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15. Dezember 2014

Der beste Ballonfahrer Europas

Peter Blaser hat mit dem Heissluftballon schon viele Länder bereist. Ende Dezember schwebt er wieder über dem ehemaligen Burma, wo er zum 16. Mal ein Ballontreffen organisiert hat.

Heissluftballonfahrer Peter Blaser
Heizen und aufsteigen: Peter Blaser ist in seinem Element.

Wenn der Emmentaler Peter Blaser (69) mit seinem Heissluftballon im burmesischen Bagan hoch über die Pagoden hinaufsteigt, so ist es gut möglich, dass ihn ein einheimischer Pilot anfunkt und begrüsst: «Hello Mister Peter, welcome back!»

Denn den Berner kennt man im fernen Myanmar (ehemals Burma). Seit 1998 organisiert er jährlich ein internationales Ballonmeeting im asiatischen Land. Ab dem 28. Dezember steigen sie wieder während zwei Wochen an verschiedenen Orten von Burma in die Lüfte. Mit dabei: eine handverlesene Truppe von Ballonfahrern aus aller Welt.

«Mit dem Ballon zu reisen, ist eine einzigartige Möglichkeit, ein Land zu entdecken», schwärmt Peter Blaser, der in seinem Haus in Hasle-Rüegsau BE am Esstisch sitzt. Durch die Glasfenster sieht man in den Garten, der Wind weht. «Man landet meist irgendwo in einem Dorf nebenan, fern vom Tourismus. So kommt man mit den Menschen viel unmittelbarer in Kontakt.»

Ballonfahrer Peter Blaser
Stille Fahrt übers Wasser bei Loikow nahe der thailändischen Grenze.

Als er mit seiner Frau Regina (70) das erste Mal Burma besuchte, war das Land wirtschaftlich vom Westen abgeschottet, die Militärjunta war an der Macht, Touristen waren selten, Autos ebenfalls, und Elektrizität war nicht einmal in den Städten rund um die Uhr selbstverständlich, Heissluftballone gab es im ganzen Land keinen einzigen. «Es war ein kleines Wunder, dass wir die Bewilligung erhalten haben», erinnert sich Regina. Sie ist bei den Abenteuern ihres Mannes meist als Passagierin und Fotografin dabei.

Blasers haben 40 Länder mit dem Ballon bereist

Es ist die Herzlichkeit der einheimischen Bevölkerung, die ihr Herz erobert hat. Damals wie heute ist die offene, freudige Art der Burmesen überwältigend: Wo auch immer sie in Myanmar auftauchten, rennen Kinder dem Ballon nach, rufen begeistert «Hello!» hoch.Landet Peter Blaser mit dem Korb irgendwo in einem Feld, ist schnell das halbe Dorf da und hilft mit, den Ballon einzusammeln, ihn zu verpacken, und Korb, Propanflaschen und Brenner zur Strasse zu tragen, wo sie jeweils auf die Bodencrew warten, die sie abholen.

Peter Blaser zu Besuch in Burma (Quelle: YouTube/ Muvi.ch )

Der Besuch in Myanmar ist auch immer wieder ein humanitäres Engagement: Während zweier Wochen verdient die etwa 30-köpfige einheimische Bodencrew einen guten Lohn, Regina Blaser kauft auf dem Markt Stoff und lässt von Schneiderinnen zahllose Mitbringsel für Freunde nähen, Ehemann Peter hat auch schon containerweise Stühle gekauft und exportiert, um dortige Produzenten unter die Arme zu greifen. Und sie unterstützen mit einem massgeblichen Beitrag die Berufsschule CVT in Yangon, die Lehren nach Schweizer Vorbild anbietet.

Nicht nur das buddhistische Burma mit seinen vielen traumhaften Pagoden und Stupas (heilige Stätten der Buddhisten) hat es ihnen angetan. Sie haben schon etwa 40 Länder mit dem luftigen Gefährt bereist. Wie viele es waren, wissen sie selbst nicht mehr genau. «Brasilien, Indien, Qatar, Madagaskar», fängt Peter Blaser an aufzuzählen. «… unsere Nachbarländer, dann Schweden, Portugal, die Tschechei, Estland, Lettland …», fährt er fort. Er hat auch schon den Roten Platz und den Kreml überflogen, ist der Chinesischen Mauer entlanggefahren und über die Wüste Marokkos geschwebt – immer wieder dicht über der Erdoberfläche, wenige Meter über Hausdächern, Baumwipfeln oder Sanddünen. «Man ist meist weniger als 100 Meter hoch in der Luft, so kriegt man etwas vom Land mit. Ab 500 Meter wird die Welt flach.»

