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15. August 2016

Der beste Campingplatz der Schweiz

Der Camping Hüttenberg ist ein Paradies für Fans von Zelt und Wohnwagen. Zumindest, wenn man den Usern von Camping.info glaubt. Ein Augenschein in Eschenz TG – und eine interaktive Karte mit den Favoriten bei ADAC und Zoovers.

Werken mit Seeblick: So ein Paradies, sei es noch so klein, will gepflegt sein.
Werken mit Seeblick: So ein Paradies, sei es noch so klein, will gepflegt sein.

Bienen summen und Vögel zwitschern. Es riecht nach frisch gebrühtem Kaffee. Und der Bodensee glitzert im Morgenlicht. Das Leben auf dem Camping Hüttenberg in Eschenz TG erwacht. Hier ein Mann, der den Klapptisch vor dem Wohnwagen deckt. Da ein Kleinkind, das im Pyjama über den Rasen tapst. Dort eine Frau, die sich vor ihrem Häuschen streckt.

Marcel (42), Alissia (10)und Manuela (38)
Meier: Die Familie Meier führt den Betrieb in dritter Generation.
Marcel (42), Alissia (10)und Manuela (38) Meier: Die Familie Meier führt den Betrieb in dritter Generation.

Der Camping Hüttenberg ist nicht irgendein Campingplatz. Er gilt als bester der Schweiz. Zumindest, wenn man den Bewertungen der User von Camping.info glaubt. Das Internetportal ist eine der meistbesuchten Camping-Seiten Europas und erstellt jährlich ein Rating. Der Camping in Eschenz hat es wiederholt als einziger Schweizer Platz in die Top 100 geschafft. Letztes Jahr haben über 200 Gäste eine Bewertung abgegeben und Hüttenberg auf Platz 46 gehievt. Sehr zufrieden sind die Camper mit der Sauberkeit der Anlage,der Freundlichkeit der Betreiberfamilie und der Infrastruktur.

Das Ehepaar Meier führt den Betrieb in dritter Generation. Die Grosseltern von Marcel Meier (42) waren Bauern und begannen 1964, erste Parzellen an Wohnwagenbesitzer zu vermieten. Die Eltern setzten dann ganz auf den Campingplatz. Und 2012 übernahm Sohn Marcel mit seiner Frau Manuela (38) das Geschäft. Seit der Übernahme haben sie die Anzahl Touristenplätze erhöht und neun hübsche Häuschen zum Mieten gebaut.

Knusperhäuschen für Tagesgäste: Die Podhouses sind eine Art hölzernes Iglu.
Knusperhäuschen für Tagesgäste: Die Podhouses sind eine Art hölzernes Iglu.

Wie erklärt sich der gelernte Maschinenkonstrukteur Meier das gute Abschneiden im Rating? «Wir gehen auf die Wünsche der Leute ein und haben zum Beispiel die Beleuchtung verbessert.» Und klar, er habe seine Gäste auch drum gebeten, teilzunehmen. Aber damit lasse sich das Ranking nicht manipulieren: «Wären die Gäste nicht zufrieden, hätten sie nicht so viele Sterne verteilt.»

Mehr Dauermieter als Touristen

Die Familie Zgraggen aus Spiringen UR hat ihren Wohnwagen für zehn Tage vor Ort parkiert. Es ist schon das dritte Mal, dass Daniel (44), Anita (40), Gilles (12) und Lucy (10) Ferien in Eschenz verbringen: «Die Auszeichnung war nicht ausschlaggebend für die Wahl. Für uns ist der Aufenthalt in Hüttenberg unter anderem ein Familientreffen. Meine Schwägerinnen haben einen Festplatz hier», erzählt Anita Zgraggen.

Daniel (44), Anita (40), Gilles (12) und Lucy (10) Zgraggen: Familientreffen auf dem Campingplatz – Schwägerinnen, Schwestern und Cousins sind auch da
Daniel (44), Anita (40), Gilles (12) und Lucy (10) Zgraggen: Familientreffen auf dem Campingplatz – Schwägerinnen, Schwestern und Cousins sind auch da.

Die Dauermieter sind in Hüttenberg in der Überzahl: Von den 330 Plätzen sind bloss 60 für Touristen reserviert. Seit über 20 Jahren fix installiert sind etwa Raoul (47) und Tanja (48) Lichtenecker aus Zürich: «Hüttenberg ist meine zweite Heimat, schon meine Eltern kamen her und haben auch heute noch einen Standplatz hier», erzählt Raoul Lichtenecker. Das Paar verbringt in der warmen Jahreszeit fast jedes schöne Wochenende in der Ostschweiz. Der Campingplatz ist für die beiden der perfekte Ausgleich zur Stadt. Früher waren auch die drei Söhne immer mit dabei: «Als Kind ist das hier ein Paradies. Da war immer was los. Jetzt gibt es weniger Gleichaltrige, für Teenager ist es hier halt nicht so interessant», erklärt Simon (16). Daran könne auch der Jugendraum mit Dartboard, Fernsehen und Töggelikasten nichts ändern.

Raoul (47), 
Tanja (48) und Simon (16)Lichtenecker: Ein Fluchtort für Stadtzürcher - das Ehepaar Lichtenecker verbringt fast jedes schöne Wochenende in Hüttenberg
Raoul (47), Tanja (48) und Simon (16)Lichtenecker: Ein Fluchtort für Stadtzürcher - das Ehepaar Lichtenecker verbringt fast jedes schöne Wochenende in Hüttenberg.

