde George Clooney gleichen.»

Mit der Zeit spielte Hauser mit seinem Aussehen, etwa an den Interclub-Tennismeisterschaften. Als Hauser auf den Platz kam und sich alle nach ihm umdrehten, sagte er zum Spass: «Christoph Blocher weiss, dass ich hier bin. Wenn er anruft, unterbrecht bitte sofort mein Spiel.»

An einem 1. August kehrte Hauser in einem Ausflugsrestaurant auf dem Pfannenstiel ein. Wanderer hätten ihn gefragt, ob er hier sei, um eine 1.-August-Rede zu halten. Oder als er in Zug bei einem Mittagessen war, bat ihn ein Gast um ein Autogramm. Und wenn er durch Zürich spaziere, lächelten ihm die Leute zu und sagten «Grüezi».

Manchmal ist Rudolf C. Hauser seine Ähnlichkeit mit Ueli Maurer auch lästig.
Manchmal ist Rudolf C. Hauser seine Ähnlichkeit mit Ueli Maurer auch lästig.

Nicht immer geht es allerdings so friedlich zu: Vor zwei Monaten war Hauser damit beschäftigt, aus seinem Parkplatz herauszufahren, als ein älterer Fussgänger fast in sein Auto lief, um ihn zu stoppen. «Er wollte unbedingt wissen, ob ich Bundesrat Maurer sei. So etwas finde ich lästig», sagt er. Manchmal ärgert es ihn, immer wieder auf den Bundesrat angesprochen zu werden, und sagt den staunenden Leuten: «Nein, ich bin es nicht» — bevor es diese wagen, ihn anzusprechen. Tätlich angegriffen wurde Hauser allerdings noch nie, nur weil er mit dem gut drei Jahre älteren Rechtspolitiker verwechselt worden ist.

Ich hoffe, Maurer macht keinen Fehler, sonst bin ich der Löli.

Hauser und Maurer gleichen sich allerdings nur äusserlich. Hauser denkt über Politik und Gesellschaft anders als der Magistrat. Hauser ist parteilos, entscheidet bei Abstimmungen situativ und sagt, er habe Maurer weder als Nationalrats- noch als Ständeratskandidaten gewählt. «Ich finde es aber beachtlich, wie er sich jetzt als Bundesrat gibt. Er ist staatsmännischer geworden, grenzt sich von der SVP ab und ist von dieser trotzdem weitgehend akzeptiert.» Im Gegensatz zum sechsfachen Vater Maurer sagt Hauser von sich: «Ich bin überhaupt kein Familienmensch und zum zweiten Mal verheiratet.» Aus seiner ersten Ehe ging eine Tochter hervor.

Auch beruflich könnte der Unterschied zum Verteidigungsminister kaum grösser sein: Hauser ist Geschäftsführer und Mitinhaber der Firma Culture-Cosmetics AG in Meilen ZH. Diese hat über 1600 Artikel für Fingernageldesign, Hand- und Nagelpflege im Sortiment. «In unserem Ladengeschäft sprechen wir das E-Gen der Frauen an», erklärt Rudolf C. Hauser, diplomierter Kaufmann und Marketingplaner. E-Gen? Mit einem schallenden Lachen erklärt er: «Ja, das ist das Elstern-Gen, denn Frauen reagieren auf alles, was glänzt. Deshalb poliere ich täglich meine Glatze.»

Möglicherweise wird er in Zukunft weniger oft auf Ueli Maurer angesprochen. Denn Hauser, der den Bundesrat mit Buchhalterdiplom nur aus den Medien kennt, meint: «Im letzten halben Jahr alterte er stark. Als ich ihn vor ein paar Tagen am Fernsehen gesehen habe, sind mir seine tiefen Furchen um die Mundpartien aufgefallen.» Vorläufig ist die Verwechslungsgefahr hingegen noch immer gross. Deshalb sorgt sich Hauser: «Ich hoffe nun einfach, dass Maurer als Bundesrat keinen Fehler macht. Sonst bin ich der Löli.»

Fast jeder Promi hat einen Doppelgänger: Marianne Schätzle ähnelt Bundeskanzlerin Angela Merkel aufs Haar, Andy Cobb Tennisass Roger Federer (nächstes Bild).

Autor: Reto Wild

Fotograf: Niklaus Spoerri