«Ich war sicher, Ballonfahren ist mir viel zu langsam»

Ballonfahrer Peter Blaser
Helfende Hände, wo immer die Ballonfahrer landen: Die Leute in Myanmar sind freundlich, hilfsbereit.

Die Leidenschaft fürs Ballonfahren hat Peter Blaser zufällig entdeckt. Vor 25 Jahren kaufte er einen Ballon für seine Firma Blaser Swisslube in Hasle-Rüegsau, eine Firma, die Schmierstoffe für die Metallverarbeitung herstellt. «Wir sind so unscheinbar und versteckt inmitten der Hügel des Emmentals. Ich wollte, dass man uns sieht.» So stieg er 1989 mit dem ersten blau-weissen Blaser-Heissluftballon auf.

Dass ihn damit das Ballonfieber befallen würde, hätte er nie für möglich gehalten. «Ich war sicher, das ist mir viel zu langsam», sagt er verschmitzt. Bis dahin war er regelmässig als Pilot mit einem Propellerflugzeug unterwegs. Doch kaum mit dem Ballon in der Luft, wars um ihn geschehen.

Er erzählt, wie gut man mit der Zeit den Wind, die Luftschichten und Wetterverhältnisse kennen- und einschätzen lernt, wie er die Herausforderung liebt, die richtigen Winde aufzuspüren. Man spürt seine Leidenschaft, in den manchmal unberechenbaren Höhen zu navigieren. «Man kennt grob die Verhältnisse und muss in der Luft laufend entscheiden, wie weiter, das gefällt mir», sagt Peter Blaser. «Du kannst 100 Mal über das Emmental fahren, und jedes Mal ist es etwas Neues.»

Ballonfahrer Peter Blaser.
In Yangon unterstützt das Ehepaar Blaser die Berufsschule CVT, die Burmesen Lehren nach Schweizer Vorbild anbietet.

Wie damals im Winter, als er im stabilen Kaltluftsee im Mittelland abhob und auf 2500 Meter in einen schnellen Wind geriet und mit über 100 km/h in nordöstlicher Richtung fuhr und dreieinhalb Stunden später südlich von München problemlos landete. Lachend erzählt er, wie der Tower vom Flughafen Kloten bemerkte: «Du hast aber einen rechten Zacken drauf.»

In welche Richtung es geht, bestimmt der Wind. Steuern kann der Pilot nur insofern, als er steigt und sinkt und so unterschiedliche Windrichtungen in den verschiedenen Luftschichten ausnützt. Mit dem Zünden des Gasbrenners steigt der Ballon, mit dem Öffnen des Parachute, eines Ventils im oberen Hüllenteil, sinkt er.

Einmal landete er seinen Ballon auf einem Schiff

Nicht immer stimmen die Vorhersagen, und nie weiss Peter Blaser genau, was ihn in der Luft erwartet – trotz Vorhersagen und Wetterapps. Wie damals, als ihn der Wind bei einer Alpenüberquerung statt nach Turin ins Aostatal blies. Als der Wind auch noch abrupt änderte, blieb ihm nichts anderes übrig, als dort zu landen. «Das war holprig. Etwa 70 Meter schleifte es uns über den Boden», erinnert er sich. Der Wind blies mit 35 Kilometer pro Stunde (km/h) viel zu schnell – zum Landen gelten 15 km/h als unproblematisch.

Peter Blaser zu Besuch in China (Quelle: YouTube/ Muvi.ch )

Ganz der Kapitän, liess er sich nie von solchen Unwegsamkeiten beeindrucken. Die wohl spektakulärste Landung ist ihm in Myanmar gelungen: Er hat auf einem Schiff im Fluss Irrawaddy aufgesetzt. «Der Wind hatte nachgelassen, ich war mitten über dem Fluss und kam nicht mehr ans andere Ufer.» Als ein Tanker unter ihm vorbeifuhr, gaben sich er und der Schiffskapitän Zeichen. «Er ist unter den Korb gefahren, und ich bin auf Deck gelandet», erzählt er fröhlich. «Wo sonst passiert einem schon so etwas?»

«Beim Ballonfahren ist es wie beim Leiten der Firma», erklärt Regina Blaser. «Peter hat sich immer sehr gut informiert, sich gut vorbereitet. Aber etwas Glück braucht es bei beidem, immer.»

