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03. September 2015

Das Letzte aus Apfelresten herausholen

Dies ist das jährlich wiederkehrende Wettrennen zwischen Vögeln, Würmern und Insekten: Wer hat den Apel am schnellsten für sich erobert?

Der fast unversehrte Apfel wird für späteren Genuss im Keller gelagert.
Der fast unversehrte Apfel wird für späteren Genuss im Keller gelagert.

Die Farbe und der Duft des (vermuteten) Hollsteiner Cox versprechen ein grandioses Aroma. Den Vögeln traue ich die besten Chancen zu, in den besten Apfel zu picken. Auch wenn sie sicher keine ausgebufften Kollibrikünste vollführen können, müssen sie offenbar sehr erfolgreich sein. Denn immer wieder liegen angepickte Äpfel im Gras, meist schon bevölkert von ein bis vier Wespen.
Die angepickten Äpfel landen in meinem Kompost zu Häksel und Küchenabfall – ohne Insekt. Andere liegen angefault im Gras, höchstwahrscheinlich Opfer eines kooperativen Angriffs von Würmern und Insekten. Nur selten bleibt ein Apfel unversehrt. Doch andere hängen mehr oder weniger angegriffen noch am Ast.

Mein Apfelbaum erfährt nur hin und wieder eine Bewässerung, speziell über den rund um den Stamm angebrachten Kompost vom letzten Jahr. Im Frühling trägt der Baum viele Blätter und Blüten, die fortwährend von Bienen und anderen Insekten besucht werden. Nach und nach kontrastieren die roten Früchte mit den grünen Blättern.

Just dieses Wochenende entschloss ich mich, den Tieren die Nahrung zu entreissen, ihnen vermeintlich zuvorzukommen und die an den Ästen verbliebenen Äpfel zu pflücken. Dabei erwies sich der alte, zwei Meter lange Obstpflücker als sehr hilfreich. Es handelt sich um ein Bambusrohr mit vorn angebrachten Haltebacken, die durch einen Fingergriff mittels Drahtzug geöffnet werden können. Allerdings reichte die Länge dieses Apparats nicht aus, um den Apfel zuoberst im Geäst zu pflücken. Den muss ich wohl oder übel den Tieren überlassen.

Von den gepflückten Früchten legte ich die einen, die keinen sichtbaren Schaden aufwiesen, in den Keller. Aus den anderen holte ich das Letzte heraus. Daraus werden letztlich Beigabe zum Müesli, Apfelmus oder eben gedörrte Schnitze. Zu gedörrten Apfelringli, wie sie fortgeschrittene Küchenprofis herstellen, reichte das Restmaterial verständlicherweise nicht. Durch den Dörreffekt entströmt den ungeschälten Schnitzen im Apparat zunehmend ein verführerisch starkes Aroma. Hollsteiner Cox sind wesentlich aromatischer als alles, was ich bisher gegessen habe. Und so sind auch die gedörrten Hollsteiner-Cox-Stückli wahre Leckerbissen.