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07. Oktober 2013

Der CEO im Internat

Philipp Gmür (50), CEO Helvetia Versicherungen, war von seinem 13. bis zu seinem 20. Lebensjahr im Internat Engelberg.

Philipp Gmür (50), CEO Helvetia Versicherungen.
Philipp Gmür (50), CEO Helvetia Versicherungen.

Weshalb entschieden Sie sich in der Primarschule für ein Internat?

Aus Neugierde. Ich hatte eine unbeschwerte Kindheit zu Hause, wollte aber trotzdem mal etwas Neues probieren.

Was gab den Ausschlag für Engelberg?

Mit 13 habe ich verschiedene Internate angeschrieben und Unterlagen kommen lassen. In Engelberg besuchte ich einen Schnuppertag, an dem es ein Dessert zum Essen gab. Dies weckte bei mir die naive Erwartung, es würde dann immer so sein. Matchentscheidend war aber die Nähe zu den Bergen und die Möglichkeit, oft Ski fahren zu können. Zudem wollte ich nicht allzu weit wegziehen von Luzern und meinem Elternhaus.

Was waren die schönen Seiten am Internatsleben?

Die Intensität des Internatslebens hat mir sehr gut gefallen. Auf sehr engem Raum lebten wir in einer Gemeinschaft zusammen. Vieles war geprägt durch gemeinschaftliche Aktivitäten: Ich spielte Theater, lief gerne Ski, war Mitglied im Chor und in der Studentenmusik, später auch in der schuleigenen Studentenverbindung. Zudem gründete ich mit einem Schulfreund zusammen eine Literaturzeitschrift. Es gab also unzählige Möglichkeiten, sich zu entfalten. Die ganze Infrastruktur für unser Leben befand sich in dieser kleinen, autarken Welt. Mit zunehmendem Alter nutzte man die Freizeit natürlich auch für den Ausgang im Dorf, was die nötige Abwechslung zum «Leben innerhalb der Mauern» brachte.

Welche Momente aus der Internatszeit möchten Sie nicht missen?

Die Kameradschaft war sicher enorm wichtig. Jahrelang wohnen Sie mit den gleichen Leuten zusammen. Diesen Zusammenhalt habe ich als sehr positiv empfunden. Viele dieser Freundschaften bestehen bis heute.

Gab es auch negative Aspekte?

Diese Nähe bedeutete auch, dass sich kaum Rückzugsmöglichkeiten boten. Eine Privatsphäre gab es nicht. Konflikten konnte man nicht ausweichen. Und die Distanz zum Elternhaus war trotz geografischer Nähe recht gross, weil man nur in den Ferien nach Hause durfte. Das war nicht immer einfach.

Welchen Stellenwert hatte für Sie als Internatsschüler die Religion?

Als 13-Jähriger spielte die Religion keine Rolle bei der Wahl des Internats. Aber klar war der Besuch des Sonntagsgottesdienstes in einer Klosterschule Pflicht. Viele Schüler wirkten dabei auch regelmässig mit: Als Sänger im Stiftschor, Ministranten oder Lektoren – diese Aufgaben gehörten wie selbstverständlich einfach dazu. Zudem bestand die Mehrheit der Lehrerschaft damals aus Patres. Diese haben uns mit ihrer Lebensweise und -auffassung natürlich stark geprägt.

Welche Werte im Internatsleben haben Sie bis heute geprägt?

Ich genoss eine solide humanistische Ausbildung und lernte das «Carpe Diem» leben: Nutze den Tag, mach etwas aus deiner Zeit! Das Zusammenleben mit ganz unterschiedlichen Menschen über längere Zeit und auf engem Raum lehrte uns notgedrungen Toleranz und Sozialkompetenz, aber auch Kameradschaft, Verbindlichkeit und Treue.

Gibt es ein Erlebnis, eine Begebenheit, die Ihnen bis heute in Erinnerung geblieben ist?

Obwohl in Engelberg, waren wir ja keine «Engel». So gibt es zahlreiche Anekdoten von Budenfesten, Jassnachmittagen in Skihütten, von Saunagängen im Schnee und verstecktem Trinken von Messwein … die Details sind Teilnehmern an Klassentreffen vorbehalten!

Autor: Laila Schläfli