Peter Blaser schaut seine Frau liebevoll an. Seit über 40 Jahren sind sie verheiratet, Tag für Tag ist sie an seiner Seite und war während seiner ganzen Karriere als Geschäftsleiter für die Kommunikation der Firma zuständig. Auch heute noch ist sie es, die Mails beantwortet, Anfragen entgegennimmt und Fotos verschickt.

Auch Bertrand Piccard war beim Ballontreffen dabei

Ihr Mann gehört zu den versiertesten Piloten des Landes: Zweimal wurde er Schweizer Meister, 1993 und 1997, einmal Vize-Europameister mit Othmar Hochreutener, 1998. Auch Bertrand Piccard war schon mit Blasers in Burma. Als er beim ersten Versuch, die Welt im Ballon zu umrunden, in Myanmar landen musste, hatte er keine Gelegenheit das Land zu sehen. 1999, nachdem ihm die Weltumrundung endlich glückte, holte er das nach, und schloss sich Blasers Ballontreffen kurzerhand an. Peter Blaser ist aber keiner, der mit Namen prahlt oder seine Erfolge an die grosse Glocke hängt. Im Gegenteil. Seine zurückhaltende Art ist ein typischer Wesenszug von ihm: Lieber bewegt er etwas, als darüber zu sprechen.

Ballonfahrer Peter Blaser.
Peter Blaser muss in einem Dorf in Myanmar zwischenlanden, weil er ein neues Funkgerät braucht.

Nicht nur in den Lüften, auch als Firmenchef war er ein erfolgreicher Kapitän. Er hat den Familienbetrieb, den sein Vater gegründet hat, zu einer international erfolgreichen Firma für Kühlschmiermittel in der Metallverarbeitung gemacht – mittlerweile gibt es 13 Tochterfirmen weltweit. Vor vier Jahren zog er sich dann in den Verwaltungsrat zurück und hat die Geschäftsleitung seinem Sohn Marc (39) übergeben.

Und natürlich spielt der Ballon auch im Geschäft eine wichtige Rolle. «Er ist ein Teil unserer Unternehmenskultur.» Und diese ist ansteckend.

Soziale Verantwortung gegenüber den Angestellten

Die nordamerikanische Tochterfirma besitzt vier Ballone, Deutschland hat einen, in Indien ist man interessiert. In Hasle-Rüegsau sind 70 Mitarbeiter – gut ein Viertel der Belegschaft – in der firmeneigenen Ballongruppe, zehn davon besitzen den Pilotenschein.

Das Geschäft liegt einen Katzensprung von Peter und Regina Blasers Zuhause entfernt an der Emme. Auf dem Firmengelände befindet sich der Startplatz: Ein grosses grünes Stück Rasen direkt neben dem Gebäudekomplex mit Produktionshallen, Laborgebäuden, Fertigungsanlagen und Lagern.

Mitten in den modernen Bauten steht ein herziges Häuschen mit Ziegeldach. «Hier bin ich aufgewachsen», sagt Peter Blaser stolz. Heute ist dies das Pförtnerhaus. So, wie das Häuschen stehenbleibt, so bleibt auch trotz des internationalen Erfolgs der Hauptsitz in Hasle-Rüegsau bestehen. «Ich habe eine soziale Verantwortung gegenüber den Angestellten. Und sowieso: Nirgendwo sonst finden wir so gut ausgebildete Leute wie in der Schweiz. Sie sind die Basis des Erfolgs, und diese Basis behalten wir.»

Peter Blaser zu Besuch in Marokko (Quelle: YouTube/ Muvi.ch )

Sogleich kommt er wieder auf sein geliebtes Myanmar zu sprechen. Dort unterstützt er die Schweizer Stiftung und Berufsschule CVT: «Ich will helfen, dass junge Burmesen im harten Konkurrenzkampf eine Chance erhalten.»

Seit vier Jahren findet im Land ein Demokratisierungsprozess statt: Es wurde eine zivile Regierung eingesetzt, der Westen lockerte Handelsblockaden, und nun herrscht ein enormer wirtschaftlicher Aufschwung. Ausbildungsplätze sind dringend notwendig, denn Bildung wurde von den einstigen Machthabern systematisch verunmöglicht.

Peter Blaser hat also trotz aller Höhenflüge mit dem Ballon und seiner Firma die Bodenhaftung nie verloren. Wenn er Gutes tun kann, so tut er es. Schon jetzt freut sich ein Team von gut 30 Burmesen, das im Winter während gut zwei Wochen als Bodencrew für «Mister Peter» arbeiten kann.

Autor: Claudia Langenegger

Fotograf: Ueli Christoffel