Archiv
02. April 2012

Denkmal aus Licht und Eis

In der Nacht auf den 15. April 1912 kollidierte die «Titanic» mit einem Eisberg und sank. Lichtkünstler Gerry Hofstetter setzt dem Drama genau 100 Jahre später ein flüchtiges Denkmal, mitten im Eismeer.

Die «Titanic» auf einen Eisberg projiziert.
Die «Titanic» auf ihrer Jungfernfahrt, auf einen gewaltigen Eisberg projiziert. Der Luxusliner galt als unsinkbar; bei seinem Untergang 1912 kamen 
1513 der 2224 Menschen an 
Bord ums Leben. (Bilder: Michael Kessler/Frank Schwarzbach)
Lichtkünstler und Event-Designer Gerry Hofstetter (50) arbeitet schon seit 2003 mit Eisbergen.
Lichtkünstler und Event-Designer Gerry Hofstetter (50) arbeitet schon seit 2003 mit Eisbergen. (Bild: Michael Kessler)

Eisberge sind gefährlich — das mussten vor 100 Jahren die Passagiere auf der «Titanic» erfahren, und das wissen auch Gerry Hofstetter und sein Team, wenn sie sich den Eisriesen in ihrem kleinen Expeditionsboot nähern. Der Schweizer Lichtkünstler bestrahlt schon seit 2003 Eisberge mit Bildern, hat also eine reiche Erfahrung mit dieser ungewöhnlichen Projektionsfläche. «Je gefährlicher der Eisberg desto interessanter», sagt Hofstetter. «Die attraktivsten sind die richtig grossen, glänzenden, bei denen bereits eine Fläche abgebrochen ist.» Allerdings können genau die jederzeit kippen oder auseinanderbrechen. «Und die Wellen, die so entstehen, bringen ein Boot wie das unsere locker zum Kentern.»

Sein Team nähert sich deshalb immer nur so kurz wie möglich für die Projektion und die Fotos und entfernt sich dann rasch wieder. Dazu kommt das instabile Wetter, das jederzeit von prächtigem Sonnenschein in heftige Stürme umschlagen kann. Aber genau das ist es, was den Künstler aus Zumikon ZH reizt: das Verschmelzen mit der Natur, unter schwierigen Bedingungen nachts etwas zu kreieren, das so flüchtig ist und dank der Fotos dennoch Bestand hat.

Bereits vor vier Jahren fasste Hofstetter den Plan, zum Jubiläum des «Titanic»-Untergangs nach Grönland zu reisen und am Ursprungsort des Eisbergs von damals zu projizieren. Die 40 Sujets dafür stammen vom Schweizer «Titanic»-Experten Günter Bäbler. Am 9. April bricht Hofstetter auf und hofft auf gutes Wetter und schöne Eisberge für die Fotos, die genau 100 Jahre nach dem Unglück entstehen sollen.

(Bilder: Michael Kessler/Frank Schwarzbach)
(Bilder: Michael Kessler/Frank Schwarzbach)
(Bilder: Michael Kessler/Frank Schwarzbach)
(Bilder: Michael Kessler/Frank Schwarzbach)
(Bilder: Michael Kessler/Frank Schwarzbach)
(Bilder: Michael Kessler/Frank Schwarzbach)
(Bilder: Michael Kessler/Frank Schwarzbach)
(Bilder: Michael Kessler/Frank Schwarzbach)

Mit diesem Schiff sucht sich der Lichtkünstler Gerry Hofstetter geeignete Eisberge und projiziert die «Titanic» in Originalgrösse auf die Eisfläche. Die Bildserie entstand bei der Generalprobe letztes Jahr. Ab 9. April gilts ernst: Dann ist Hofstetter wieder mit seinen Projektoren im Eismeer vor Grönland unterwegs. (Bilder: Michael Kessler/Frank Schwarzbach)