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03. November 2014

Das gesalzene Tablet

Wie ein guter Koch hat Apple die Fehler des iPad Air korrigiert und eine neue Version des Tablets auf den Tisch gezaubert. Für wen sich ein Kauf lohnt, verrät der Testbericht.

Stellen Sie sich folgende Situation vor: Nachtessen im Spitzenrestaurant. Die schick gekleidete Bedienung bringt das bestellte Rindsfilet und wünscht «ä Guete». Sie probieren das Fleisch. Es schmeckt sehr gut, aber nicht perfekt. Erst mit etwas Salz wird das Gericht zum Gaumenschmaus.

Das hinzugefügte Salz symbolisiert den Unterschied vom neuen iPad Air 2 zu seinem Vorgänger. Denn Apple hat sein Tablet nur minimal verbessert: Es ist etwa 30 Gramm leichter geworden, etwas über einen Millimeter dünner und dank neuen Prozessors einen Zacken schneller. Darüber hinaus hat Apple die von den iPhones bekannte «Touch ID» hinzugefügt: Durch Daumenauflegen lässt sich das Gerät entsperren, Apps können ohne Passworteingabe heruntergeladen und gespeicherte Logins bei Websites genutzt werden. Nicht zuletzt spendierte Apple der Kamera ein paar lustige Zusatzfunktionen – aber wer fotografiert schon mit einem Tablet?

Bei den Tablets macht Apple keinem etwas vor

Migros-Magazin-Redaktor Reto Vogt hat beim neuen iPad Air 2 den Durchblick.
Migros-Magazin-Redaktor Reto Vogt hat beim neuen iPad Air 2 den Durchblick.

Weil sich weder Optik, Bauform noch Bildschirmauflösung verändert haben, lässt sich auf den ersten Blick kein Unterschied feststellen, wenn das iPad Air 2 und sein Vorgänger nebeneinander auf dem Tisch liegen. Auch auf den zweiten nicht: Im Alltag beim Surfen, Mailen, Lesen und Schreiben fallen weder die Gewichtsreduktion noch das dünnere Gehäuse wirklich auf. Einzig der neue A8X-Chip sorgt beim Spielen sowie der Foto- und Videobearbeitung für mehr Tempo. Das beweist unter anderem der Test mit dem ressourcenhungrigen Rennspiel Asphalt 8 (siehe Apps unten), das fast doppelt so schnell startet wie vorher. Deutlich verbessert ist dank der iPad-Air-2-Hardware auch dessen Grafik: Noch selten hat ein Game auf einem Tablet schöner ausgesehen. In den detailgetreu nachgebauten Landschaften nehmen die aufwendig designten Sportwagen jede Kurve ohne zu ruckeln.

Aber die alles entscheidende Frage lautet: Lohnt sich der Umstieg vom iPad Air? Die Antwort ist klar: Nein. Das Tablet zählt auch ein Jahr nach seinem Erscheinen noch zu den besten der Zunft – und ist dank dem Launch des neuen iPad Air 2 je nach Speicherkapazität erst noch um über 100 Franken günstiger geworden.

Die neuen Funktionen des Nachfolgers sind das Geld hingegen kaum wert, weil davon erstens nur die wenigsten profitieren und zweitens der Preis von mindestens 549 Franken im wahrsten Sinne des Wortes zu gesalzen ist.

Drei Top-Apps für das iPad Air 2

Storehouse Rückblick auf die letzten Ferien oder ein geglücktes Familienfest: Die Gratisapp Storehouse bastelt aus Fotos, Videos und Text Ihr persönliches digitales Tagebuch, das Sie per Fingertipp mit Freunden und Bekannten teilen. Die App überzeugt durch ein minimalistisches Design und simple, intuitive Bedienung.

Asphalt 8 Das rasante Rennspiel ist für das neue iPad Air 2 optimiert und bietet schnelle Boliden und traumhafte Rennstrecken. Es geht nicht nur darum, der schnellste Fahrer zu sein und alle Gegner zu besiegen. Der König des Asphalts ist erst, wer acht Saisons und 180 Events im Karrieremodus bestreitet und gewinnt.

Hanx Writer Remington, Hermes und Olivetti: Die Kultschreibmaschinen feiern auf dem iPad Air 2 dank Hollywood-Schauspieler Tom Hanks ihr Comeback. Er ist der Namensgeber der App, die das Aussehen, das Gefühl und die Geräusche des alten Schreibens ins Jahr 2014 zurückbringen.

Autor: Reto Vogt