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15. Mai 2017

Der Algorithmus der Liebe

Datingplattformen vernetzen Menschen, deren Persönlichkeitsprofile aufgrund von Computerberechnungen zusammenpassen. Funktioniert das wirklich besser als das spontane Kennenlernen im Alltag? Wir haben Parship-Psychologin Barbara Beckenbauer (47) dazu befragt.

Computermodelle sondieren vor
Computermodelle sondieren vor, wen frau oder man(n) kennenlernt.

Ist Liebe wissenschaftlich messbar?
Nein, warum genau sich zwei Menschen ineinander verlieben, weiss auch die Wissenschaft nicht. Denn Faktoren wie persönliche Ausstrahlung, Charme oder physische Anziehung lassen sich wissenschaftlich nur schwer messen. Man weiss aber, dass für eine glückliche Partnerschaft das Zusammenspiel bestimmter Charaktereigenschaften und Verhaltensweisen von entscheidender Bedeutung ist. Darauf konzentrieren wir uns bei Parship, wenn wir mittels Matching zwei Menschen einander als Partner vorschlagen.

Führen solche Paare erfolgreichere Partnerschaften als Paare, die sich spontan offline kennengelernt haben?
Tendenziell ja. Wir haben mit der Uni Zürich eine repräsentative Vergleichsstudie zwischen Paaren durchgeführt, die sich entweder online oder offline kennengelernt haben. Dabei kam heraus, dass Parship-Paare im Durchschnitt zufriedener sind als Paare, die sich am Arbeitsplatz, im Ausgang, bei Freunden oder sonst offline kennengelernt haben. Aus der Paartherapie weiss man, dass die Merkmalskombinationen(Kommunikationsstil, Wunsch nach Partnernähe, Wunsch nach geregeltem Leben usw.), die beim Matching berücksichtigt werden, eine hohe Relevanz für eine langfristige, zufriedene Partnerschaft haben.

Spielt die «Chemie», die ja bekanntlich stimmen sollte, nur eine untergeordnete Rolle?
Nein, ganz im Gegenteil. Die Attraktivität eines Menschen wird nicht unwesentlich vom Aussehen, der physischen Ausstrahlung und somit der «Chemie» bestimmt. Und diese individuellen Vorlieben lassen sich durch ein wissenschaftliches Verfahren nicht zuverlässig erfassen und vorhersagen. Ob es also tatsächlich «funkt», lässt sich trotz Matching und Bildergalerie nur beim persönlichen Treffen feststellen. Doch damit diese Verbindung, wenn es «funkt», auch langfristig im Alltag eine Chance hat, muss das Paar in verschiedener Hinsicht miteinander harmonieren. An diesem Punkt setzt das Matching an.

Individuelle Vorlieben lassen sich durch ein wissenschaftliches Verfahren nicht zuverlässig erfassen.

Was gilt eher: «Gleich und Gleich gesellt sich gern» oder «Gegensätze ziehen sich an»?
Beides – für eine stabile Partnerschaft sollten Paare gewisse Eigenschaften, Wünsche und Vorstellungen teilen, in anderen Belangen hingegen besser unterschiedlich ticken. Bezüglich Einfühlsamkeit und gewünschter Partnernähe sollten beide möglichst übereinstimmen. Auch eine grosse Ähnlichkeit bei Interessen und Gewohnheiten kann für eine harmonische Beziehung von Vorteil sein. Bei Charakterzügen wie Durchsetzungswille, Dominanzverhalten oder Kompromissbereitschaft ist es hingegen besser, wenn sich die Paare unterscheiden, damit es nicht zu unnötigen Konflikten und Streitereien kommt.

Wie geht der Persönlichkeitstest für das Matching damit um, wenn man sein Ergebnis «optimieren» will, um sich besser zu präsentieren?
Das Matching erstellt aus rund 80 Fragen ein Profil aus relevanten Persönlichkeitsmerkmalen, um eine möglichst reale Abbildung einer Person zu erhalten. Die meisten Menschen neigen dazu, sich bei Fragebögen in ein vorteilhaftes Licht zu rücken. Um diesen Effekt zu umgehen, wurde ein Teil des Tests mit Fragen in Form von Bildern oder grafischen Darstellungen ausgestattet, bei denen es nicht möglich ist, sich selbst zu «optimieren». 

Parship ist eine der grössten Onlinepartnervermittlungen im deutschsprachigen Raum.
Das Unternehmen mit Sitz in Hamburg bringt seit 2001 Paare zusammen: www.parship.com

Autor: Ralf Kaminski

Illustrationen: Pia Bublies