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29. April 2013

Der Countdown läuft

Seit fast vier Wochen befindet sich Ueli Steck in der Akklimatisierungsphase am Fuss des Mount Everest. Frühestens in drei Wochen will er den Gipfel stürmen.

Ueli Steck an der Westschulter des Mount Everest
Ueli Steck lässt sich Zeit mit der Akklimatisierung und fordert sich doch: Vor wenigen Tagen ging es auf die 7205 Meter 
hohe Westschulter des Mount Everest. (Bild: Senders Film / Ueli Steck GmbH)

DIE REGION IM PORTRÄT
Akklimatisierung im Khumbu Valley: Ueli Steck bereitet sich erneut in der Everest-Region auf die grosse Expedition vor.

Alles im grünen Bereich im Himalaya: Seit Ueli Stecks Ankunft herrscht dort, von wenigen Ausnahmen abgesehen, Kaiserwetter. Und die minutiöse Vorbereitung des Bergsteigers zahlt sich aus: «Ich fühle mich sehr gut, viel besser als in den letzten Jahren. Diesen Winter habe ich mich entschieden, keine Vorträge zu halten und mich nur aufs Training zu konzentrieren. Jetzt profitiert mein Körper davon», sagt er.

Präzis wie ein Schweizer Uhrwerk hat der Berner Oberländer seine 16. Himalaya-Expedition vorbereitet und gibt sich bewusst sechs Wochen Zeit zur Akklimatisierung, bevor er mit Crewmitglied Simone Moro (45) den Mount Everest in Angriff nimmt. Steck begründet: «Viele Bergsteiger haben zu wenig Zeit und gehen zu schnell zum Gipfel. Wichtig ist, in dieser Phase Geduld zu haben und zu warten.» Für ihn heisst das: «Wir fällen den Entscheid, was wir genau machen, nicht vor dem 20. Mai.»

Geduld ist die wichtigste Tugend im Basiscamp am Mount Everest. Ueli Steck wird nicht vor dem 20. Mai zum Gipfel hochklettern. (Bild: Senders Film / Ueli Steck GmbH)
Geduld ist die wichtigste Tugend im Basiscamp am Mount Everest. Ueli Steck wird nicht vor dem 20. Mai zum Gipfel hochklettern. (Bild: Senders Film / Ueli Steck GmbH)

Steck wartet auf ein ideales Wetterfenster. Die Statistik sagt, dass Himalaya-Expeditionen zwischen dem 10. und 25. Mai am erfolgreichsten sind. Grund: Zuvor ist es zu kalt und zu windig, danach sorgt der Monsun für riesige Schneemengen und entsprechend erhöhte Lawinengefahr. In den nächsten Tagen wird Steck deshalb in engem Kontakt mit der Firma Meteotest in Bern stehen, um sich ein genaues Bild über die aktuelle Wetterentwicklung machen zu können. Die Informationen aus Bern werden letztlich mitentscheiden, wann und auf welcher Route er den höchsten Berg der Welt hochklettert. (Details über das Wetter und die Zusammenarbeit mit Meteotest in einer der kommenden Ausgaben).

Steck und sein Partner werden kaum die Standardroute wählen

Wie bei jedem Sportler, der vor seinem wichtigsten Wettkampf des Jahres steht, geht es jetzt für den 36-jährigen Berner Ausnahmeathleten darum, sich nicht nervös machen zu lassen. «Jetzt nehme ich einen Tag nach dem anderen und denke nicht zu viel darüber nach, was in einer oder zwei Wochen ist», sagt Steck. Das Khumbugebiet, mit so bekannten Achttausendern wie dem Mount Everest, dem Lhotse und dem Cho Oyu, sei wie eine andere Welt, «in der die Zeit keine Rolle spielt». Er schaue darauf, im Basislager auf 5364 Metern motiviert und gesund zu bleiben, «bis wir unseren grossen Aufstieg versuchen können».

Was er mit «grossem Aufstieg» meint, hat Ueli Steck bereits verraten: «Simone und ich suchen unsere eigene Herausforderung am Mount Everest.» Zum Gipfel des Everest führen 20 verschiedene Routen. Es würde überraschen, wenn Moro und Steck die bekannte Südroute wählen würden. Auch wenn sie ohne zusätzlichen Sauerstoff unterwegs sein werden, wäre diese Standardroute kaum die Herausforderung, von der sie sprechen. Letztlich entscheidet das Wetter, welche Route zum Ziel führen soll. Everest-Luft hat Steck bereits geschnuppert: Er war vor wenigen Tagen auf der 7205 Meter hohen Westschulter.