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25. November 2013

Denn sie wissen, was Sie tun

Ihre Bewegungen in der digitalen Welt werden erfasst und ausgewertet. So schützen Sie sich gegen die Überwachung im Internet und auf dem Smartphone.

Die digitale Überwachung ist allgegenwärtig.
Die digitale Überwachung ist allgegenwärtig.

Die SBB bieten bis Ende 2015 an 100 Schweizer Bahnhöfen kostenlose W-Lan-Zugänge an. Gratis ist das Surfen im Internet deshalb noch lange nicht. Zwar fliessen keine Franken, dafür aber Daten. Kunden geben bei der Nutzung der Hotspots ihre Handynummer, die eindeutige Identifikationsnummer ihres Geräts sowie Ort, Datum und Zeit der Nutzung preis. Mit diesen Informationen erstellen die SBB Nutzungs- und Bewegungsprofile – zum Beispiel um den Personenfluss in den Bahnhöfen zu optimieren. Ebenfalls denkbar ist auf Kunden zugeschnittene Werbung: Entweder für das Verkehrshaus, wenn sich Bahnreisende häufig in Luzern aufhalten, oder für einen frisch gebrauten Kaffee, wenn ein Starbucks in der Nähe ist und der am häufigsten genutzte Zug erst in zwölf Minuten abfährt.

Die neue Währung heisst Daten

Das Vorgehen der SBB ist weder ein Einzelfall noch überraschend. Viele Internetdienste sammeln als Gegenleistung für ein kostenloses Angebot Kundendaten – meistens, um personalisierte Werbung auszuliefern. Die bekanntesten heissen Google und Facebook. Allerdings gilt de facto überall: Daten sind die neue Währung. Internetnutzer müssen das nicht jedoch einfach so hinnehmen. Es gibt Möglichkeiten, sich vor der Datensammelwut von Unternehmen zu schützen:

- Google: Stellen Sie sicher, dass Sie bei keiner Google-Suche mit Ihrem persönlichen Konto eingeloggt sind. So kann der Konzern Ihre Anfragen nicht mit Ihrem Namen verbinden. Zudem empfiehlt sich, E-Mail-, Suchmaschinen-, Kalendernutzung usw. auf mehrere Dienstleister zu verteilen. Mehr Infos im Artikel «Google allwissend» .
- Facebook: Das soziale Netzwerk stellt alle wichtigen Einstellungen unter Facebook.com/privacy übersichtlich dar. Wer in der Vergangenheit zu wenig auf die Privatsphäre geachtet hat, kann mit einem Klick auf Vergangene Beiträge einschränken alle öffentlichen Einträge zurücknehmen. Wie Ihr Profil für Unbekannte aussieht, prüfen Sie unter Chronik und Markierungen/Anzeigen aus der Sicht von. Nicht zuletzt verrät ein Klick auf Apps, welche Drittprogramme auf Ihr Profil zugreifen dürfen.
- W-Lan-Hotspots: Wer einen kostenlosen W-Lan-Hotspot entdeckt, sollte vor dem Herstellen der Verbindung unbedingt die Nutzungsbedingungen lesen. Sind Sie damit nicht einverstanden, sehen Sie von einer Nutzung ab.

Generelle Verhaltenstipps im Netz

Wie mehrfach erwähnt, gilt bei Gratisangeboten im Internet vor allem eins: eine gesunde Portion Skepsis. Gehen Sie davon aus, dass eine Firma nur etwas kostenlos anbietet, wenn sie Ihnen dafür passende Werbung liefern kann. Und das ist nur möglich, wenn das Unternehmen Sie, Ihr Verhalten, Ihre Vorlieben und nach Möglichkeit auch Ihren Standort kennt. Deponieren Sie deshalb persönliche Daten wie Klarnamen, E-Mail- und Postadresse etc. bei möglichst wenigen Anbietern. Wenn Sie sich für die Nutzung eines Diensts registrieren, prüfen Sie nach dem ersten Login unbedingt die Privatsphäreeinstellungen auf der Website und verbergen Sie persönliche Informationen. Wie Sie unerwünschte Konten wieder loswerden, lesen Sie im Artikel «Tschüss Facebook, Ciao Google!» Ausserdem bietet jeder Internetbrowser (Internet Explorer, Firefox, Safari etc.) in den Softwareeinstellungen ausserdem die Möglichkeit, den Privatmodus zu aktivieren. So kann keine Website sogenannte Cookies hinterlegen, die Ihr Verhaltensmuster ausplaudern.

Smartphones abriegeln

Schützen müssen Sie sich allerdings nicht nur am Computer, sondern auch das Smartphone. Standardmässig zeichnet dieses Ihren Standort auf und stellen ihn App-Anbietern zur Verfügung, damit diese passende Werbung ausliefern können. Um das zu verhindern, öffnen Sie beim iPhone Einstellungen/Datenschutz/Ortungsdienste. Dort untersagen Sie jeder App den Zugriff auf Ihren Standort, wenn das nicht unbedingt notwendig ist. Zuletzt öffnen Sie an gleicher Stelle die Systemdienste und deaktivieren sämtliche Schieberegler. Bei Android ist dies nicht ohne Weiteres möglich. Hier empfiehlt sich unter Einstellungen/Standortdienste die Option «Drahtlosnetzwerke verwenden» zu deaktivieren. Beim Windows Phone lässt sich die Standortaufzeichnung Einstellungen/Ortung nur komplett deaktivieren. In jedem Fall geben Sie Ihren Aufenthaltsort so nicht preis.

Autor: Reto Vogt