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12. Dezember 2016

Ernährungstipps für die Festtage

Mark Fox rät, wie man über die Festtage essen soll und wie man tags darauf am besten den Kater bekämpft. Im zweiten Teil des Interviews (siehe «Weitere Artikel zum Thema») erklärt Fox, ob es Veganer oder Vegetarier an Festtagen leichter haben.

Mark Fox vom Basler Claraspital
Mark Fox vom Basler Claraspital.

Wie soll man ein üppiges Festessen starten?
Zum Beispiel mit einer guten Bouillon als Vorspeise, weil sie wie ein Aperitif den Magen entspannt und ihn so auf die grosse Mahlzeit vorbereitet.

Was soll auf dem Menü stehen, wenn man gern gut isst, aber nicht leiden und nicht zunehmen will?
Nach der Suppe wäre ein mageres Stück Rindsfilet oder Schweinefleisch eine gute Option, dazu Rotkraut mit Äpfeln und Preiselbeeren. Das hat nicht zu viele Kalorien. Vielleicht bereiten Sie dazu ein paar Kartoffeln zu, lieber in Wasser gekocht als in Fett gebraten. Eine Alternative könnte Jasminreis sein, aber nicht Risotto – darin sind viele Kalorien verborgen! Zum Dessert schlage ich eher etwas Fruchtiges vor als etwas Cremiges. In England isst man mit Dörrfrüchten gefüllte, gebackene Äpfel und dazu Magerquark oder Naturjoghurt anstelle von Rahm.

Was hilft nach einem üppigen Weihnachtsessen, um die Kalorien wieder loszuwerden?
Da empfiehlt sich ein Familienspaziergang oder lustige Spiele wie Versteckis, Twister oder ein Spiel auf der Wii-Konsole mit viel Bewegung. Wichtig ist, täglich aktiv zu sein. Man muss erstaunlich viele Kilometer laufen, um ein üppiges Festessen zu verbrennen! Es genügt also nicht, einmal während der Festtage rund um den Wohnblock zu joggen, wenn man danach nur vor der Glotze sitzt.

Was ist zu tun, wenn sich Gase stauen?
Bei Blähungen kann ein starker Minztee oder einer der populären Alpenbitter den Darm entspannen. Es gibt aber auch Menschen, bei denen die unangenehmen Bauchgefühle zu Muskelspannungen und damit zu verkrampfter Körperhaltung führen. Wir schicken die Patienten dann in die Physiotherapie, wo sie lernen, sich zu entspannen und ruhig zu atmen. Für solche Fälle gibt es einfache Atemtechniken, die man auch im Sport, Chor oder Yoga lernt.

Stimmt es, dass man langsam kauen sollte?
Ja, das ist ein alter Trick: Wer pro Bissen bis zu 20-mal kaut, fühlt sich schneller satt, ohne viel zu essen. Man merkt, dass man reichlich Speichel produziert und die Nahrung im Mund süsser wird. Ich erinnere mich an einen Restaurantbesuch vor einigen Jahren in den Galeries Lafayette in Paris. Da sassen schlanke und gut angezogene Damen «d’un certain âge», die unglaublich langsam assen. Ich bin sicher, dass sie diese Technik des langsamen Essens verwendeten, um sicherzustellen, dass die Designerkleider auch ja passen.

Wie viel Wasser soll man trinken?
Es ist sicher nicht schlecht, viel Wasser zu trinken. Aber die Mär von drei Litern Wasser pro Tag ist Quatsch. Mein Tipp: Schauen Sie beim Wasserlassen auf die Farbe Ihres Urins. Wenn dieser nicht dunkelgelb ist, haben Sie genügend getrunken.

Gibt es das perfekte Katerfrühstück, das Beschwerden lindert?
Ein Zauberrezept gibt es nicht. Sonst würden das alle kennen. Am Morgen nach einem kalorien- und alkoholreichen Abend allerdings nochmals Alkohol zu trinken, ist ein absolutes «No-Go». Aber viel Wasser oder eine salzhaltige Bouillon zu trinken, ist sicher keine schlechte Wahl. Auch Aspirin hilft.

Offenbar gibt es Menschen, die fast alles essen können, ohne zuzunehmen und andere, die quasi schon beim Anblick eines Kuchens Gewicht zulegen? Was ist Letzteren zu raten?
Ja, diese beiden Typen gibt es wirklich, und das hat mit dem Stoffwechsel und der Aktivität zu tun. Leute, die immer dünn bleiben, sind oft zappelig und kommen kaum zur Ruhe. Das Rezept für Übergewichtige heisst deshalb, den ganzen Tag möglichst aktiv zu bleiben.

Autor: Yvette Hettinger, Reto E. Wild

Fotograf: Kostas Maros