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01. Februar 2016

Kindermedizin: Den Kleinsten geht es immer besser

In der Schweiz nimmt die Säuglingssterblichkeit seit Jahrzehnten ab. Mit ein Grund dafür sind bessere Behandlungsmöglichkeiten und neue Erkenntnisse bei der Betreuung von Neugeborenen.

Säuglingssterblichkeitsrate
Quelle: BFS – Statistik der natürlichen Bevölkerungsbewegung (BEVNAT)

Seit den 1970ern hat die Säuglingssterblichkeit in der Schweiz um rund 75 Prozent abgenommen. Starben 1969 knapp 16 von 1000 Neugeborenen im ersten Lebensjahr, waren es 2014 noch 4. In den letzten 20 Jahren hat sich die Reduktion der Sterberate allerdings verlangsamt.

Mehr als die Hälfte der Todesfälle hat direkt mit Schwangerschaft oder Geburt zu tun: vorzeitiger Blasensprung, Entzündung der Gebärmutter, Frühgeburt oder Atemnot. 1990 starben noch 17 Prozent der Säuglinge am plötzlichen Kindstod. Gemäss Bundesamt für Statistik sind es heute noch 3 Prozent. Dies, seit die Säuglinge nicht mehr auf dem Bauch schlafen. Das höchste Risiko, als Kind zu sterben, besteht in der ersten Lebenswoche, mehr als die Hälfte der Todesfälle im ersten Lebensjahr ereignet sich innerhalb von 24 Stunden nach der Geburt.

«Das Sterberisiko ist ganz eindeutig mit sozio-ökonomischen Bedingungen verknüpft», sagt Rolf Temperli vom Verband der Schweizer Kinderärzte. Armut als Krankheitsrisiko sei für eine höhere Sterblichkeit mitverantwortlich. Eine bessere Gesundheit und Ausbildung der Mütter verbessere die Lebenschancen des Kindes.

Bessere Impfstoffe

Neben den gesellschaftlichen Aspekten spielen aber auch die medizinischen Errungenschaften eine gewichtige Rolle. Etwa die verbesserten Vorsorgeuntersuchungen (z. B. Ultraschall), das Neugeborenen-Screening, bei dem angeborene Erkrankungen erkannt werden, und verbesserte Möglichkeiten, diese zu behandeln. Dank verbesserter Impfstoffe können heute infektiöse Krankheiten verhindert werden.

So sind die noch vor kurzer Zeit sehr gefürchteten und nicht selten tödlich endenden Kehlkopfdeckel-Entzündungen verschwunden. Viele vormals meist tödlich verlaufende bösartige Krebserkrankungen können heute erfolgreich behandelt werden.

Ebenfalls zur positiven Entwicklung beigetragen haben ­Optimierungen bei der Ernährung, das Fördern des Stillens und regelmässige Kontrollen. Auch sind Ärzte und Spitäler heute besser erreichbar als in früheren Zeiten.  

Autor: Peter Aeschlimann