Und wie erklären sich die Lichteneckers das gute Rating? «Meiers halten die Anlage super in Schuss und haben auch immer wieder in Neuerungen investiert.» Dazu würden sie auch soziale Aktivitäten fördern und etwa Boccia- oder Lotto-Turniere veranstalten. Wie die Mehrzahl der Dauermieter wohnt Familie Lichtenecker in einem Wohnwagen, den sie mit einem Holzvorbau erweiterten.

Erika Schmalz (76): Die Frauenfelderin kommt seit 37 Jahren nach Hüttenberg. Von Anfang Mai bis Ende Oktober lebt sie praktisch auf dem Campingplatz und
Erika Schmalz (76): Die Frauenfelderin kommt seit 37 Jahren nach Hüttenberg. Von Anfang Mai bis Ende Oktober lebt sie praktisch auf dem Campingplatz und pflegt mit viel Herz ihren kleinen Garten.

Es gibt jedoch auch Mieter, die sich ein richtiges Häuschen auf ihre Parzelle gebaut haben. Wie etwa Erika Schmalz (76), die seit 37 Jahren nach Hüttenberg kommt. Ihr Haus bietet Schlafplätze für fünf Personen und eine komplett ausgebaute Küche. Freude hat die Rentnerin auch an ihrem Garten. Von Anfang Mai bis Ende Oktober wohnt Erika Schmalz fast ausschliesslich auf dem Camping. Gemeldet ist sie in Frauenfeld TG, wo sie an einer Durchgangsstrasse in einer Mietwohnung lebt.

Viele Rentner und Gartenzwerge

Das Durchschnittsalter am Hüttenberg liegt unter der Woche und in der Nebensaison bei 60 plus, darunter sind viele Rentner. Was auffällt, ist auch die hohe Population an Gartenzwergen. Zudem haben viele Hütten eine Satellitenschüssel auf dem Dach und im Garten einen Mast mit der Schweizer- oder der Kantonsfahne. Die parallel angelegten Gassen zwischen den Parzellen heissen etwa «Röstiweg», «Chlütterliweg» oder «Lumpengasse» – man ahnt, das in Letzterer wohl die ganz Verwegenen wohnen.

Exoten ohne Auto: Corinne (40), Martin (41), Cédric (8) und Loric (4) Ammann sind zu Fuss angereist. Der Platz im Rucksack ist beschränkt. Die Kuscheltiere der Kinder durften aber trotzdem mit
Exoten ohne Auto: Corinne (40), Martin (41), Cédric (8) und Loric (4) Ammann sind zu Fuss angereist. Der Platz im Rucksack ist beschränkt. Die Kuscheltiere der Kinder durften aber trotzdem mit.

Camper wie die Familie Ammann aus Felben-Wellhausen TG sind in Hüttenberg eher Exoten: Corinne (40) und Martin (41) sind mit Cédric (8) und Loric (4) zu Fuss angekommen. Vier Stunden waren sie mit zwei Rucksäcken à 26 und 18 Kilogramm unterwegs. Im Gepäck: Zelt, Kocher, Schlafsäcke und die Plüschtiere der Kinder: «Wir sind am Testwandern. Im Dezember wollen wir für vier Monate durch Neuseeland reisen», sagt Corinne Ammann. Den Camping Hüttenberg hätten sie vor allem wegen seiner Nähe zu ihrem Wohnort gewählt. «Die Leute sind sehr nett hier, aber ich habe eigentlich eine andere Auffassung von Camping: Die meisten haben ihren ganzen Haushalt dabei, das ist nicht mein Ding.»

Das Paradies will gepflegt sein

Im Vergleich zum Zeltlager von Ammanns mutet das Häuschen von Ehepaar Ferber fast wie eine Villa an. Es ist mit 42 Quadratmetern Wohnfläche eines der grössten Objekte auf dem Platz. Ihr «Sunneblick» ist sogar an die Kanalisation angeschlossen, hat fliessendes Wasser, Dusche und Toilette. Ruth (60) und Richard (70) haben gleich zwei Parzellen gepachtet. Sie besitzen eine Wohnung in Thalheim an der Thur ZH, verbringen ihre Freizeit aber am liebsten in ihrem Garten auf dem Camping. Alles darin ist perfekt arrangiert: Die Blumen sind mit einem Schneckenzaun vom Rasen abgetrennt, zwischen den Steinen sprudelt ein künstliches Bächlein, und die Platten, auf dem die Lounge aus Rattanimitat steht, sind lückenlos ineinander gefügt. Wildes hat hier keine Chance.

Es gibt immer was tzu tun
Es gibt immer was tzu tun.

Überhaupt: Wenn die Bewohner des Campingplatzes Hüttenberg nicht gerade im Klappstuhl sitzen oder mit ihren Nachbarn plaudern, sind sie meist am Unkrautjäten, Rasenmähen oder irgendetwas am Reparieren – so ein Paradies, und sei es noch so klein, will gepflegt sein.

Punkt 12 Uhr verstummt das Rattern und Hämmern: Zwischen 12 und 14 Uhr herrscht Mittagsruhe. Es gibt noch andere Regeln: Wer zwischen 22 und 8 Uhr morgens ankommt, muss das Auto draussen lassen, die Hecken dürfen nicht höher als 1,40 Meter sein, und im Pool darf nach 20 Uhr nicht mehr gebadet werden. «Die Leute hier sind extrem diszipliniert. Auch weil die Besitzer auf die Einhaltung der Camping-Ordnung achten», sagt Richard Ferber. Das sei sicher mit ein Grund, warum Hüttenberg im Rating so gut abgeschnitten habe. «Regeln sind wichtig, wenn man so nahe beieinander wohnt.»

Autor: Andrea Freiermuth

Fotograf: Daniel Ammann