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27. August 2012

Daumen hoch für den kleinen VW Up

Kann ein Kleinstwagen mit drei Zylindern eine vierköpfige Familie mobil machen? Für Familie Wildhaber aus dem aargauischen Holziken ist nach einer Woche VW Up klar: Er kann das.

Der Kofferraum des VW Up wird für die Badi bepackt
Der Kofferraum des VW Up wird für die Fahrt in die Badi bepackt: Rabea, Gian und Stefan Wildhaber (von links) laden Picknick und Badezeug ein.

Über Bergstrassen durch die Lenk, zum Schaffhauser Rheinfall und zum Affenberg am Bodensee: Familie Wildhaber aus Holziken AG nutzt die Testwoche mit dem VW Up gleich als Ferienwoche. 1600 Kilometer legen Rabea (39) und Stefan Wildhaber (42) mit Gian (8) und Jona (6) zurück, um den Up zu prüfen. «Seit aus Sportwagen- nun ja Kinderwagenzeiten geworden sind», sagt Rabea Wildhaber schmunzelnd, «fahren wir Chrysler Voyager und einen Opel Agila, der in die Jahre kommt.» Kann der VW, der neu auch fünftürig anrollt, als Zweitwagen überzeugen?

«Optisch gefällt er uns super», sagt Stefan Wildhaber. Mit ein paar Details im Innenraum hat er aber Mühe: «Dass es innen für das Beifahrerfenster nur auf der Beifahrerseite einen Schalter gibt und die Scheiben hinten nur aufklapp- statt versenkbar sind, ist am falschen Ort gespart.» Lob gibt es für die feinen (wenn auch recht tiefen) Sitze, die gute Bedienung und das abnehmbare Navi (460 Franken), das auch als Bordcomputer dient. «Qualitativ ist er sorgfältig gemacht», sagt die Hochbauzeichnerin — und ergänzt lachend: «Das Lenkrad ist unten flach. Es muss ja nicht immer rund sein.»

«Das Lenkrad muss ja nicht immer rund sein.»

Zum Raumangebot gibt Sanitärinstallateur und Hausmann Stefan verblüfft zu Protokoll: «Kaum zu glauben: so viel Platz auf dreieinhalb Meter Länge. Für grosse Menschen wird es hinten eng, aber mit Gian und Jona ist er geräumig.» Vom kleinen Laderaum darf man keine Wunder erwarten. «Doch der höhenverstellbare, doppelte Boden des Kofferraums ist äusserst praktisch», staunt Rabea Wildhaber. «Setzt man den Boden ganz nach unten, gibts maximal viel Platz. Klappt man dagegen die Rücksitzlehnen um, lässt sich der doppelte Boden des Gepäckraums so nach oben versetzen, dass eine ebene Ladefläche entsteht.» Ideal, wenn man zum Beispiel lange Güter zu transportieren hat.

Dank direkter Lenkung lässt er sich sportlich fahren

Unterwegs erweist sich der Antrieb als quirlig. «Nur 75 PS, aber der Anzug, der leise Lauf und die Schaltung überraschen positiv», sagt Stefan Wildhaber. Und der Durst? Bei dem punktet die BlueMotion-Technology-Version für 500 Franken Aufpreis mit Sparmassnahmen — darunter auch ein tadellos arbeitendes Stopp-Start-System. Der Testverbrauch: 5,1 l/100 km. «Das schont die Umwelt und das Portemonnaie», lobt Rabea Wildhaber — und kommt auf das ausgewogene Fahrwerk zu sprechen: «Die Kinder fanden ihn härter als unsere Autos, wir nicht. Im Gegenteil, der Komfort stimmt für unseren Geschmack perfekt, und mit der direkten Lenkung lässt sich das Auto dennoch sportlich fahren.» Könnten sich die Wildhabers den Up also als Zweitwagen vorstellen? «Absolut», betonen beide: «Er überzeugt, ist sparsam und bietet ein überraschend gutes Preis-Leistungs-Verhältnis.»

Der Kohlendioxik-Ausstoss beim VW Up

98 g CO2 stösst der VW Up Bluemotion Technology pro Kilometer aus
Nur 98 g CO2 stösst der VW Up Bluemotion Technology pro Kilometer aus.

2015 sollen die Neuwagen in der Schweiz im Schnitt nur noch 130 g/km CO2 ausstossen. Geht man von einer kontinuierlichen Senkung des letzten ermittelten Werts (2011: 155 g/km) aus, bedeutet das für 2012 einen Richtwert von 149 g/km. Der Testwagen liegt mit 98 g/km deutlich tiefer.

Infos zum Bewertungssystem für den CO2-Verbrauch

NEUES CO2-EMISSIONSGESETZ

Bis 2020 sollen die Schweizer CO2-Emissionen gegenüber 1990 um 20 Prozent sinken. Per 1. Mai 2012 gilt in der Schweiz deshalb das revidierte CO2-Gesetz für neue Personenwagen. Angewendet wird es für alle neuen PW, die ab dem 1. Juli 2012 erstmals hierzulande immatrikuliert werden. Im Jahr 2015 dürfen die neuen Personenwagen im Schnitt maximal 130 g/km an CO2 ausstossen, was einem Norm-Gesamtverbrauch von etwa 4,9 Liter Diesel bzw. rund 5,6 Liter Benzin pro 100 Kilometer für Benziner entspricht. Für Gasantriebe gelten gesonderte Bestimmungen.

ÜBERSCHREITUNG SANKTIONIERT

Der Wert von 130 g/km CO2 wird stufenweise eingeführt. Im Jahr 2012 müssen ihn 65 Prozent der Neuwagen, 2013 dann 75 Prozent und im Jahr darauf 80 Prozent der neuen Personenwagen erfüllen. Erreicht ein Importeur den spezifisch für ihn anhand Zielwert und Gewicht errechneten Schnitt nicht, wird die Sanktionsabgabe fällig, zum Beispiel 142,5 Franken pro Gramm ab dem vierten Gramm (1 bis 3 Gramm sind vergünstigt).

BEWERTUNG IM MIGROS-MAGAZIN

Die Bewertungsgrafik im Migros-Magazin geht zwecks anschaulicherer Einstufung der Fahrzeuge von einer kontinuierlichen Senkung aus. Die Grundlage dafür ist der letzte ermittelte CO2-Durchschnitt aller Neuwagen: 155 Gramm pro Kilometer im Jahr 2011. Sinkt der CO2-Ausstoss bis zum angestrebten Ziel von 150 Gramm pro Kilometer im Jahr 2015 kontinuierlich, ergeben sich daraus unsere Zielwerte – wie etwa 149 Gramm pro Kilometer für 2012. Anhand dieses Wertes werden die von uns vorgestellten Autos im Migros-Magazin beurteilt.

Autor: Timothy Pfannkuchen

Fotograf: Oliver Lang